Studie: NRW bei sozialer Teilhabe nur Mittelmaß

Familie aus Figuren steht auf Geldscheinen und Geldstücken

Studie: NRW bei sozialer Teilhabe nur Mittelmaß

  • Bildungshilfen kommen kaum an
  • Große regionale Unterschiede
  • Hamm zeigt, wie es geht

Ein finanzieller Zuschuss, damit die Kinder in einen Sportverein oder zum Musikunterricht gehen können. Oder damit sie an der Klassenfahrt teilnehmen können. Auch wenn die Eltern nur sehr wenig Geld haben. Das ist die Idee hinter dem staatlichen Bildungs- und Teilhabepaket.

Aber in NRW kommt diese Hilfe bei Kindern aus finanziell schwachen Familien kaum an. Laut einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zum Bildungs- und Teilhabepaket, die am Dienstag (08.10.2019) veröffentlicht wurde, schneidet NRW mit nur 15,2 Prozent erreichten Kindern und Jugendlichen schlecht ab.

Regionale Förder-Kluft

Bundesweit würden ebenfalls lediglich 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 15 Jahren erreicht, denen die Leistungen eigentlich zustehen würden. Während im Saarland noch weniger, nämllich nur 7,6 Prozent, gefördert werden, sind es in Schleswig-Holstein dagegen 45,3 Prozent.

Kommunen und Jobcenter gefordert

Die großen regionalen Unterschiede erklärt der Paritätische Wohlfahrtsverband mit bürokratischen Hürden und mangelnder Bewerbung der sozio-kulturellen Förderung durch Kommunen und Jobcenter. Die Leistungen seien in ihrer Höhe unzureichend und in der bestehenden Form ungeeignet, um Kinderarmut zu bekämpfen, Teilhabe zu ermöglichen und Bildungsgerechtigkeit sicherzustellen, kritisiert der Verband.

Verband fordert Rechtsanspruch

NRW-Landesgeschäftsführer Christian Woltering fordert daher einen verbindlichen Rechtsanspruch. Dabei müsse das Angebot vor allem auf dem Land gesteigert werden. Dort sei "die Förderung schwieriger umsetzbar als im urbanen Raum", sagte Woltering dem WDR. Der Kreis Borken mit einer Teilhabequote von 80,2 Prozent stelle hierbei allerdings eine Ausnahme dar.

Hamm zeigt, wie es geht

Auch innerhalb NRWs gibt es große Unterschiede im Umgang mit der Bildungsförderung. Während Wuppertal (2,4 Prozent) und Soest (0,0 Prozent) die "unterirdische Teilnahme" bestätigten, habe Hamm die Förderung "klug und niederschwellig gelöst", so Woltering. Die Einführung der sogenannten "You-Card" sorge dafür, dass den Betroffenen der Zugang zur Bildungsförderung erheblich erleichtert werden würde. Die "You-Card" erhalten in Hamm alle Familien, die Hartz IV oder Wohngeld bekommen. Über sie werden Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket abgerechnet.

Anspruch haben Kinder, die Hartz-IV-Leistungen beziehen oder deren Eltern Anspruch auf Wohngeld oder Kinderzuschlag haben.

Wir sind nicht arm, wir haben nur kein Geld – Das Leben als Hartz IV-Kind Menschen hautnah 28.03.2019 43:50 Min. UT Verfügbar bis 28.03.2020 WDR Von Renate Günther-Greene

Stand: 08.10.2019, 12:06

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