Die Spritpreise werden an einer Tankstelle am frühen Morgen angezeigt.

Darum steigen die Spritpreise in Deutschland besonders stark

Stand: 10.05.2022, 14:05 Uhr

Benzin und Diesel werden durch den Krieg in der Ukraine teurer - praktisch überall. In Deutschland ist der Preisanstieg aber besonders extrem. Doch woran liegt das?

Von Markus Meyer-Gehlen

Durchschnittlich 1,58 Euro kostete der Liter Diesel in Deutschland am 1. Januar 2022 - vor einer gefühlten Ewigkeit. Drei Tage vor Kriegsbeginn war die Zahl schon auf 1,66 gestiegen, dann folgte eine regelrechte Explosion: Gut zwei Euro kostet der Liter aktuell, zwischenzeitlich zahlte man an Tankstellen Preise jenseits der 2,30 Euro.

Deutschland ist Spitzenreiter

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs sind in allen Ländern Europas zu spüren - doch bei den Spritpreisen gibt es offenbar erhebliche Unterschiede. Wie die EU-Kommission mitteilt, ist Diesel in Deutschland zwischen dem 21. Februar und dem 25. April ganze 38 Cent teurer geworden - das ist in der EU Höchstwert, gemeinsam mit Schweden und Lettland.

Auch beim Super-Benzin gehört Deutschland zur Spitzengruppe - das Kartellamt untersucht derzeit, ob es illegale Preisabsprachen zwischen den Unternehmen gab.

Ganz anders sind die Preise etwa in Italien, wo der Liter inzwischen sogar günstiger ist als kurz vor Kriegsbeginn. Wie kann das sein?

Italien und Ungarn drücken die Preise

Italien ist - zugegeben - ein Extrembeispiel. Hier hat die Regierung einen deutlichen Nachlass der Steuern auf Benzin und Diesel beschlossen: Unterm Strich 30,5 Cent pro Liter. Der Preis wurde also durch die Politik ganz aktiv nach unten korrigiert.

Ein weiteres Beispiel ist Ungarn: Dort ist der Tankpreis schon seit längerer Zeit nach oben gedeckelt. Außerdem ist das Land vom EU-Ölembargo ausgenommen. Ungarn kann also weiterhin russisches Öl zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommen.

Weiterer Grund: Russische Abhängigkeit

Doch auch unabhängig von solchen Sonderfällen gibt es viele Faktoren, die beeinflussen können, warum die Spritpreise in manchen Ländern stärker steigen als in anderen:

Deutschland hat nach wie vor eine Raffinerie, die mit russischem Öl arbeitet - manche Unternehmen könnten deshalb Versorgungsengpässe befürchten. "Die Märkte sind dann nervös und die Preise gehen nach oben", erklärt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Tankrabatt ab Juni

Außerdem könnte die Nachfrage nach Heizöl einen Effekt auf den Spritpreis haben - denn Heizöl ist quasi Diesel. Horten die Menschen in einem Land besonders viel Heizöl, könnte das auch eine Auswirkung auf die Spritpreise haben.

Die Bundesregierung hatte schon im März ein Entlastungspaket angekündigt, das für niedrigere Preise an den Tankstellen sorgen soll. Ab 1. Juni tritt der Tankrabatt in Kraft - dadurch sollen Benzin 30 Cent und Diesel 14 Cent pro Liter billiger werden.

Der Ölpreis sinkt – der Spritpreis auch?

WDR 5 Profit - aktuell 11.04.2022 04:29 Min. Verfügbar bis 11.04.2023 WDR 5


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Kommentare zum Thema

23 Kommentare

  • 23 Achim 11.05.2022, 18:44 Uhr

    Wir werde halt weiter gemolken, ob der Rohölpreis hoch oder niedrig ist. Überwacht wird hier gar nichts. Und wenn man sparen möchte wird es noch teurer. Somit auch beförderte Lebensmittel……

  • 22 Peter 11.05.2022, 14:45 Uhr

    Das Kartellamt ist ein zahnloser Tiger - die Konzerne sind immer einen Schritt voraus. Dies geht seit vielen Jahren so. Evtl. würde ein staatlich geführter Ölkonzern das Kartell durchbrechen können.

  • 21 Jutta 11.05.2022, 07:46 Uhr

    Ich frage mich, welche 'plausiblen' Erklärungen das Kartellamt für diese Spritpreiserhöhungen findet ..

  • 20 Thomas 11.05.2022, 07:37 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 19 Kai 10.05.2022, 17:22 Uhr

    Das Kartellamt kann man sich sparen und die Kosten für dieses an den Bürger weiter geben. War vollkommen abzusehen, dass die Benzinpreise steigen, bevor die Cent vom Staat kommen.

  • 18 Winfried 10.05.2022, 15:52 Uhr

    Deutschland: Abgabenland nur eins in Europa und bei den Industrieländern. Da läßt sich gut leben als Politiker bzw. mit hunderten "Experten".

  • 17 Winfried 10.05.2022, 15:49 Uhr

    Deutschland: Abgabenland nur eins in Europa und bei den Industrieländern. Da läßt sich gut leben als Politiker bzw. die hunderten "Experten".

  • 16 Jupp 10.05.2022, 13:47 Uhr

    Daß der Spritpreis in die Höhe geht, ist der vollkommen richtige Schritt. Und was man so , auch sonntags auf den Straßen und Autobahnen sieht, ist nicht nachvollziehbar. Ich versuche jede Fahrt bis 6 km mit dem Rad zu bewältigen. Ich mache auch meine Wochenendeinkäufe mit dem Rad! Energiesparen ist angesagt und keine kurzfristige Subventionierung des Benzinpreises. Der Klimawandel und die Energiekrise kann nur durch Energieeinsparung und dem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien vollzogen werden Auch die Schutzräume in Bayern und anderswo gegen Windräder müssen dabei fallen...

    Antworten (2)
    • GW 10.05.2022, 17:27 Uhr

      Jupp, Sie sollten weniger ÖRR schauen.Dann klappt es auch wieder mit dem selbständigen Denken.

    • Umweltsau 11.05.2022, 04:51 Uhr

      Der Klimawandel kann mich mal... ich fahr Auto und Motorrad und Scooter und auch Mountainbike. Da will ich es warm und ohne Regen. Und es sind auch nicht soviel Insekten auf der Windschutzscheibe. Also alles gut und nach mir die Sinflut.

  • 15 Deutscher Michel 10.05.2022, 10:48 Uhr

    Ja, der deutsche Michel soll halt mal wieder zahlen. Während andere EU-länder Preise Deckeln, wird hier der Tankrabatt nach hinten verschoben. Ist es Zufall, dass die Grünen schon immer höhere Spritpreise wollten und zufällig dann wenn sie an der Macht sind, werden wir eu-spitzenreiter? Aber ist bestimmt wieder die FDP schuld ;) Zudem weiß irgend wie niemand wieso die Preise so hoch sind. Denn der Rohölpreis ist lange nicht so stark gestiegen dass er das auch nur ansatzweise rechtfertigen würde. Irgend wie seltsam das ganze.

  • 14 Christian 10.05.2022, 10:43 Uhr

    Danke FDP

  • 13 Hans 10.05.2022, 09:13 Uhr

    Das ist der Plan, dem Bürger so viel wie möglich aus der Tasche zu ziehen damit wird dann die Diätenerhöhung finanziert !

    Antworten (1)
    • M. P. 11.05.2022, 12:24 Uhr

      Schade, dass die Diätenerhöhung an die Erhöhung der Tariflöhne gekoppelt ist. Macht aber nix, man kann halt nicht alles wissen, zu dem man eine Meinung hat...

  • 12 Michael 10.05.2022, 00:12 Uhr

    Nicht nur die Spritpreise steigen in Deutschland überdurchschnittlich. Die Gaspreise sind kaum noch zu bezahlen und der Strompreis in Deutschland hat schon lange europäischen Spitzenwert. Warum???? Keine Bevorratung, Gasspeicher leer und an Gasprom vergeben. Keine Flüssiggasterminals. CDU wir danken dir. Durch den CDU-Finanzminister der Vorgängerregierung und die ständig angestrebte "schwarze Null" sind die Brücken und vieles Andere in Deutschland marode. Nochmals... CDU wir danken dir. Wo sind sie eigentlich alle abgeblieben, die Ehemaligen? Die Spitzenkanzlerin, die Super CSU-Verteidigungsminister die eine Schrottarmee hinterlassen haben, der schicke Autobahnmaut-Andy, Opa Schäuble, der Meinungswechselinnnenminister Seehofer ???? Alle untergetaucht. Keine Meinungsäußerung zu der schlimmsten Politsituation nach dem Zweiten Weltkrieg. ................

  • 11 Axel 09.05.2022, 23:09 Uhr

    Man sollte Spekulationen mit Öl vorübergehend einschränken. Das Allgemeinwohl geht vor. Der Markt ist nervös, aber trotz hoher Preise kommt kein Liter weniger Öl in Deutschland an. Also kann der Preis gerne niedriger sein.

  • 10 Ralf Nellessen 09.05.2022, 22:54 Uhr

    Nutzloser Kommentar ohne Inhalt wie die Politik

  • 9 Spacky 09.05.2022, 22:02 Uhr

    Dass das Kartellamt die Ölkonzerne auf Preisabsprachen untersucht wurde aber schon vor einigen Wochen berichtet. Da könnten langsam aber auch mal Ergebnisse kommen. Auch bei vielen anderen Artikeln wäre das nötig. Langsam glaubt man ja schon, dass die Ukraine das einzige Land ist, wo irgendwas produziert wird (und auch China, aber da steckt dann wieder irgendein Schiff quer im Kanal...)

  • 8 Heinz Wäscher 09.05.2022, 21:12 Uhr

    Viel Spekulation, wenig Inhalt. Schade

  • 7 Gandalf 09.05.2022, 21:04 Uhr

    Wer ist den schuld an dem Desaster ? Scholz ? Merkel ? Schmidt ? Oder sogar Adenauer...? Wenn wir sparen wie Hulle, wird Energie und Fortbewegung noch teurer. Denn der Absatz an Strom und Benzin stagniert bzw. geht sogar zurück. Im Ergebnis setzen die Unternehmen weniger ab. Die Grundkosten für die Produktion der Energie jedoch bleiben die selben. Jedes normal denkende Unternehmen muß also die Preise erhöhen, um noch Gewinne abschöpfen zu können. Kraftwerke müssen rund um die Uhr betreut werden, ebenso Raffinerien. Das teuerste an den Produktionskosten dürfte dabei das Personal sein. Ich habe mich daher bereits darauf eingestellt, daß der Liter Sprit eines Tages auch gut drei Euro kosten wird...!

  • 6 Rhynus von Wachtendonck 09.05.2022, 21:03 Uhr

    Und da fährste dann demnächst in von Tagestouristen überfüllten und dadurch zusätzlich verspäteten Nahverkehrszügen zur Arbeit um Sprit zu sparen und die Klimakatastrophe abzuwenden. Die Corona-Zahlen gehen dann trotz des Sommers wieder in die Höhe. Das Neun-Euro-Ticket wird zum teuren Rohrkrepierer. Hoffentlich nicht bei den wenigen verfügbaren Panzerhaubitzen. Letztlich werden die Kraftstoff-Preise auch nur narginal sinken. Man könnte es Ironie nennen.

  • 5 Andre Schäfer 09.05.2022, 20:54 Uhr

    Fassen wir den Artikel kurz zusammen: Sinnfrei, Zeitverschwendung, mit vielen Worten rein gar nichts Brauchbares gesagt.

  • 4 Werner 09.05.2022, 18:56 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 3 Kritischer Autor 09.05.2022, 18:50 Uhr

    Die hohen Spritpreise in Deuschland sind- ohne Umschweife - das Ergebnis rot-grüner Bevormundung und Gängelung. Bereits die Regierung Merkel war stark rot-grün bestimmt.

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