Klimaziele: Abschied von geliebten Privilegien?

Dunkelheit, Stau auf vierspuriger Straße

Klimaziele: Abschied von geliebten Privilegien?

Von Andreas Poulakos und Frank Menke

  • Wie können Klimaziele im Verkehr erreicht werden?
  • Umweltbundesamt empfiehlt drastische Maßnahmen
  • Privilegien von Autofahrern im Fokus

Mehr Steuern auf Diesel, Abschaffung der Pendlerpauschale, keine Begünstigung mehr von Dienstwagen, Einführung eines Tempolimits: Um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen, hat das Umweltbundesamt am Donnerstag (05.12.2019) schmerzhafte Einschnitte empfohlen. Die Süddeutsche Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.

Tempolimit: Auf 70 Prozent der deutschen Autobahnen heißt das Motto immer noch: "Freie Fahrt für freie Bürger". Bei Autofahrern ist die Einführung eines Tempolimits das Reizthema schlechthin. Klimaschützer wie die Deutsche Umwelthilfe fordern es dagegen seit Jahren.

Autoland Deutschland Planet Wissen 19.12.2019 03:26 Min. Verfügbar bis 19.12.2024 WDR Von Jonas Lang

Mehr tun fürs Klima! Umweltbundesamt sorgt für Aufregung

WDR aktuell - Der Tag 05.12.2019 10:12 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 WDR 3

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Das Umweltbundesamt empfiehlt ein Tempolimit von 120 km/h, um kurzfristig und kostengünstig Emissionsminderungen umzusetzen und die Nachfrage nach Fahrzeugen mit hoher Motorleistung zu senken. Eine Durchsetzung wird davon abhängen, inwieweit die Politik Konflikte mit Autofahrern und der mächtigen Automobil-Lobby nicht scheut.

Pendlerpauschale: Alle Berufstätigen können einen Teil der Fahrtkosten zur Arbeit von der Steuer absetzen. Auch wer öffentliche Verkehrsmittel statt des Autos nutzt, hat Anspruch auf die "Entfernungspauschale". Allerdings gelten hier bestimmte Höchstgrenzen.

Pendlerpauschale - wer bekommt wann wie viel?

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 16.09.2019 03:20 Min. Verfügbar bis 15.09.2020 WDR 5 Von Anne Schneider

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Umweltschützer kritisieren, dass die Pendlerpauschale den Trend zu langen Arbeitswegen fördert und damit den Ausstoß von CO2 erhöht. Sie verweisen auf die Praxis in anderen EU-Staaten: Dort können nur Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln steuerlich geltend gemacht werden.

Dieselprivileg: Diesel ist deutlich billiger als Benzin - wegen der niedrigeren Mineralölsteuer. Der Gesetzgeber begründet die unterschiedliche Besteuerung mit dem europäischen Güterverkehr. Triebwagen der Bahn und Lkw fahren in der Regel mit Diesel. Weil auch in anderen europäischen Ländern Diesel niedriger besteuert wird, wären deutsche Spediteure durch höhere Steuern benachteiligt.

Abgasalarm – Dieselmotoren im Fokus Planet Wissen 24.04.2018 58:12 Min. UT Verfügbar bis 24.04.2023 WDR

Umweltschützer kritisieren, dass auch private Dieselfahrer begünstigt werden. Diese müssen zwar als Ausgleich eine höhere Kfz-Steuer zahlen. Vielfahrer profitieren aber von der Regelung: Je mehr sie fahren, desto mehr sparen sie.

Dienstwagenprivileg: Große Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern häufig einen Dienstwagen zur Verfügung, den sie auch privat nutzen dürfen. Angestellte zahlen so weniger Steuern und sparen sich die Anschaffung eines eigenen Wagens. Oft werden auch die Benzinkosten übernommen.

Dienstrad statt Dienstwagen

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 03.06.2019 03:44 Min. Verfügbar bis 01.06.2020 WDR 5 Von Ludger Vortmann

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Die Regelung verhilft zwar der Autoindustrie zuverlässig zu guten Geschäften, schadet aber der Umwelt: Denn das Dienstwagenprivileg kurbelt vor allem den Verkauf von Autos der Oberklasse an. Ein Anreiz zum Kauf von schadstoffarmen Modellen fehlt.

Stand: 05.12.2019, 16:03

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