Starkregen-Schäden: Die ersten Schritte für Versicherte

Was ist konkret zu tun bei einem Starkregen-Schaden? Welche Pflichten haben die Betroffenen, damit die Versicherung zahlt? Tipps für die ersten Schritte - und die Zeit danach.

Der Starkregen in NRW hat materielle Schäden in bislang noch nicht geschätzter Höhe verursacht. Welche Versicherung im Einzelnen für einen Schaden aufkommt, haben wir hier erläutert.
Für alle Versicherungsfälle gelten die folgenden Tipps, auf die die Verbraucherzentrale NRW im Gespräch mit dem WDR hinweist.

Die Pflicht zur Schadensminimierung und ihre Grenzen

Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, sagt, für Betroffene gibt es eine Schadensminimierungspflicht. Also wenn möglich, sollte man beispielsweise dafür sorgen, dass nicht noch mehr Wasser in den Keller läuft oder dieses abgepumpt wird.

Ein Hinweis ist der Verbraucherschützerin besonders wichtig: "Diese Pflicht hat da ein Ende, wo ich mich selbst gefährde!" Insbesondere bei Wasserschäden sollte man darauf achten, ob vielleicht ein Stromkabel im Wasser liegt.

Möglichst früh den Versicherer kontaktieren

Wie konkret der Nachweis für eine Schadensregulierung erfolgt - über Fotos oder über Zeugenaussagen - das sei je nach Versicherer und Schadenshöhe sehr unterschiedlich. Darum rät Elke Weidenbach, möglichst früh die Versicherung zu kontaktieren und dies konkret abzusprechen.

Dann erfahre man auch, ob die Versicherung einen Gutachter oder eine Gutachterin vorbeischicken will. Und wer im Chaos gerade den Ordner mit den Versicherungsunterlagen nicht greifbar hat, bittet einfach die Versicherung, den Vertrag aufzurufen. Sehr sinnvoll ist laut Verbraucherzentrale auch, sich die Absprachen schriftlich bestätigen zu lassen.

"Und wichtig ist die Schadensnummer, die vergeben wird", sagt Weidenbach, die solle man sich unbedingt notieren. Der Bund der Versicherten empfiehlt außerdem, sich neben dieser Schadensnummer auch den Namen des Sachbearbeiters zu notieren.

Wer repariert den Schaden?

Auch das ist eine individuelle Absprache mit der Versicherung. "Einige akzeptieren zum Beispiel, dass man einen Schaden in Eigenleistung behebt und beispielsweise einen Stundenlohn von 25 Euro ansetzt."

Andere wiederum haben feste Vertragspartner und schicken einen Sanierer vorbei. Oder man kann selbst einen Handwerker beauftragen, dessen Rechnung dann die Versicherung bezahlt. Für alle Varianten gilt: Sie sollten vorab mit der Versicherung besprochen werden.

Und was, wenn die Versicherung mir kündigt?

Immer wieder ärgerlich, aber im Fall von privaten Unfall- und Schadenverträgen leider rechtens: Nach einem Schadensfall hat die Versicherung ein außerordentliches Kündigungsrecht. Einige versuchen stattdessen auch, die Konditionen zu verschärfen, zum Beispiel über die Einführung oder Erhöhung einer Selbstbeteiligung.

Elke Weidenbach von der VZ NRW rät dazu, sich auf die neuen Bedingungen - soweit tragbar - für ein Jahr einzulassen und in der Zeit eine neue Versicherung zu suchen. Denn bei einem Neuantrag muss angegeben werden, wer den alten Vertrag gekündigt hat. Und wenn es die Versicherung war, dann kann der neue Vertrag richtig teuer werden - wenn er denn überhaupt zustande kommt. Nach Informationen der Stiftung Warentest lehnen Versicherer mitunter ohne Einzelfallprüfung den Vertrag ab, wenn ein Vorversicherer gekündigt hatte.

Laschet verspricht Landeshilfe

Neben diesen Hilfen aus privaten Versicherungsverträgen wird es für die betroffenen Regionen vermutlich auch Unterstützungen der öffentlichen Hand geben. Bei seinem Besuch in Hagen kündigte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) an, dass sich das Landeskabinett am Freitag auf einer Sondersitzung mit Landeshilfen befassen wird: "Wir müssen morgen im Kabinett einfach die Lage analysieren, denn jetzt ist natürlich auch Hilfe des Landes erforderlich. Das kann man zur Minute noch nicht beziffern, weil wir die Schäden noch nicht genau kennen."

Doch Laschet versprach: "Wir werden die Kommunen, die Betroffenen nicht alleine lassen, sondern als Land hier auch Hilfe leisten, damit Nordrhein-Westfalen in dieser Situation solidarisch zusammensteht und wir auch solidarisch die Folgen dieser Katastrophe gemeinsam bewältigen."

Auch EU-Gelder denkbar

Der Vorsitzende der CDU-NRW-Gruppe im Europaparlament, Peter Liese, hält auch eine Unterstützung durch die EU für denkbar: "Hilfen sind etwa aus dem EU-Solidaritätsfonds möglich, den die Bundesregierung aktivieren könnte", erklärte der Parlamentarier. Bei der Bewältigung der Schäden durch den Sturm Kyrill im Jahr 2007 beispielsweise sei NRW mit rund 100 Millionen Euro durch die EU unterstützt worden. Liese schätzt, dass die aktuellen Schäden noch dramatischer sind, als durch Kyrill.

Der EU-Solidaritätsfonds wurde 2002 nach dem damaligen "Jahrhunderthochwasser" ins Leben gerufen, um nach Naturkatastrophen großen Ausmaßes zu helfen.

Die totale Abzocke – wenn die Versicherung kündigt Quarks 28.07.2018 04:19 Min. Verfügbar bis 28.07.2023 WDR