Deutschlands Spieleindustrie schrumpft

Computerspieler mit Virtual-Reality-Brille

Deutschlands Spieleindustrie schrumpft

Von Thomas Ruscher

  • Gamesbranche macht Rekordumsätze
  • Deutsche Entwickler spielen kaum eine Rolle
  • Branchenverband: Es fehlen Fördergelder
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Computer- und Videospiele sind beliebt: Voriges Jahr haben die Deutschen 4,4 Milliarden Euro für Games und Technik ausgegeben. Ein Wachstum von neun Prozent. Das geht aus aktuellen Zahlen des Branchenverbandes Game hervor.

Für die deutschen Spieleentwickler ist das allerdings kein Grund zu feiern: Denn der Anteil von deutschen Spieleproduktionen schrumpft von Jahr zu Jahr und liegt nur noch bei 135 Millionen Euro. Das bedeutet: Von 100 Euro, die für Videospiele in Deutschland ausgegeben werden, bekommt die deutsche Spielebranche 4,30 Euro.

Deutschland ist "nicht wettbewerbsfähig"

International spielen Videospiele aus Deutschland kaum eine Rolle. Die erfolgreichsten Titel kommen aus den USA, aus Japan, England, Kanada und Frankreich. Für Felix Falk, Geschäftsführer vom Branchenverband Game, ist das Problem hausgemacht: "Wir haben seit Jahren die Situation, dass wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht wettbewerbsfähig sind."

Eine Spieleproduktion in Deutschland sei circa 30 Prozent teurer als etwa bei unseren französischen Nachbarn, so Falk. Ein Grund: Andere Länder setzen auf die Förderung von Spieleentwicklern. Kanada zum Beispiel übernimmt ein Drittel der Lohnkosten und hat so zahlreiche Spielekonzerne ins Land gelockt. Frankreich beschloss bereits im Jahr 2003 eine Förderung von etwa 50 Millionen Euro jährlich.

Unsicherheit bei deutschen Entwicklern

In Deutschland hingegen steht die in diesem Jahr erstmals im Bundeshaushalt eingeplante Gamesförderung in Höhe von 50 Millionen Euro bereits wieder auf der Kippe: Der Haushaltsplan 2020 sieht derzeit keine Förderung von Computer- und Videospielen auf Bundesebene vor.

Den Spieleentwicklern in Deutschland nimmt das die Planungssicherheit. "Wenn wir die Computerspieleförderung des Bundes bekämen, würden wir unser Team voraussichtlich auf Dauer verdoppeln können", sagt Daniel Marx von dem kleinen Indiegame-Entwickler Osmotic Studios.

Die Osmotic Studios seien nicht abhängig von der Bundesförderung, sagt Marx. Doch für viele jüngere Teams sei sie existenziell. Marx hofft, dass die Förderung doch noch fortgesetzt wird: "Bei einem Wegfall würde sehr viel Vertrauen der Branche in die Politik verspielt, die gerne betont, wie wichtig die Gamesbranche sei."

NRW soll Games-Standort Nummer 1 werden

Ohne Bundesförderung bleiben regionale Modelle: NRW stellt jährlich circa drei Millionen Euro für Spieleentwickler zur Verfügung. Laut Ministerpräsident Armin Laschet solle NRW so zum "Games-Standort Nummer 1 in Deutschland" werden.

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WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Beiträge 29.12.2018 04:13 Min. Verfügbar bis 27.12.2019 WDR 5

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Stand: 19.08.2019, 06:00

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