Suizid in Gefängnissen: NRW stellt weitere Psychologen ein

Sicht aus einem vergittertem Fenster auf die Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf

Suizid in Gefängnissen: NRW stellt weitere Psychologen ein

  • Zahl der Suizide in NRW-Gefängnissen bleibt gleich
  • Land will mehr JVA-Psychologen einstellen
  • Prävention war bereits 2018 verschärft worden

Trotz verstärkter Präventionsmaßnahmen in den nordrhein-westfälischen Haftanstalten haben auch im vergangenen Jahr elf Gefangene hinter Gittern Suizid begehen können. Wie die Landesjustizvollzugsdirektion auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mitteilte, hatte es auch im Jahr 2018 elf dieser Fälle in Haft gegeben.

Die Justizvollzugsdirektion reagiert darauf offenbar mit der Verdopplung der Zahl der Psychologen zur Suizidprävention hinter Gittern. Zudem sollen als Unterstützung dieser 24 Suizidbeauftragten nach Informationen eines Behördensprechers 42 weitere Stellen für Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes geschaffen werden. Dadurch würden zusätzliche Gefährdungstests sowie eine intensivere Betreuung und Kamera-Überwachung in den Hafträumen ermöglicht.

Zahl der Selbstmorde hinter Gittern schwankt stark

Ein Langzeitvergleich zeigt den Angaben zufolge stark schwankende Zahlen: Die meisten Suizide hinter Gittern waren in den Jahren 1992 und 1997 mit jeweils 27 Fällen zu beklagen. Generell habe es in den 1990er Jahren und zur Jahrtausendwende mehrere Jahre mit mehr als 20 Suiziden in Haft gegeben - 2009 und 2015 waren es hingegen neun.

Nach dem Tod eines unschuldig in Kleve inhaftierten Syrers, der nach einem Feuer in seiner Zelle gestorben war, hatte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) Ende 2018 die Vorgaben zur Suizidprävention in einem Erlass verschärft. Nach einem verpflichtenden Gefährdungstest bei der Aufnahme eines Gefangenen sind seitdem im ersten Haftjahr weitere Überprüfungen im Abstand von drei Monaten oder anlassbezogen auch weitere "Screenings" vorgesehen.

Die überwiegende Anzahl der Selbsttötungen passiert im ersten Haftjahr. Wer als stark suizidgefährdet gilt, wird in einem besonders gesicherten Haftraum durchgängig überwacht. Weniger akute Fälle werden in Intervallen von maximal 15 Minuten kontrolliert oder in Gemeinschaftszellen untergebracht.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Frau am Schreibtisch mit Computermonitor

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Stand: 19.01.2020, 11:12

Aktuelle TV-Sendungen