Jedes vierte Kind in NRW ist chronisch krank

Ein Kinderarzt hört einen Jungen ab

Jedes vierte Kind in NRW ist chronisch krank

  • DAK wertet Patientendaten aus
  • 29 Prozent der Kinder betroffen
  • Neurodermitis und Asthma häufig

Etwa jedes vierte Kind in Nordrhein-Westfalen ist einer aktuellen Untersuchung zufolge körperlich chronisch krank. Am häufigsten leiden die betroffenen Kinder oder Jugendlichen unter Neurodermitis und Asthma, gefolgt von Heuschnupfen und entzündlichen Darmerkrankungen. Das geht aus dem ersten Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK für NRW hervor, der am Mittwoch (06.02.2019) in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Hohes Risiko für Stadtkinder

Demnach leiden fast 29 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Land unter chronischen Erkrankungen - mehr als im Bundesdurchschnitt. Das liege vor allem am hohen Anteil von Stadtkindern in NRW. Diese kommen seltener mit Bakterien und anderen Umwelteinflüssen in Berührung, die im frühen Kindesalter das Immunsystem anregen und es gegen Krankheitserreger wappnen.

Zweifel an der Methodik

Bereits 2017 hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit einer Studie zur Kindergesundheit für Aufsehen gesorgt. Demnach leiden aber nur rund 13 Prozent der jungen Deutschen an einer chronischen Krankheit.

Kinderarzt Jörg Dötsch

Jörg Dötsch

Die auffälligen Unterschiede lassen Zweifel an den DAK-Zahlen aufkommen: Ihm erscheine die Zahl von 29 Prozent als sehr hoch gegriffen, meint der Direktor der Uni-Kinderklinik Köln und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch. "Aber der Begriff einer chronischen Krankheit ist eben nicht eindeutig definiert. Je nach Methodik der Studie erhält man andere Ergebnisse." Dass die Zahl der chronisch kranken Kinder zugenommen habe, sei aber unstrittig.

"Das klingt zunächst einmal alarmierend, hat bei näherer Betrachtung aber auch einen positiven Hintergrund", sagt Dötsch. Denn dank einer besseren Diagnostik und moderner Behandlungsmethoden könnten heute viele Kinder mit einer chronischen Krankheit leben, die noch vor wenigen Jahrzehnten unweigerlich zum Tod geführt hätte.

Gesundheitssystem nicht gut aufgestellt

"Leider ist unser Gesundheitssystem auf die gestiegene Zahl der chronisch kranken Kinder nicht eingestellt", sagt Dötsch weiter. Das zeige sich nicht nur in den überlasteten Kinderkliniken, sondern auch in dem Mangel an ganzheitlichen Therapieangeboten für Kinder. "Zum Beispiel braucht ein Kind mit Glutenunverträglichkeit nicht nur Ärzte, sondern auch Ernährungsberater."

Versicherungsdaten ausgewertet

Für den Report hat die DAK die Versichertendaten von rund 110.000 jungen Patienten im Alter bis 17 Jahre ausgewertet und von der Uni Bielefeld untersuchen lassen. Grundlage waren die Daten von 2016.

Der Tag um zwölf - chronisch kranke Kinder in NRW

WDR 5 06.02.2019 01:59 Min. WDR 5

Stand: 06.02.2019, 13:29

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Marianne 07.02.2019, 17:51 Uhr

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  • 5 Marianne 07.02.2019, 17:36 Uhr

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  • 4 Lina 07.02.2019, 07:04 Uhr

    Mir tun die Kinder leid und die Gesellschaft, die für die Folgekosten aufkommen muss. Eltern, tragen eine große Verantwortung und einige werden ihrer Erziehungsaufgabe einfach nicht gerecht! Wenn wenig Wert auf die Ernährung gelegt wird - ein geringes Haushaltseinkommen wäre in meinen Augen nur eine Ausrede. Wir hatten "früher" vor 50 Jahren auch nix. Manche Babies/Kleinkinder sind für unsere Region nicht passend angezogen (Babies ohne Mütze/Handschuhe im Winter etc.). Wir haben "früher" mit unseren Freunden draußen gespielt - welche Auswirkungen hat das digitale Zeitalter auf das Freizeitverhalten der Kinder? Hocken vorm PC oder Spielekonsole. In der Gesellschaft läuft seit Jahrzehnten einiges aus dem Ruder: viele Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen psychisch auffällig sind. Dies wird hier gar nicht erwähnt.

  • 3 Irmgard P. 06.02.2019, 16:55 Uhr

    Ich bin in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Essen aufgewachsen. Alle Zechen förderten noch reichlich Kohle und in der Nachbarschaft war die Brikettfabrik! Heute ist die Luft erheblich sauberer, und trotzdem haben die Kinder chronische Atemwegserkrankungen. Wir spielten und bewegten uns nachmittags nur draußen, heute sitzen die Kids nur am Handy oder Computer und die frische Luft und die Bewegung kommen zu kurz.

    Antworten (1)
    • Marianne 07.02.2019, 17:40 Uhr

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  • 2 Kirsten 06.02.2019, 16:37 Uhr

    Das Gesunheitssystem ist für chronisch kranke Kinder schlecht aufgestellt, soso! Es sollten besser die Ursachen wie Umweltbelastung und schlechte Ernährung bekämpft werden als mit der für die Industrie lukrativen Pharmakeule zu reagieren

    Antworten (1)
    • Marainne 07.02.2019, 17:52 Uhr

      Die Pharmakeule gibt es schon beim PROFISPORT: Und so eine Loveparade ist für Kinder eine ZUMUTUNG:

  • 1 kein Wunder 06.02.2019, 13:27 Uhr

    Kein Wunder bei den degenerierten und in Watte gepackten Kindern, die jeden Tag zur Schule chauffiert werden und sich besser mit dem Smartphone auskennen als in der Umgebung. Radfahren am besten nur mit Ganzkörperairbag.

    Antworten (2)
    • Anonym 06.02.2019, 20:28 Uhr

      Sie müssen ein unglücklicher und sehr unzufriedener Mensch sein, wenn sie andere Menschen so pauschal und vernichtend aburteilen. Traurig, solche Kommentare lesen zu müssen.

    • Marianne 07.02.2019, 17:42 Uhr

      Sie kennen NRW sehr schlecht. Es geht um was anderes. Da ist die Luft schon 1990 besser gewesen. Unzufrieden sind alle die die Meckern und behaupten Kinder sind arm. Dann sagen wir, Sie hätten ja keine bekommen müssen.

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