Steingärten in NRW: Wie sinnvoll ist ein Verbot?

Ein Vorgarten ohne grün, nur Schotter und Pflastersteine.

Steingärten in NRW: Wie sinnvoll ist ein Verbot?

Von Nina Giaramita

  • In den Kommunen gibt es immer mehr Steingärten
  • Naturschützer fordern Gegenmaßnahmen
  • Einige Kommunen in NRW ändern Bebauungspläne

Mehr Grün in den Vorgärten - das haben sich die Mitglieder des Bergischen Naturschutzvereins auf die Agenda geschrieben. Die umtriebigen Umweltschützer fordern ganz konkret von den Verwaltungen und Räten in den Kommunen der Region, dass sie in den Bebauungsplänen "die Pflicht zur Bepflanzung der Vorgärten" aufnehmen.

Mark vom Hofe, Vorsitzender des Vereins, hat sämtliche Bürgermeister im Umland angeschrieben. Er hält den Trend, "überall Schotter und Kies in den Vorgarten zu kippen" für "ökologischen Unsinn"; vor allem hinsichtlich der im vergangenen Jahr verbreiteten Nachricht vom drastischen Insektenrückgang.

Xanten will keine Steinwüsten

In einigen Kommunen wird der Antrag der Naturschützer nun bereits diskutiert. In Rösrath hat man sich beispielsweise des Themas angenommen. Bisher konnte man sich jedoch zu keinem Entschluss durchringen. Im zuständigen Ausschuss befürchtet man eine "Bevormundung" der Grundstücksbesitzer.

In anderen Gemeinden hat man jedoch den Steingärten den Kampf angesagt. So gibt es in Xanten seit vorigem Jahr explizite Vorgaben für neue Bebauungspläne. Ausdrücklich heißt es dort, dass die Vorgärten begrünt werden müssen und nicht versiegelt werden dürfen.

Konflikte mit Grundstücksbesitzern

"Der Beschluss hat uns überwiegend positive Reaktionen eingebracht", erzählt Bürgermeister Thomas Görtz (CDU). Im Einzelfall bedeutet die Neuregelung jedoch auch, dass die Stadt Konflikte mit Grundstücksbesitzern ausfechten muss.

Ähnliche Vorgaben will man demnächst auch in der ostwestfälischen Kommune Steinhagen machen. Auch hier kam die Anregung, gegen die Steingärten vorzugehen, von einem Bürger der Stadt.

Der dortige Bürgermeister Klaus Besser (SPD) weist darauf hin, dass die derartige Vorgaben im Grunde nichts Neues seien. "In den fünfziger Jahren waren in den Bebauungsplänen beispielsweise Buchenhecken vorgeschrieben", erzählt er. "Eigentum verpflichtet eben", so der Nachsatz.

Förderprogramme in Großstädten

Auch in größeren Städten ist man inzwischen zu der Einsicht gekommen, dass mehr Grün vonnöten ist. Denn der Klimawandel schreitet voran - und das bedeutet, dass verbaute Städte sich immer weiter aufheizen und nachts nicht mehr abkühlen.

In Köln gibt es daher inzwischen ein spezielles Förderprogramm. Damit wird die Begrünung von Dächern und Fassaden finanziell gefördert. Aus Sicht der Stadt läuft das Programm gut: Rund 20 Projekte konnten bereits umgesetzt werden.

Stand: 15.01.2019, 16:34

Kommentare zum Thema

42 Kommentare

  • 42 Mic 17.01.2019, 15:04 Uhr

    Die für verschotterte und verpflasterte „Gärten“ angeführten Begründungen (Alter, Krankheit, Beruf und keine Zeit!) entspringen allesamt einer abstoßend egoistischen Grundhaltung! Als Besitzer eines Grundstückes trägt man auch ein wenig Verantwortung für den Planeten Erde, von dem man ein Stück sein eigen nennen darf! Hier möchten vielleicht auch unsere Nachkommen noch ein einigermaßen lebenswertes Dasein fristen!

  • 41 Gärtnerseele 17.01.2019, 14:31 Uhr

    Das Verbot muss kommen. Es ist eine Unsitte, den Vorgarten erst mit Folie zu bedecken und die Folie dann mit Schotter zuzukippen. Wenn das Geld reicht noch eine Palme in die Mitte. Dann ins Auto springen und im Bioladen eine "Bienenstaude" für den Kübel neben der Haustür kaufen! Sicher fehlt es vielen Gartenbesitzern an Zeit, aber auch an Wissen. Es ist sehr einfach, pflegeleichte Dauerbegrünungsalternativen zu pflanzen. Und Unkraut findet immer einen Weg, auch im Schotter keimt der Löwenzahn. Unkraut muss immer angegangen werden, solange es noch klein ist. Dann wächst das Problem niemandem über den Kopf.

  • 40 Angelika Röttger 17.01.2019, 13:24 Uhr

    Steingärten sind natürlich abzulehnen, aber auch ein Garten, der ausschließlich aus Rasen und immergrünen Gehölzen wie zum Beispiel Kirschlorbeer oder Thuja besteht bringen uns nicht weiter, auch davon kann kein einziges Insekt profitieren.

  • 39 I. Meyer 17.01.2019, 10:49 Uhr

    Unsere Gesellschaft wird immer älter. Ich selbst hatte eine Krebs-OP mit 80% Behinderung und kann keine körperl. Arbeit mehr leisten. Mein Mann hat extremen Bluthochdruck, der kann auch kein Unkraut mehr entfernen (Schlagan- fallgefahr). Kommen dann die Politiker und Umweltschützer raus zur Gartenpflege? Wir haben eine Drainage u. wasserdurchlässiges Flies im Garten. Ein Baum und mehrere Pflanzen sind drin. Auf den Steinen haben wir einen großen Kübel mit saisonalen blühenden Pflanzen und kl. Töpfe. Funktioniert prima.

  • 38 Bea 17.01.2019, 06:41 Uhr

    Den allgemeinen Wandel in der Gesellschaft zum Negativen kann man auch daran sehen ,wieviele Leute sich Schotter in die Gärten kippen und das beileibe nicht nur im Vorgarten,sich aber dann darüber wundern,dass bei ihnen keine Biene,Fliege oder etwa Vögelauftauchen.Ja was sollen die denn futtern,etwa Steine,oder Kies?im Übrigen ist eine solche Gestaltung nur vermeintlich pflegeleicht,denn nach wenigen Jahren hat sich in den Ritzen Erde angesammelt ,in denen das Unkraut fröhlich spriest,nur ist aus Schotter und dergleichen viel schwerer wieder zu entfernen.

  • 37 Max D. 16.01.2019, 21:40 Uhr

    Es ist eigentlich klar, dass durch Schotter verunstaltete Vorgärten nicht mehr nur eine Frage des Geschmacks einzelner Gartenbesitzer sind. Diese Gärten sind ein Affront - ein massiver Angriff auf die Sinne. "Über Geschmack lässt sich nicht streiten" sagt man - Stimmt! Entweder man hat Geschmack oder man hat keinen...

  • 36 Susanne Heiduk 16.01.2019, 21:19 Uhr

    Meiner Meinung nach haben diese Steinwüsten noch nicht einmal etwas mit Schönheit zu tun sondern, schlicht mit Faulheit und somit auch mit Ignoranz. Den meisten Menschen ist es einfach zu mühsam den natürlichen Vorgarten den Jahreszeiten entsprechend in Ordnung zu halten. Wie wichtig jedes einzelne Fleckchen Natur ist mit all seinen nützlichen Bewohnern, ist ihnen egal, Hauptsache die Optik stimmt. Ignoranz Und Egoismus sind die Bausteine, die unsere Umwelt zerstören.

    Antworten (1)
    • Tim 16.01.2019, 21:37 Uhr

      Da kann ich nur voll zustimmen. Zeit für jegliche Art von Freizeitaktivitäten ist immer vorhanden. Dabei muss ein grüner Vorgarten nicht unbedingt viel Arbeit bedeuten. Wieviel Arbeit macht denn eine kleine Wildblumenwiese oder ein Fleckchen Lavendel o.ä. Es gilt heute in Neubaugebieten als chick, Schotter in den Vorgarten zu kippen und dort als Alibibepflanzung eine (für insekten völlig wertlose) Zwergkiefer mit Bonsaifrisur zu positionieren. Ein "Kiesgarten" der hier gemeinten Art ist keine Frage des individuellen Geschmacks, sondern eine aktive Verunstaltung des öffentlichen Raumes. Dank der mangelnden Sensibilität weniger müssen viele unter diesen gestalterischen Entgleisungen leiden. Der Vorgarten sollte als Visitenkarte des Hauses dienen! - Welches Licht wirft ein solcher Garten auf seine Bewohner - und welch lebensfeindliche Haltung kommt hier zu Tage??

  • 35 Mario 16.01.2019, 20:14 Uhr

    Wahrscheinlich reicht es bei vielen nur für diese „low Budget „ Variante ! Ist noch billiger als betonieren und grün anmalen... Aber typisch deutsch, Hauptsache kein Unkraut kommt durch

  • 34 hø'ø 16.01.2019, 20:14 Uhr

    Unsere Straßenseite ist ein 1.5m breiter Streifen zwischen Haus und Mauer, ca 1m unter Straßenniveau auf der Nordseite. Außer kümmerlichem Gras wächst da nichts. Den Rest des Grundstücks, auf dem zeitweise wunderschöne Blumen wuchsen, wurde auf Antrag des Hausverwalters mit der Mehrheit der Eigentümer entblumt, damit man den Rasen besser mähen könne. Ich fand die Blumen bedeutend hübscher. Ich hoffe, er kommt nicht auf die Idee, den Rasen noch zu "versteinern", damit es ordentlicher aussieht.

  • 33 Petra 16.01.2019, 20:00 Uhr

    Diese Steinwüsten sehen ohnehin sehr einfallslos und geschmacklos aus. Nicht nur die Bienen und Artgenossen freuen sich über blütenreichen Garten, auch ich.

  • 32 Paul Stemann 16.01.2019, 19:31 Uhr

    Schade die Kommunen machen es doch vor. Der Bürger soll sein Grundstück begrünen. Schaut man sich in den Städten um, oder man fährt durch die Landschaft sieht man abgeholzte Bäume und Sträucher als gäbe es kein Morgen mehr. Alles kranke Gehölze, Verkehrssicherheit sind darauf die Antworten. Ja, ja man sieht wie krank alles ist. Und das schon Jahr für Jahr. Uns wurde mal gesagt Bäume und Sträucher würden Sauerstoff produzieren, Luftreinhaltung usw. Ich glaube das muss erst mal in die Köpfe dieser Holzköpfe reingehämmert werden die so etwas anordnen. Dann kann man auch mal darüber nachdenken dem Bürger zu sagen wie er sein Grundstück begrünen soll. Erst mal vormachen! Ich selber habe ein über 2000m² großes Grundstück mit Bäumen und Sträuchern.

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