Studie: Großes Dunkelfeld bei Polizeigewalt

Polizisten halten ihre Schutzhelme unter dem Arm

Studie: Großes Dunkelfeld bei Polizeigewalt

  • Wie häufig ist Polizeigewalt?
  • Bochumer Uni-Studie hat großes Dunkelfeld festgestellt
  • Wissenschaftler befragten erstmals Tausende Betroffene

Auf einen Verdachtsfall von illegaler Polizeigewalt kommen in Deutschland Forschern zufolge mindestens fünf Fälle, die nicht angezeigt werden. Das geht aus der ersten Studie zur Erforschung illegaler Polizeigewalt in Deutschland hervor.

Das Dunkelfeld läge damit bei mindestens 10.000 mutmaßlichen Gewalttaten durch Polizisten im Jahr. Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum haben am Dienstag (17.09.2019) einen Zwischenbericht der Studie ("Körperverletzung im Amt") veröffentlicht, für die knapp 3.400 mutmaßliche Opfer von rechtswidriger Polizeigewalt Auskunft gaben.

Ermittlungen gegen 4.000 Polizisten

Laut amtlicher Statistik wird gegen rund 4.000 Polizisten Jahr für Jahr von den Staatsanwaltschaften ermittelt - wegen 2.000 Verdachtsfällen illegaler Polizeigewalt. Das ist das sogenannte Hellfeld. "Hellfeld" bezeichnet alle bekannt gewordenen Vorfälle. Das "Dunkelfeld" bezieht sich auf die nicht registrierten Vorfälle.

Mit dem errechneten Verhältnis von 1:5 von Hell- zu Dunkelfeld sei man sehr vorsichtig gewesen, denn eigentlich habe die Studie sogar ein Verhältnis von 1:6 ergeben. "Wir nehmen außerdem an, dass diejenigen, die Anzeige erstatten, sich auch eher an einer solchen Umfrage beteiligen, also überrepräsentiert sind", sagte Professor Tobias Singelnstein der Deutschen Presse-Agentur.

RUB Studie zu Polizeigewalt startet

WDR 5 Westblick - Interview 07.11.2018 04:35 Min. Verfügbar bis 07.11.2019 WDR 5

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Hohe Einstellungsquote

Dem Vorwurf, dass Befragte die Polizei mit falschen Beschuldigungen überhäuft haben könnten, entgegnet der Kriminologe: "Wir haben eher große Zurückhaltung und Furcht der Befragten erlebt."

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Studie wird fortgesetzt.

Polizeigewerkschaft widerspricht

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) teilte mit, ein Systemfehler sei angesichts von jährlich Millionen Polizeieinsätzen nicht erkennbar. "Die Polizei genießt in allen Umfragen großes Vertrauen und hohe Wertschätzung", sagte GdP-Chef Oliver Malchow.

Fehlverhalten von Polizisten gebe es zwar, aber es werde "sauber und konsequent aufgearbeitet". Möglicherweise werde oft keine Anzeige erstattet, um eigenes Fehlverhalten zu verdecken. Außerdem sei für die Forscher nicht überprüfbar, ob die Polizei im jeweiligen Fall nicht doch rechtmäßig gehandelt habe.

Amnesty sieht sich bestätigt

Dagegen sieht die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ihre Kritik im Umgang mit Polizeigewalt durch die Studie bestätigt. Die Statistik gebe den Opfern von Polizeigewalt, die keine Anzeige erstatten, recht: 97 Prozent der Verfahren gegen Polizisten würden eingestellt.

Dies sei fatal und untergrabe das Vertrauen der Menschen in den deutschen Rechtsstaat. Polizisten müssten daher im Einsatz identifizierbar sein.

Stand: 17.09.2019, 17:12

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