Studie: Armut ist ein Großstadtproblem

Studie: Armut ist ein Großstadtproblem

  • Steigende Armut in Großstädten
  • Neue Studie der Bertelsmann-Stiftung
  • Strukturwandel im Ruhrgebiet noch nicht bewältigt

Armut ist in Deutschland vor allem ein Problem in Großstädten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Dienstag (02.04.2019) veröffentlicht wurde. Während deutschlandweit zehn Prozent der Menschen Sozialleistungen empfangen, sind es in Großstädten 14 Prozent.

Großes Problem im Ruhrgebiet

Unter den Großstädten, in denen Armut besonders stark zugenommen hat, führt die Studie alle 13 Ruhrgebiets-Großstädte auf. Hier sei der Strukturwandel noch nicht vollständig bewältigt, heißt es von der Stiftung aus Gütersloh. Anders als in Ostdeutschland. Die Lebensverhältnisse hätten sich in ostdeutschen Großstädten weiter an das Westniveau angeglichen. Durch "Migration" und eine Wirtschaft, "die anzieht", gebe es inzwischen "bessere Einkommensmöglichkeiten", sagt Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung.

Großstädter beobachten mehr Armut

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Bevölkerung in Großstädten nimmt Armut als Phänomen der Gesellschaft viel stärker wahr als Kleinstädter. Bei einer Umfrage des Instituts Kantar Emnid aus dem Jahr 2018 kam heraus, dass fast jeder Zweite ( 46 Prozent) davon ausgeht, dass die Armut in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist. In den kleineren Städten bewertet das nur jeder Dritte (34 Prozent) so.

Städtetag fordert Lösungen

Vor dem Hintergrund des Armutsberichts der Bertelsmann-Stiftung appelliert der Deutsche Städtetag an Bund und Länder, vor allem strukturschwache Städte und Regionen stärker zu fördern. "Denn die Städte, die den größten Anteil sozial Schwacher in der Bevölkerung haben, haben oft die größten finanziellen Probleme", bemängelt der Präsident des Städtetags, Markus Lewe, in der Zeitung "Die Welt". Er fordert, das Armutsproblem mit einem breiten Ansatz zu lösen. Zum Beispiel mit guter Bildung und einer intensiven Arbeitsmarkt- und Wohnungspolitik.

Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid im September 2018 1.009 telefonische Interviews durchgeführt. Nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung ist die Befragung repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung.

Stand: 02.04.2019, 05:00

Kommentare zum Thema

9 Kommentare

  • 9 Hartmut Elling 03.04.2019, 12:25 Uhr

    Gegen Armut sollten die Schüler mal auf die Straße gehen (nach Schulschluß); durch Armut wird "die Zukunft geklaut". Die Mehrheit kann sich die Ideen der Grünen nicht mehr leisten, passender Weise weil die Grünen die Agenda mitbeschlossen haben. Auch passender Weise hat sich besonders die Bertelsmann Stiftung der Unternehmerfamilie Mohn für die Agenda eingesetzt. "Bessere Einkommensmöglichkeiten" durch "Migration" und und eine Wirtschaft, "die anzieht" ist typischer Bertelsmann-Quatsch. Von der "anziehenden Wirtschaft" kommt bei der Mehrheit nur der Lohnverzicht an und Migration lasse ich ausnahmsweise mal unkommentiert. Attac wurde die Gemeinnützigkeit entzogen, den Bertelsmännern nicht. // Davon jetzt mal abgesehen habe ich aber in Erinnerung, dass Armut in Kleinstädten nicht unbedingt weniger vorhanden ist; in kleinen Orten wird die Armut nur eher versteckt.

  • 8 nrw-bürger 02.04.2019, 20:54 Uhr

    Die "Armut" entsteht, weil diese Städte unschuldig zu Sammelbecken von scheinbar nicht arbeitsfähigen Migranten werden. Wieso können EU-Bürger als Bulgarien oder Rumänien einfach zu uns kommen und dann Leistungen beziehen? Das ist nicht fair.

  • 7 Ruhri 02.04.2019, 18:59 Uhr

    "Hier sei der Strukturwandel noch nicht vollständig bewältigt". Das ist beschönigend formuliert, der Strukturwandel wurde trotz Anstrengungen nur in Ansätzen bewältigt, eine Region mit 5 Millionen Einwohnern ist abgehängt. Einige Ursachen sind historisch bedingt, sie reichen bis in die 50er/60er Jahre zurück, als z.B. Stahl- und Kohleunternehmen die Bürgermeister in die Zange nahmen und die Ansiedlung neuer zukunftsträchtiger Technologieunternehmen verhinderten, da diese die damals knappen Arbeitskräfte hätten abwerben können, und die sich dann in dem damals strukturschwachen Süddeutschland niederließen. Andere Ursachen sind hausgemacht, so haben die Städte nie wirksam an einem Strang gezogen, gemeinsame wirtschaftliche oder gesellschaftspolitische Konzepte für die gesamte Region entwickelt. Innerstädtisch fehlt das Geld für die Basics wie z.B. die Infrastruktur (Straßen, Schulen etc.) oder wird für teuren Prestigeprojekte ausgegeben (z.B. Fußballmusem). So bröselts vor sich hin.

  • 6 Bernd 02.04.2019, 18:13 Uhr

    JedenTag wird immer nur von Armut berichtet und es klingt immer so, als ob die Armen alle unschuldig sind an ihrer Situation. Tatsache ist, die meißten Menschen sind arm, weil sie kein Interesse an Wirtschaftlichen erfolg haben. Statt dessen hängen sie lieber mit Kumpels ab, feiern Geburtstag und was es sonst noch so an Geselligkeit gibt. Es wird Zeit, daß man den Menschen mal klarmacht, daß man sich auch hocharbeiten kann. Natürlich muß man dafür seine "Sozialen Kontakte" auch mal zurückstellen und den Schwerpunkt des Lebens auf die wichtigen Dinge richten. Dem Erwirtschaften dessen, was man zum Leben braucht. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die werden gesellschaftlich diskriminiert, z.B. die Sparer. Statt von ihnen zu Lernen, wird schlägt ihnen Hass-Neid entgegen. Dabei haben diese Menschen ein Leben lang den Schwerpunkt auf die wichtigen Dinge gelegt. Die Öffenlich Rechtlichen sollen endlich aufhören die Öffenliche Meinung zu manipulieren.

    Antworten (1)
    • linux 02.04.2019, 22:47 Uhr

      "Tatsache ist, die meißten Menschen sind arm, weil sie kein Interesse an Wirtschaftlichen erfolg haben. "Erzählen sie das z.B. mal einer Reinigungskraft, Verkäuferin oder Friseuse man kann es sich auch einfach schön reden.

  • 5 Konrad 02.04.2019, 17:41 Uhr

    Machen wir uns nix vor, das Ruhrgebiet hat es geschaftt - ganz nach unten. Verzweifeltes Festhalten an veralteten Strukturen und Industrien, das Inszenieren von alter Arbeiterherrlichkeit und damit das Aufrechterhalten einer rückwärtsgewandten Identität (Kohle und Stahl sind nicht erst seit 15 Jahren Problemfälle) , dadurch die Abwanderung des Potenzials, Gebäudeleerstand etc. — da helfen auch keine zwei oder drei Vorzeigeplätze und der Versuch wegen eines Cafes eine heruntergekommene Ecke als ‚gentrifiziert‘ zu medial zu hypen oder einige kleine bis mittelständische Firmen, die neue Technologien verwenden. Es bedarf einer mutigen Städtepolitik - leer stehende Gebäude einfach mal abreißen, Industriebrachen konsequent umwidmen, wilde Müllkippen bekämpfen, herrenlose Autos systematisch abschleppen, Aufstockung der Polizei etc., um damit Anreize für neue Unternehmen zu schaffen— denn die Gegend, in der sich Unternehmen niederlassen, ist Teil ihrer Visitenkarte.

  • 4 Aufgeklärter Bürger II 02.04.2019, 15:42 Uhr

    Hoppla - diese Meldung ist aber schnell von der WDR-Hauptseite irgendwo nach ganz hinten gerutscht.........klar, dass irgendein Sprayer für irgendwas, irgendwo von irgendwen zu 3,50 EUR verurteilt worden ist, ist natürlich wichtiger und braucht einfach einen prominenteren Platz auf der Internetseite......das hat ja ganz sicher ein ganz große Bedeutung in dem Leben vieler Menschen in NRW...... LOL

  • 3 Aufgeklärter Bürger 02.04.2019, 12:23 Uhr

    Absolut erschreckend! Warum wird um den heißen Brei herumgeredet? Hier ein Zitat aus einem Beitrag des Deutschlandsfunks vom 23.12.2018: "Mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit ist die Zahl der Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland seit 2014 kräftig gestiegen. Es kamen und kommen aber viele Menschen mit geringer Qualifikation und wenig Sprachkenntnissen. Das hat die sozialen Probleme in Städten wie Gelsenkirchen, Duisburg oder Dortmund verschärft." "Nur mit einheitlichen und dauerhaften Strukturen sei den Folgen der ARMUTSzuwanderung beizukommen." Warum wird verschwiegen, dass einige EU-Länder bewußt einige Teile ihre Bevölkerung verarmen lassen, um diese zum Auswandern nach Westeuropa (Deutschland) zu bewegen?!

  • 2 Anonym 02.04.2019, 12:09 Uhr

    Besser arm dran als Arm ab!

  • 1 Bürger 02.04.2019, 12:03 Uhr

    So so, die Ruhrgebietsstädte haben den Strukturwandel noch nicht vollständig geschafft. Mir erzählte man diesbezüglich vor ein paar Jahren z B in BO was ganz anderes. Aber wer Augen hat zu sehen, mag mal abseits der Autobahnen durchs RG fahren

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