Städte sollen "Brauchtumszonen" mit strengeren Regeln an Karneval bekommen

Stand: 08.02.2022, 17:24 Uhr

Die NRW-Landesregierung plant für die Karnevalstage "räumlich abgegrenzte Brauchtumsgebiete" innerhalb der Städte. In diesen Zonen sollen strengere Corona-Regeln gelten als außerhalb.

Von Christian Wolf und Peter Hild

Ende Februar steigt der Höhepunkt der Karnevalssaison. Doch bislang war unklar, wie das angesichts der Omikron-Welle überhaupt funktionieren soll. Eine komplette Absage wird es nicht geben. Das hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag klargestellt. Ein Verbot sei mit Blick auf den Schutz für Geimpfte rechtlich "nicht vertretbar".

Zonen für Karneval mit 2G-plus

Stattdessen soll es "gesicherte Brauchtumszonen" geben, in denen spezielle Regeln gelten. Karnevalsumzüge, Festbühnen und Veranstaltungen im Freien ohne eine Zugangskontrolle und Personenbegrenzung sind dort untersagt. Für alles andere gilt die 2G-plus-Regel. Das heißt: Alle, die in diesen Zonen feiern wollen, müssen entweder vollständig geimpft und geboostert oder vollständig geimpft oder genesen und frisch getestet sein. Die jeweiligen Städte können laut Laumann entscheiden, wie sie die "Brauchtumszonen" absichern - entweder durch stichprobenartige Kontrollen mit Bußgeldern oder durch Absperrungen und Kontrollen an den Eingängen.

Testpflicht für alle in Innenräumen

Karl-Josef Laumann

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Doch dabei bleibt es nicht. Für "private Feiern mit Tanz" sowie "Karnevalsveranstaltungen und vergleichbare Brauchtumsveranstaltungen in Innenräumen im öffentlichen Raum" gelten noch schärfere Regeln. Dort müssen alle einen negativen Testnachweis haben - also auch die mit einer Booster-Impfung. Laumann begründete das am Dienstag damit, "um mögliche Infektionsereignisse bestmöglich auszuschließen". Wer also innerhalb der "Brauchtumszone" in einer Kneipe feiern will, braucht unbedingt einen Test. Ausgenommen davon sind lediglich "reine Speiselokale".

Zudem können die jeweiligen Behörden in den Kommunen noch zusätzliche Regeln festlegen - zum Beispiel eine Maskenpflicht im Freien oder die Vorgabe an Kneipen, dass nur eine bestimmte Anzahl an Menschen rein dürfen.

Das politische Karnevals-Dilemma

WDR RheinBlick 04.02.2022 33:32 Min. Verfügbar bis 04.02.2023 WDR Online


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Karnevalsauftakt gilt als mahnendes Beispiel

Wie all die Regeln am Ende in die Praxis umgesetzt werden und wie hoch dort dann das angeblich höhere "Schutzniveau" ist, wird sich zeigen. Nach dem Auftakt der Session am 11.11. hatte es bereits massive Kritik gegeben, weil es in Köln zu großen Menschenansammlungen gekommen war.

Plan ist mit Karnevalshochburgen abgesprochen

Bereits am Montag hatte sich Laumann mit den Oberbürgermeisterinnen und dem Oberbürgermeister der Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen getroffen. Die Details zu den "Brauchtumszonen" waren danach noch offen geblieben.

Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen (parteilos) erklärte am Montag nach dem Treffen, dass der abgestimmte Rahmen nun Regeln und Möglichkeiten gebe, auf lokale Besonderheiten und Herausforderungen besonnen zu reagieren, um die Menschen größtmöglich zu schützen.

Die Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) sprach von einem konstruktiven Gespräch: "Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen, die noch in der Coronaschutzverordnung festzuschreiben sind, haben die Städte und die Vereine eine sichere Grundlage, um weiter zu planen."

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