Notaufnahmen in Kliniken: Entlastung ist nötig - aber wie?

Notaufnahmen in Kliniken: Entlastung ist nötig - aber wie?

  • Kliniken und Patienten klagen über überfüllte Notaufnahmen
  • Spahn will Kliniken und niedergelassene Ärzte besser verzahnen
  • NRW will "Portalpraxen" flächendeckend bis 2022 einführen

Um die Notaufnahmen von Krankenhäusern zu entlasten, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Versorgung von medizinischen Notfällen reformieren. Gegen den aktuellen Gesetzentwurf, der auch dem WDR vorliegt, läuft nun aber die Deutsche Krankenhausgesellschaft Sturm.

Was ist das Problem bei der Notfallversorgung?

Rettungsdienste, niedergelassene Ärzte und Kliniken sollen künftig besser verzahnt werden. Laut Gesundheitsministerium finden sich in den häufig überlaufenen Notaufnahmen auch solche Patienten, "denen woanders besser geholfen werden könnte".

Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass Patienten mit nur leichten Beschwerden in Notaufnahmen vorstellig werden und so die Wartezeiten verlängern. "Die Bürger müssen sich im Notfall darauf verlassen können, dass sie schnell und gut versorgt werden", erklärte Spahn der "Rheinischen Post".

Wie will der Gesundheitsminister das System reformieren?

Jens Spahn will an den Krankenhäusern "Integrierte Notfallzentren" (INZ) als Anlaufstelle einrichten, die von den Kliniken und den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben werden. Patienten sollen dort nach einer Ersteinschätzung entweder sofort in die Notaufnahme geschickt oder ambulant weiterbehandelt werden.

Was stört die DKG?

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte Spahns aktualisierte Pläne scharf. Der Entwurf sei ein "Affront", hieß es am Donnerstag (09.01.2020) in einer Mitteilung. Grund dafür ist, dass es die INZ nicht mehr - wie im ursprüngliches Gesetzentwurf geplant - an allen Krankenhäusern geben soll, sondern nur noch an ausgewählten.

Welche das sind, sollen mehrheitlich die Krankenkassen und die Kassenärztlichen Vereinigungen bestimmen dürfen. "Das steht in absolutem Widerspruch zur verfassungsrechtlichen Zuordnung der Zuständigkeit für die Krankenhausplanung auf die Länder", heißt es in der Mitteilung der DKG. 

Wie ist die Lage in NRW?

In NRW wurde bereits 2019 das "Portalpraxis"-Modell eingeführt, das den INZ ähnelt: Abends, nachts und am Wochenende arbeiten an bestimmten Kliniken niedergelassene Ärzte mit dem Klinikpersonal zusammen. Ankommende Patienten werden dort nach einer Ersteinschätzung entweder ambulant oder stationär behandelt.

Im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) gibt es derzeit 74 Notdienstpraxen, die laut KVNO "weitgehend im Sinne einer 'Portalpraxis' arbeiten". Die von Gesundheitsminister Spahn gewünschten Strukturen seien im Rheinland "bereits in wesentlichen Punkten vorhanden".

Im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) existieren derzeit 17 allgemeinmedizinische Portalpraxen, neun kinderärztliche Portalpraxen sowie je eine für Augen- und HNO-Patienten. Bis 2022 soll es "Portalpraxen" flächendeckend in ganz NRW geben.

Stand: 09.01.2020, 12:56

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