Starkregen-Schäden – wie Kommunen vorsorgen müssen

Haus von Hochwasser betroffen

Starkregen-Schäden – wie Kommunen vorsorgen müssen

  • Starkregen-Kongress in Gelsenkirchen
  • Ausbau des Kanalnetzes wäre sehr teuer
  • Kommunen haben viel Vorsorge-Potenzial
  • Herten und Solingen sind vorbildlich

Wegen der anhaltenden Dürre erinnert sich kaum jemand an Überflutungen durch Starkregen in diesem Sommer. Welcher Schutz nötig ist, diskutieren Experten in Gelsenkirchen. Am Dienstag (09.10.2018) startet der Kongress. Veranstaltet wird er vom "Institut für Unterirdische Infrastruktur" (IKT).

WDR: Herr Waniek, Sie sind IKT-Geschäftsführer: Wie unterirdisch im übertragenen Sinne ist denn die Infrastruktur in NRW?

Roland W. Waniek: Die ist schon in Ordnung. Sie ist halt für eine Regenhäufigkeit und -Intensität ausgerichtet, die vor Jahrzehnten so prognostiziert worden ist. Offensichtlich haben wir es nun mit Starkregen-Ereignissen zu tun, die sich auch wegen der heute deutlich größeren innerstädtischen Versiegelung stärker negativ auswirken. Und dann muss man in der Infrastruktur nachrüsten.

WDR: Muss das Kanalnetz ausgebaut werden?

Roland W. Waniek, Geschäftsführer des IKT

Roland W. Waniek

Waniek: In großem Stil wäre das mit erheblichen Kosten verbunden. Unter der Erde sind nicht nur Abwasserleitungen, sondern sehr komplexe Bauwerke. Da sind Wasserleitungen, Telefon-, Stromkabel und so weiter. Man kann ja nicht in den Boden gucken, aber da ist eine Menge los.

Den Ausbau müsste man erst mal hinkriegen – vom Platz und vom Geld her. Deshalb sollte man zunächst schauen, was man oberirdisch machen kann.

WDR: Oberirdisch ist also noch viel Potenzial?

Waniek: Definitiv! Straßenverläufe können zum Beispiel genutzt werden, um Wasser abzuleiten. Der Straßenbordstein ist zwar ein Hindernis für Radfahrer, Rollstuhlfahrer, Kinderwagen – aber auch für Wasser. Und je höher ein Bordstein ist, desto mehr Wasser bleibt auf der Straße und schwappt nicht in die Häuser. Das ist ein Nutzungskonflikt, den man lösen muss.

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Morgenecho | 20.09.2018 | 03:17 Min.

WDR: Und wohin wird das Wasser dann abgeleitet?

Waniek: Man kann es in natürliche Mulden leiten. Oder man legt begrünte Kinderspielplätze so an, dass bei schönem Wetter die Kinder spielen und bei Starkregen das Wasser dahingeht. So hat man beiden gedient.

Eine weitere Möglichkeit: Grünflächen zwischen Häusern können so gestaltet werden, dass sie Starkregen aufnehmen.

WDR: Gibt es vorbildliche Kommunen?

Waniek: Da gibt es einige in NRW. Spontan fällt mir Solingen ein, die Stadt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Vorsorge. Dort wurden frühzeitig solche Mulden und Grünflächen angelegt, um Starkregen aufzufangen. Und Herten hat mit uns zusammen Bürgerinformationen zur Starkregen-Prävention erarbeitet.

Es braucht halt Zeit und Geld. Und man muss strategisch denken für die nächsten zehn bis 15 Jahre.

WDR: Brauchen wir andere Gesetze?

Waniek: Nein, die Kommunen können durch Genehmigungen viel gestalten. Zum Beispiel bei einem neuen Supermarkt: Da kann man vorschreiben, dass das Wasser im Parkplatz versickern muss.

Alles ist damit nicht zu schaffen. Aber vielleicht reicht es ja, das Wichtigste aufzufangen, um große Schäden zu verhindern.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Stand: 09.10.2018, 06:00

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