Corona-Krise: Studierende protestieren für mehr Hilfen

Corona-Krise: Studierende protestieren für mehr Hilfen

Von Tom Schachtsiek

  • Umfrage: Vier von zehn Studierenden haben Nebenjob verloren
  • Heute bundesweite Protestaktion, auch in Bonn und Münster
  • Angekündigte Überbrückungshilfe noch nicht abrufbar
  • Viele nehmen einen Kredit auf

Mein Konto ist im Minus, ich habe sehr böse Briefe in der Post,“ - so wie Lehramtsstudent Sebastian Müller aus Köln geht es aktuell in der Corona-Krise vielen Studenten. In einer bundesweiten Protestaktion haben die Studierenden daher am Montag (08.06.2020) auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Neben Köln wurde auch in Bonn und Münster demonstriert.

Vier von zehn Studierende haben Nebenjob verloren

Die Corona-Krise ist seit März im Gang. Viele Studierende fühlen sich seitdem im Stich gelassen. Viele haben ihren Nebenjob verloren und sind in einer finanziell schwierigen Situation. "Ich habe Mietschulden von drei Monaten und weiß nicht, wie es weitergehen soll", klagt Sebastian Müller.

Sebastian Müller, Student

Student Sebastian Müller

Müller hatte gerade erst einen neuen Nebenjob in einem Museum begonnen, als ihm coronabedingt gekündigt wurde. Seitdem findet er nichts Neues: „Spargelstechen war zwei Stunden Fahrtstunden weg, die Supermärkte in meiner Umgebung waren voll, auch in der Gastronomie finde ich aktuell nichts.“ Die angekündigten Hilfen würden nicht reichen, sagt er. Damit würde er nicht mal seine Mietschulden begleichen können.

Hilfen verzögern sich

Das Bundesbildungsministerium will die Studierenden mit zusätzlichen 100 Millionen Euro unterstützen. Diese Überbrückungshilfe ist aber noch nicht abrufbar, dabei war der Start der Antragstellung für heute angekündigt.

Das Deutsche Studentenwerk sagt aber, dass es noch in diesem Monat Hilfen geben soll. Studierende, die wegen Corona in finanzieller Notlage stecken, sollen dann bis zu 500 Euro im Monat bekommen, je nach Kontostand. Der KfW-Studienkredit ist seit Mai mit 0 Prozent Zinsen zu haben. Bei der KfW sind mehr als fünf mal so viele Anträge wie in „normalen Zeiten“ eingegangen.

Protestaktion in ganz Deutschland

Vielen Studierenden reicht das nicht – ein Kredit müsse zurückgezahlt werden, die Überbrückungshilfe käme nur für die infrage, die nichts angespart haben. In Bonn, Münster und zehn weiteren Städten in ganz Deutschland protestierten sie.

„Ich finde, man muss auf dieses Thema aufmerksam machen“, sagt auch Lehramtsstudent Sebastian Müller, der bei der Protestaktion in Bonn dabei ist. Die Studierenden wollen unter anderem eine unbürokratische Soforthilfe: In einer Petition im März wurden 3.000 Euro gefordert - über 55.000 Studierende hatten unterschrieben.

Stand: 08.06.2020, 14:21

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