Uni-Stipendien gehen meistens an Akademikerkinder

Studenten verfolgen an einer Universität eine Vorlesung

Uni-Stipendien gehen meistens an Akademikerkinder

Von Jörn Seidel und Frank Menke

  • Arbeiterkinder bei Stipendien unterrepräsentiert
  • Große Unterschiede bei den Förderwerken
  • Studienstiftung weist Elite-Vorwurf zurück

Arbeiterkinder erhalten für ihr Studium deutlich seltener ein Stipendium als Kinder gut verdienender Akademiker. Beim größten deutschen Begabtenförderwerk, der Bonner Studienstiftung des deutschen Volkes, waren es 2018 nach eigener Auskunft nur 29 Prozent.

Studie: Nur ein Drittel Arbeiterkinder

Auch deutschlandweit kommt nur ein Drittel aller Stipendiaten aus Familien, in denen kein Elternteil studiert hat, teilte das Hochschul-Informationssystems bereits vor zehn Jahren mit. Dass sich an diesem Ungleichgewicht wenig geändert hat, belegen jetzt Recherchen der "Tageszeitung" (taz).

Ungleicheit in der Bildung

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Bei Adenauer-Stiftung nur 30 Prozent

So liegt zum Beispiel der Anteil an Arbeiterkindern unter den Stipendiaten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung bei 30 Prozent, beim katholischen Cusanuswerk sogar nur bei 27 Prozent und bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung bei 47 Prozent.

Unterstützung aus Steuergeldern

Die Stipendien sind Steuergelder. Allein in diesem Jahr zahlt das Bundesbildungsministerium den Einrichtungen 266 Millionen Euro.

Auf WDR-Anfrage teilte das Ministerium mit: Man habe die Förderwerke "in den vergangenen Jahren dabei unterstützt, stärker auf die bis dahin in der Begabtenförderung unterrepräsentierten Gruppen zuzugehen".

Studienstiftung weist Kritik zurück

Kritiker bemängeln, dass das Vergabesystem Eliten begünstige und soziale Ungleichheit verfestige. Diesen Vorwurf weist die Bonner Studienstiftung vehement von sich.

"Unter den leistungsstärksten Abiturienten sind deutlich weniger Schüler aus Arbeiterfamilien als aus Akademikerhaushalten - das schlägt sich entsprechend in weniger Bewerbungen und Vorschlägen nieder", sagte die stellvertretende Generalsekretärin Sibylle Kalmbach am Dienstag (19.11.2019) dem WDR.

Im Auswahlverfahren finde aber "nachweislich keine negative Diskriminierung von Erstakademikern statt", so Kalmbach weiter. Gegen das Ungleichgewicht unternehme man auch sonst eine ganze Menge. So würden sich im "Bildungsbotschafterprogramm" Hunderte Studienstiftler für mehr Bewerbungen von Arbeiterkindern einsetzen.

Unternehmen zurückhaltend mit Stipendien

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Auch wenige Stipendiaten mit Migrationshintergrund

Die Studienstiftung sei "stolz darauf", dass sie den Anteil ihrer Erstakademiker innerhalb kurzer Zeit deutlich steigern konnte, betonte Kalmbach. 2007 seien es noch 21 Prozent gewesen, seit 2013 seien es kontinuierlich rund 30 Prozent.

Unterrepräsentiert sind in den Begabtenförderwerken auch Stipendiaten mit Migrationshintergrund. Laut Bundesbildungsministerium lag die Quote im vergangenen Jahr bei 23 Prozent.

Stand: 19.11.2019, 17:36

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