Ermittlungen: Untreue bei Wuppertaler Bühnen?

Wuppertal: Ermittlungen gegen Ex-Bühnenchef Lokalzeit Bergisches Land 16.04.2021 02:26 Min. Verfügbar bis 19.04.2022 WDR Von Wolfram Lumpe

Ermittlungen: Untreue bei Wuppertaler Bühnen?

Die Wuppertaler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen ehemaligen Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen. Es geht um den Verdacht verdeckter Gehaltserhöhungen des Bühnen-Haushalts.

Sie verfolge derzeit einen Anfangsverdacht, betont die Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Auslöser sind Gutachten der Stadt Wuppertal. Darin ist von regelmäßigen Zahlungen für "Nebentätigkeiten" die Rede, die der damalige Geschäftsführer über Monate erhalten haben soll, ebenso dessen Stellvertreterin. Insgesamt waren es nach Angaben der Stadt mehr als 50.000 Euro.

Unzulässige Vergütung?

"Das Beamtenrecht sieht vor, dass zusätzliche Vergütungen nur für zusätzliche Leistungen gezahlt werden dürfen", erläutert der Wuppertaler Kämmerer Johannes Slawig, "Für sein Hauptamt bekommt er sein Gehalt. Alles andere ist nicht zulässig."

Ein Schild der Staatsanwaltschaft Wuppertal.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Tatsächlich seien der Geschäftsführer und auch seine Stellvertreterin bereits hochgradig besoldet worden, sagt Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft: "Gehaltserhöhungen seien auf normalem Weg nicht möglich gewesen. Man soll dann einen Umweg gesucht haben, und diesen gefunden haben durch eine vorgetäuschte Nebentätigkeit, die tatsächlich gar nicht erfolgt ist."

Ermittlungen gegen Ex-Oberbürgermeister

Ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft auch gegen den damaligen CDU-Oberbürgermeister. Dieser soll das Ganze "abgezeichnet" haben. "Er war damals Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wuppertaler Bühnen", erklärt Wolf-Tilman Baumert.

Künstlich verändertes Jahresergebnis?

Das Opernhaus Wuppertal von außen.

Das Opernhaus Wuppertal: wurden Gelder veruntreut?

Die Bühnen-Geschäftsführung sei außerdem verantwortlich für einen "sehr hohen Fehlbetrag" bei den Bühnen im Jahr 2014. Es gehe um einen hohen sechsstelligen Betrag. Es habe "innerhalb der Wuppertaler Bühnen eine interne Budgetierung gegeben, für künstlerische Budgets, die überhaupt nicht mit der Wirtschafts Planung über ein gestimmt hat", so Kämmerer Slawig. Sehr vereinfacht ausgedrückt: Der Etat soll "bereinigt" worden sein, durch "so genannte Reservebuchungen". Im Verhältnis zwischen Mutter Stadt und Tochter Bühnen "brauchen wir Transparenz und nicht eine solche Vertuschung und Verheimlicherung von wirtschaftlichen Fehlentwicklungen."

Als Konsequenz habe die Stadt einen hohen zusätzlichen Zuschuss aufbringen müssen, um die Finanzen der Wuppertaler Bühnen zu stabilisieren und eine Insolvenzgefahr abzuwenden. "Das ist für eine Stadt mit hohen Haushaltsproblemen ein Vorgang, der eigentlich nicht sein darf", sagt Slawig.

Ermittlungsergebnisse und Disziplinarverfahren

Die Stadt Wuppertal will jetzt Diziplinarverfahren einleiten und ansonsten die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Die hat ihrerseits mit der Vernehmung der Beschuldigten und von Zeugen begonnen.

Stand: 16.04.2021, 11:08

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