Stalking-Prozess in Essen: Warum Opfer kaum geschützt werden

Ubuduće za stalking tri godine zatvora

Stalking-Prozess in Essen: Warum Opfer kaum geschützt werden

Von Christian Wolf

  • Prozess gegen Stalker am Essener Landgericht
  • Jährlich gibt es Tausende Stalking-Fälle in NRW
  • Verurteilung ist nicht immer einfach

Am Essener Landgericht läuft ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Stalker. Er soll sein Opfer mit 21 Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben. Stalking ist mittlerweile ein gesellschaftliches Problem. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist Stalking überhaupt?

Stalking bedeutet im Englischen „anpirschen“. Ein Stalker verfolgt, belästigt oder bedroht sein Opfer, etwa mit Briefen, Anrufen, Mails, beharrlichem Auflauern oder Nachspionieren. Zwar rückt Stalking vor allem durch prominente Beispiele ins Rampenlicht. Doch die Vielzahl passiert im Alltag.

In einer Studie mit Menschen in Mannheim hat das Zentralinstitut für seelische Gesundheit 2018 herausgefunden, dass mehr als zehn Prozent einmal in ihrem Leben von Stalking betroffen sind – deutlich mehr Frauen als Männer. Das Hauptproblem seien Ex-Partner nach einer Trennung. In NRW hat die Polizei für das Jahr 2018 5.345 Fälle von Stalking registriert - 5,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher.

Was ist Stalking? 01:02 Min. Verfügbar bis 16.08.2021

Womit müssen Stalker rechnen?

Seit 2007 gibt es im Strafgesetzbuch einen Paragraphen zur sogenannten Nachstellung. Es stellt Stalking unter Strafe. Wird das Opfer in seiner "Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt", drohen dem Stalker bis zu drei Jahre Haft. Kommt es zu Gewalt, liegen die Strafen höher.

Lange Zeit gab es aber vergleichsweise wenige Verurteilungen. Denn Opfer mussten zum Beispiel erst umgezogen sein oder den Job gewechselt haben. 2017 wurde das Gesetz deshalb geändert. Nun reicht es, wenn das Verhalten des Täters "objektiv geeignet" ist, in Zukunft für eine solche Beeinträchtigung zu sorgen. Wann allerdings ein solcher Fall vorliegt, ist weiterhin Auslegungssache und unkonkret, kritisieren Experten.

Digitales Stalking Frau tv 09.01.2020 13:19 Min. UT Verfügbar bis 09.01.2021 WDR Von Franziska Hilfenhaus

Was können Opfer tun?

Das Landeskriminalamt NRW weist darauf hin: "Stalking ist keine Krankheit, sondern eine Gewalttat." Es sei deshalb wichtig, dass "konsequent und unverzüglich" reagiert werde. "So kann eine mögliche Gewaltspirale frühzeitig unterbrochen werden." Diese Tipps werden gegeben:

  • Dem Täter unmissverständlich klar machen, dass kein Kontakt gewünscht ist.
  • Freunde, Familie und Bekannte informieren und bitten, keine Informationen mehr an die Person weiterzugeben.
  • Das Stalking soll möglichst sorgfältig dokumentiert werden – um juristisch dagegen vorgehen zu können.

Für Letzteres bietet die Opferschutzvereinigung "Weißer Ring" die No Stalk App an. Mit ihr lässt sich das Stalking in Foto, Video und Sprache sofort aufnehmen. Alle Aufnahmen bekommen Orts- und Zeitangabe, werden verschlüsselt und auf einem externen Server gesichert. Mit den Beweisen können Betroffene dann zur Polizei gehen.

Stand: 14.01.2020, 19:31

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