Darum wird Spargel zum Ladenhüter

Stand: 02.06.2022, 15:54 Uhr

Die Spargelbauern in NRW klagen über steigende Kosten und geringe Nachfrage. Einige Landwirte beenden die Saison vorzeitig oder fahren den Anbau zurück.

Von Sebastian Tittelbach

Traditionell endet die Spargelsaison am 24. Juni, dem Johannistag. Doch bis dahin will Landwirt Klaus Langen nicht warten. Auf gut der Hälfte seiner Felder hört er mit dem Spargelstechen auf, weil es sich nicht mehr lohnt. Während die Inflation steigt, habe sich sein Spargelpreis seit Saisonbeginn halbiert. 

An der Qualität kann das kaum liegen, findet die Bornheimer Biobäuerin Andrea Palm. Mit ihrer Ware ist sie sehr zufrieden, mit dem Preis nicht. Derzeit verkauft sie das Kilo Spargel für für 8,90 Euro direkt auf ihrem Hof im Rhein-Sieg-Kreis: "Wir sind froh, wenn wir den Spargel loswerden. Verdienen können wir daran nichts.

Landwirt Stephan Bäcker aus dem Münsterland versteht sogar, dass die Verbraucher vor dem Spargelkauf zurückschrecken. Sie hätten durch die Inflation weniger Geld im Portemonnaie. "Also gibt man auch weniger Geld für Luxusgüter aus." Gerade Spargel würde dazu zählen. Bäcker hat einen Teil seiner Felder daraufhin nicht beerntet, um keine Übermengen zu produzieren - und Lohnkosten zu sparen.

Spargelbauern von Preisen überrascht

Die Preisentwicklung hat viele Spargelbauern unerwartet getroffen. Zum Saisonbeginn wurden stark steigende Preise erwartet, weil die Landwirte höhere Kosten für Energie, Dünger und Löhne verzeichneten. Doch offenbar sparen sich die Verbraucher in unsicheren Zeiten den Spargel. Das beobachtet auch Lothar Tolksdorf vom Biohof Bursch. Er spricht von einer "Spargeldelle" bei der Nachfrage. Allerdings hatte der Hof schon im vergangenen Jahr entschieden, gegen den Trend weniger Spargel anzubauen. 

Viel Anbaufläche für Spargel in NRW

Ein Erntehelfer für Spargel in Bornheim

Ein rumänischer Saisonarbeiter sticht Spargel in der Region Bornheim

In NRW ist die Anbaufläche für Spargel bis 2018 auf rund 4.020 Hektar gewachsen. Im vergangenen Jahr lag der Wert immer noch bei 3.960 Hektar. Für Biolandwirtin Andrea Palm ist es keine Option, aus dem Spargelgeschäft auszusteigen: "Das ist ja eine langfristige Kulturpflanze, von der hat man in den ersten beiden Jahren gar nichts.“ 

Stephan Bäcker aus dem Münsterland hat sich dazu entschieden, zukünftig weniger Anbaufläche zu bestellen und somit auch weniger zu produzieren. "Weil der Lebensmitteleinzelhandel nicht auf deutsche Ware setzt." Die deutschen Produkte wären hochwertiger, aber auch teurer als die Waren aus dem Ausland, so Bäcker. Mit diesen Preisen kann er nicht konkurrieren. Eine Direktvermarktung würde das Problem nicht lösen.

Bäcker würde sich wünschen, dass die Bedingungen für deutsche und für ausländische Produzenten ähnlicher wären. Seine Idee: Waren dürfen nur importiert werden, wenn ihre Qualität ebenso hoch ist wie die der deutschen Produkte.

Hoffnung auf gutes Saisonende

Es gibt Spargelhöfe, die bislang gut durch die Saison gekommen sind. Johannes Saß muss zwar auch mit höheren Kosten durch Benzin, Dünger oder Löhne klarkommen, allerdings seien seine Kunden nach wie vor bereit, bis zu 14 Euro pro Kilo zu zahlen. Saß steht als Direktvermarkter selbst an der Kasse und kann die Preise seinen Kunden auch direkt erklären: "Zum Glück hören sie mir auch zu, und dann kann ich begründen, dass ich meinen Spargel nicht zum Preis aus dem Supermarkt verkaufen kann.“

Die Spargelbauern hoffen auf ein starkes Saisonende - wenn die Felder fast abgeerntet sind, steigt meistens auch der Appetit. 

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