Sternwarte Bochum: Zeuge der Mondlandung

Ausstellung der alten Kulissen zur WDR-Liveschalte

Sternwarte Bochum: Zeuge der Mondlandung

Von Ildiko Sabrina Holderer

  • Erste Mondlandung vor 50 Jahren
  • Sternwarte Bochum war live zugeschaltet
  • Bis heute Partner der NASA

Alles begann im Einkochkeller von Heinz Kaminski. Der Hobbyastronom und Amateurfunker installierte dort in Bochum-Sundern eine Empfangsanlage für Radiosignale aus dem All. 1957 empfing Kaminski mit seiner Anlage als einziger in Europa die Signale des sowjetischen Satelliten Sputnik.

Die Sternwarte Bochum wurde so über Deutschland hinaus bekannt, fand mehr und mehr Förderer und konnte bald die neueste Technik vorweisen. Bei der ersten bemannten Mondlandung im Juli 1969 war die Sternwarte vermutlich die einzige Einrichtung außerhalb der NASA, die die Signale von der Apollo 11-Mission direkt empfangen sowie aufzeichnen konnte und durfte.

Belege für die Mondlandung aus Bochum

Ehemaliger Techniker der Sternwarte Bochum Manfred Hünerbein

Bei Mondlandung im Dienst: Manfred Hünerbein

Die Techniker der Sternwarte konnten live mitverfolgen, wo genau sich Apollo 11 bei der Landung befand – und hörten alles, was an Bord gesagt wurde. "Wir mussten die Antenne auf 0,2 Grad genau ausrichten, um den Mond nicht zu verlieren", sagt Manfred Hünerbein, der damals Techniker bei der Sternwarte war.

Denn ein Signal kann nur dann empfangen werden, wenn die Antennen in exakt der richtigen Position stehen. Und die waren auf den Mond ausgerichtet. Jede räumliche Abweichung wäre auch in der Tonhöhe und –Lautstärke aufgefallen: Ähnlich wie bei einem vorbeifahrenden Krankenwagen hätte es in diesem Fall Tonverschiebungen gegeben.

So wurde die Sternwarte Zeuge, wie die Astronauten Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin auf dem Mond landeten. Bis zum berühmten Schritt sollte es wegen der Vorbereitungen an Bord allerdings noch etwa fünfeinhalb Stunden dauern –  und da stand der Mond schon über Amerika.

Mit Apollo 11 zum Mond - Folge 5 - Landung

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 19.07.2019 06:07 Min. Verfügbar bis 09.07.2024 WDR 5 Von Dirk Lorenzen

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Bochum beteiligt an Sonnensturm-Frühwarnsystem

Auch heute ist die Sternwarte Bochum noch in bedeutende Projekte eingebunden – zum Beispiel liefert sie Daten für ein Sonnensturm-Frühwarnsystem. Die Befürchtung: Ein starker Sonnensturm wie in Kanada 1989 könnte weite Teile unseres Kommunikationsnetzes lahmlegen. "Aktuell empfangen wir aus circa 200 Millionen km Entfernung für die NASA acht Stunden am Tag Daten von der Sonne", sagt Leiter Thilo Elsner.

Anlässlich der Mondlandung hat die Sternwarte Bochum einige Aktionen geplant. Zum Beispiel sollen die Funksprüche der Apollo 11 an einen Kommunikationssatelliten in 36.000 Kilometer Entfernung gesendet und auf der Südhalbkugel empfangen werden. "Die Crew der Apollo 11 wird noch einmal aus dem Weltall zu uns sprechen. Wir sind gespannt, wer sich von der südamerikanischen Halbinsel bis Südamerika bei uns melden wird", so Thilo Elsner.

Der erste Mensch auf dem Mond: Bilder, die uns bewegten

Von Ildiko Holderer

Die ersten Menschen auf dem Mond – 1969 ist es DAS mediale Großereignis. Gebannt verfolgt die Welt, wie Armstrong und Aldrin die ersten Schritte auf dem Himmelskörper machen. Und in NRW gibt es sogar einen Kronzeugen der Mondlandung.

Beschäftigte einer Firma aus Hessen schauen sich die Mondlandung an

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 verfolgen Millionen Menschen in Deutschland gespannt die erste bemannte Mondlandung der Geschichte. Es ist die Zeit des Kalten Kriegs, die Sowjetunion hat es bereits geschafft, die ersten Satelliten und bemannten Raumschiffe ins Weltall zu schießen. Für die USA eine Niederlage, der sie mit dem Apollo-Programm der NASA etwas entgegen setzen wollten.

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 verfolgen Millionen Menschen in Deutschland gespannt die erste bemannte Mondlandung der Geschichte. Es ist die Zeit des Kalten Kriegs, die Sowjetunion hat es bereits geschafft, die ersten Satelliten und bemannten Raumschiffe ins Weltall zu schießen. Für die USA eine Niederlage, der sie mit dem Apollo-Programm der NASA etwas entgegen setzen wollten.

Am 16. Juli 1969 starten die Astronauten Neil Armstrong (Kommandant), Edward "Buzz" Aldrin (Pilot) und Michael Collins (Pilot des Kommandomoduls) mit der Apollo 11 Richtung Mond. Der Flug dauert vier Tage – und die Welt schaut gebannt zu. Denn trotz einiger Vorbereitungsflüge ist die Mission für die Astronauten ein großes Risiko.

Armstrong, Collins und Aldrin: Schon einige ihrer NASA-Kollegen haben zu diesem Zeitpunkt bei Testflügen ihr Leben gelassen. Auch die Mondlandefähre "Eagle" soll noch viele Mängel haben - dazu kommt die Gefahr von Extremereignissen wie Sonnenstürmen. Sogar eine Trauerrede hat der damilige US-Präsident Nixon für den Fall des Scheiterns vorbereitet.

Doch die Apollo-11-Besatzung meistert die erste Hürde: Sie gelangt durch ein Bremsmanöver in die Mondumlaufbahn. Armstrong und Aldrin steigen in die Mondlandefähre um und machen spektakuläre Fotos von der Mondoberfläche.

Am 20. Juli um 21.17 Uhr deutscher Zeit kommt schließlich der lang ersehnte Funkspruch von Armstrong: "The Eagle has landed". Diesen Funkspruch hören auch die Techniker der Sternwarte Bochum live mit. Die Sternwarte kann und darf als eine der wenigen Institutionen außerhalb der NASA die Signale vom Mond empfangen.

Bis Armstrong und Aldrin aus der "Eagle" aussteigen, dauert es aber noch etwa sechseinhalb Stunden. Dann ist es so weit: Armstrong betritt als erster Mensch überhaupt den Mond und sagt den berühmten Satz: "That’s one small step for (a) man, one giant leap for mankind" - "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit!".

Von Armstrong selbst gibt es (fast) keine Fotos. Hier ist "Buzz" Aldrin zu sehen. Die beiden machten Experimente, installierten Laserreflektoren und Seismometer und entnahmen Bodenproben. Armstrong, Aldrin und Collins erreichten am 24. Juli 1969 wieder die Erde.

Nach Armstrong und Aldrin betraten bis 1972 noch zehn Menschen den Mond. Seit fast einem halben Jahrhundert war also niemand mehr dort. Das liegt unter anderem daran, dass so eine Mission teuer ist und dass die Sicherheitsstandards heute viel schärfer sind.

Ganz ohne Sonnensturm-Risiken kann man sich aber auch noch heute eine Nachbildung der Mondlandefähre in der Sternwarte Bochum anschauen. Die war eine der Kulissen für die WDR-Live-Sendung zur Mondlandung.

Stand: 20.07.2019, 15:10

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