Weniger Stau durch Corona - aber der Verkehr kommt zurück

Stand: 09.02.2022, 20:33 Uhr

Durch die Corona-Krise haben sich die Verkehrsprobleme in den Städten von NRW verbessert. Das zeigt eine neue Analyse. Aber der Effekt lässt nach - die Staus kommen zurück.

Von Christian Wolf

Vollgestopfte Straßen, lange Staus und nerviges Warten: Wer jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann ein Lied davon singen. Vor allem morgens und in den Nachmittagsstunden macht das Autofahren in vielen Städten von NRW keinen Spaß. Zu voll sind die Straßen, zu viele sind gleichzeitig unterwegs. Aussicht auf Besserung gibt es nicht.

Stau-Entlastungen durch Corona

Wobei, so ganz stimmt das nicht. In den letzten zwei Jahren hat sich auf den Straßen etwas getan. Das Stichwort lautet - mal wieder - Corona. Denn so schlimm die Auswirkungen der Pandemie auch sind, für staugeplagte Autofahrer bringt sie auch Vorteile. Die Veränderungen in der Arbeitswelt haben in vielen Städten zu einer spürbaren Entlastung von stauträchtigen Straßen geführt.

leere Innenstadt Düsseldorf, Berliner Allee

Im ersten Lockdown waren die Straßen wie hier in Düsseldorf vielerorts leer

Das geht aus einer Analyse des Kartierungsspezialisten TomTom hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Dafür wurden die Daten von Smartphones und fest verbauten Navigationssystemen ausgewertet. Schätzungen zufolge war jedes siebte Automobil in Deutschland an der Datenerhebung beteiligt.

So war im vergangenen Jahr das Stauniveau in acht von zehn untersuchten Städten und Regionen von NRW niedriger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Das heißt: Autofahrer standen im Schnitt weniger im Stau. Nur in Aachen und Bielefeld war das Niveau gleich.

Verkehr nimmt wieder zu

Doch zu früh sollten sich die täglichen Berufspendler nicht freuen. Die Entspannung scheint in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer zu sein. In vielen Städten gab es 2021 im Vergleich zu 2020 schon wieder ein Plus.

So standen Autofahrer in Köln, Bonn, Aachen, Bielefeld und dem östlichen Ruhrgebiet wieder länger im Stau. Münster, Wuppertal und das westliche Ruhrgebiet behielten das niedrigere Niveau von 2020. Nur in Düsseldorf und Mönchengladbach sank das Stauniveau im zweiten Corona-Jahr noch einmal.

Aachen hat den meisten Stau

Als Stau-Hauptstadt von NRW gilt in der Untersuchung Aachen. Dort dauerte die Fahrzeit im Schnitt 28 Prozent länger als normalerweise ohne Stau. Bei einer sonst 30-minütigen Fahrt bedeutete das acht Minuten oben drauf - Spitzenwert in NRW und Platz vier in ganz Deutschland. Hier die übrigen Ergebnisse:

Städte und Regionen mit dem höchsten Stauniveau (mehr Fahrtzeit als ohne Stau)
Städte/RegionenStauniveauZusatzzeit bei 30-Minuten-Fahrt
Aachen28 %8 Minuten
Köln24 %7 Minuten
Bonn24 %7 Minuten
Ruhrgebiet West20 %6 Minuten
Münster19 %6 Minuten
Ruhrgebiet Ost19 %6 Minuten
Bielefeld18 %5 Minuten
Düsseldorf16 %5 Minuten
Mönchengladbach16 %5 Minuten

Doch wie geht es nun weiter? Da spielen mehrere Effekte eine Rolle. Sollte sich die Pandemie nun tatsächlich entspannen, dürften wohl wieder mehr Menschen ins Büro fahren und weniger im Homeoffice sitzen. Ein Teil wird aber bestimmt auch weiterhin von zu Hause arbeiten.

Manche steigen dauerhaft aufs Rad um, andere fahren wieder mit Bus uns Bahn, nachdem sie wegen des Risikos sich anzustecken lieber mit dem eigenen Auto gefahren sind. Und manche sind im Zuge der Pandemie aus der Stadt gezogen und müssen nun mehr pendeln.

Dass die Staus also nachhaltig weniger werden, zeichnet sich erst einmal nicht ab. Um trotzdem für Verbesserungen zu sorgen, könnte der Verkehr noch besser gemanagt werden - zum Beispiel durch Ampelschaltungen oder Umlenkungen. TomTom geht davon aus, dass der Verkehrsfluss dadurch um bis zu zehn Prozent verbessert werden könnte. Um eine grundlegende Verbesserung zu erreichen, müssten jedoch Radfahrer, ÖPNV und andere Verkehrsträger einen größeren Anteil am Verkehr übernehmen, heißt es. Eine solche Umsteuerung brauche aber Zeit.

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