Duisburg-Marxloh - ein sozialer Brennpunkt

Duisburg- Marxloh

Duisburg-Marxloh - ein sozialer Brennpunkt

Von Benjamin Sartory

  • Duisburg-Marxloh seit Jahrzehnten in der Krise
  • Rund 4.500 Südosteuropäer ins Viertel gezogen
  • Viele leer stehende, aber völlig marode Wohnungen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstag (13.03.2018) seinen Antrittsbesuch in NRW fortgesetzt. In Duisburg besuchte er den Stadtteil Marxloh, in dem mehrheitlich Ausländer leben. Das Bild ist trist: Verwitterte Fassaden, zerbrochene Scheiben und Müll gehören zum alltäglichen Erscheinungsbild.

In Marxloh leben vor allem bettelarme Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. Rund 4.500 Südosteuropäer sind in den vergangenen Jahren nach Marxloh gekommen. Der Hauptgrund: Hier gibt es viele leere, wenngleich völlig marode Wohnungen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Duisburg-Marxloh

WDR 2 | 13.03.2018 | 03:05 Min.

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Schrotthäuser werden geräumt

Die Stadt Duisburg geht seit einiger Zeit vor allem in Marxloh rigoros gegen Schrottimmobilien vor. 27 Häuser wurden bereits wegen Brandschutzmängeln geräumt. 53 weitere sollen demnächst überprüft werden.

Laut Stadt soll das vor allem skrupellose Eigentümer treffen. Die würden sich nicht um ihre Immobilien kümmern und sie mit verarmten Zuwanderern überbelegen.

An der Vorgehensweise der Stadt gibt es auch Kritik. Sylvia Brennemann zum Beispiel engagiert sich ehrenamtlich für die Familien aus Südosteuropa. Die Marxloherin meint, dass die Behörden die Rumänen und Bulgaren nur vertreiben wollen. Außerdem habe der Stadtteil schon vor dem neuen Zuzug Probleme gehabt.

Viel Aufmerksamkeit

Karl-August Schwarthans, mittlerweile pensionierter Geschäftsführer bei der Duisburger Arbeiterwohlfahrt, nannte den Besuch des Bundespräsidenten sogar "Katastrophentourismus". Schließlich waren auch schon Merkel und Gabriel hier. Trotz der vielen Aufmerksamkeit habe sich in Marxloh seit 30 Jahren kaum etwas verbessert.

Marxloh steckt tatsächlich seit Jahrzehnten in der Krise. Der Strukturwandel hat den ehemals blühenden Stadtteil arm gemacht. Knapp die Hälfte der Bewohner ist von Sozialleistungen abhängig. Rund 90 unterschiedliche Kulturen leben hier.

Zusätzliche Polizisten

Seit zwei Jahren sind in Marxloh zusätzliche Bereitschaftspolizisten unterwegs. Aus Sicht der Polizei wirkt das. Die Situation sei momentan relativ ruhig. Noch vor knapp einem Jahr wurde allerdings bei einer Auseinandersetzung auf offener Straße ein Bulgare erstochen. Er war 14 Jahre alt.

Duisburg-Marxloh hat auch schöne Seiten. Auf der Hauptstraße reihen sich Brautmodeläden aneinander. Orientalische Restaurants bieten Fleisch vom Holzkohlegrill an. Die Straße ist belebt, allerdings prägen immer mehr Bettler das Straßenbild. Das schlechte Image vergrault aus Sicht vieler Händler außerdem die Kunden. So kann es nicht weitergehen, meint Türkan, die hier als Hochzeitsfotografin arbeitet: "Die Stadt muss wirklich eine Lösung finden, wie wir alle miteinander auskommen in Zukunft."

Stand: 13.03.2018, 12:00

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