Spritpreise steigen weiter - verpufft der Tankrabatt?

Stand: 05.06.2022, 17:32 Uhr

Die Benzinpreise steigen weiter, der Tankrabatt kommt immer weniger bei den Verbrauchern an. Laut ADAC geht die Entwicklung in die "völlig falsche Richtung".

Der Tankrabatt kommt immer weniger bei den Verbrauchern an. Am Sonntag lagen die Spritpreise auf einem ähnlichen Niveau wie am Samstag, wobei die Entwicklung im Tagesverlauf schwankte. Aktuell sinken die Preise.

Am Samstag war der Preis für Super E10 erneut gestiegen, Diesel lag etwa auf dem Niveau des Vortages, wie der ADAC mitteilte. Beide Kraftstoffe waren damit dem Verkehrsclub zufolge zu teuer. "Da kommt deutlich zu wenig beim Verbraucher an", sagte ein ADAC-Sprecher. "Die Entwicklung geht in die komplett falsche Richtung."

Super E10 kostete am Samstag um 9.50 Uhr laut ADAC im bundesweiten Durchschnitt 1,960 Euro pro Liter. Das waren 1,6 Cent mehr als 24 Stunden zuvor. Diesel schlug mit 2,001 Euro pro Liter zu Buche - das entsprach dem Wert des Vortageszeitraums.

Steuersenkung kommt nur bedingt beim Endkunden an

Doch schon am Donnerstag und Freitag waren die Preise gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Freitags hatte E10 1,921 Euro pro Liter gekostet, Diesel 1,969 Euro. Damit war E10 um 26,1 Cent billiger als am Tag vor der Steuersenkung, Diesel um 7,5 Cent.

Beides bleibt deutlich hinter der Höhe der Steuersenkung zurück, die bei E10 eine Entlastung von 35,2 Cent pro Liter bewirkt, bei Diesel von 16,7 Cent.

ADAC: Ölpreis und Dollarkurs geben keinen Anlass

Die Preise würden laut ADAC-Experte Christian Laberer steigen, "ohne dass der Ölpreis oder der Dollarkurs dafür einen Anlass geben würden". Ende Mai notierte der Preis für die Rohölsorte Brent aus der Nordsee bei 1,2282 Dollar, am Freitag bei 1,1890 Dollar. Der Dollar-Kurs hat sich seit Monatsbeginn kaum geändert.

Beim ADAC Nordrhein habe man den Eindruck, dass die Mineralölkonzerne die Situation "knallhart" ausgenutzt hätten, "wenn viele Menschen über Pfingsten wieder mit dem Auto in den Urlaub fahren und die Nachfrage hoch ist", so Regionalsprecher Thomas Müther.

Möglicherweise könnten die Preise aber noch fallen. Manche Tankstellen mussten laut des Bundesverbandes freier Tankstellen erst den Sprit verkaufen, den sie selbst noch zu den alten Konditionen erworben haben. Vor Mittwoch gekaufte Lagerbestände der Tankstellen sind noch mit der höheren Steuer belastet.

DIW-Präsident Fratzscher fordert Ende der Spritpreisbremse

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sprach sich bereits für ein Ende der seit Mittwoch für drei Monate bis Ende August geltenden Steuerentlastung aus.

Viele hätten prognostiziert, dass die Spritpreisbremse kontraproduktiv sei und vor allem in den Taschen der Mineralölkonzerne landen würde, schrieb der Ökonom auf Twitter: "Wie wäre es, wenn die Politik ihren Fehler eingesteht und die Spritpreisbremse sofort stoppt?"

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Gegenüber dem WDR legte Fratzscher am Sonntag noch einmal nach: "Der Tankrabatt ist gescheitert." Das Geld, das die Bundesregierung bei einer Rücknahme des Tankrabatts einsparen würde, solle sie an die Menschen in Form von Transfers weitergeben. Die Menschen müssten wieder mehr Geld in die Tasche kriegen. Zum Beispiel über die Energiepauschale, nur, dass davon alle Menschen profitieren müssten. Steuersenkungen auf Obst und Gemüse wären auch gut, weil alle Menschen davon profitieren, so Fratzscher.

Regional unterschiedlicher Preisrückgang

Die Senkung der Steuern auf Kraftstoffe hatte die Spritpreise an den ersten beiden Tagen regional unterschiedlich sinken lassen. Dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge war der Rückgang beim Tagesdurchschnittspreis für E10 zunächst am stärksten in Sachsen ausgefallen - mit 28,8 Cent pro Liter.

In NRW hatte der Rückgang pro Liter 27,3 Cent betragen. Zudem gab es auch große Preisunterschiede zwischen den einzelnen Tankstellen.

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