Spahn-Pläne: Notfallzentren sollen Notaufnahmen entlasten

Ein Rettungswagen steht vor einer Notaufnahme.

Spahn-Pläne: Notfallzentren sollen Notaufnahmen entlasten

  • Wartezeiten in Notaufnahmen laut Gesundheitsminister oft zu lang
  • Gesetzentwurf: 112-Anrufer können zu Ärzten weiter vermittelt werden
  • Spahn will Notfallversorgung im Grundgesetz verankern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Versorgung von medizinischen Notfällen reformieren und damit die Notaufnahmen von Krankenhäusern entlasten. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Zuvor hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe darüber berichtet.

Was ist das Problem?

"Derzeit sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu häufig überlaufen, weil unter den Patienten auch solche sind, denen andernorts besser geholfen werden könnte", sagte Spahn. Dadurch seien die Wartezeiten für Patienten, die dringend auf die Hilfe in der Notfallambulanz angewiesen seien, oft zu lang.

Wie will es Spahn lösen?

Der Bundesgesundheitsminister will die medizinische Notfallversorgung neu organisieren. Sein Gesetzentwurf sieht vor, dass die Nummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117 für die Terminservicestellen der niedergelassenen Ärzte faktisch zusammengeschaltet werden. In einem "Ersteinschätzungsverfahren" sollen die Mitarbeiter der Notfallleitstelle ermitteln, ob den Anrufern besser im Krankenhaus oder bei einem ambulanten Arzt geholfen werden kann.

Zudem soll es an allen Krankenhäusern bundesweit "Integrierte Notfallzentren" (INZ) geben, die von den Kliniken und den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben werden. Patienten sollen dort entweder sofort in die Notaufnahme geschickt oder ambulant weiterbehandelt werden.

Was sagen Ärzte zu dem Vorschlag?

"Das wird eine richtige Revolution", so die Einschätzung des Düsseldorfer Notarztes Christian Hermanns. So plane Spahn zum Beispiel, für die Reform des Rettungsdienstes das Grundgesetz zu ändern, sodass Rechten und Pflichten dort festgeschrieben werden. Zurzeit sind die Bundesländer für ihre Rettungsdienste zuständig.

Das neue "Ersteinschätzungsverfahren" bei der Notruf-Nummer bedeutet laut Notarzt Hermanns, dass viel neues Personal eingestellt werden müsse. Es würde aber vieles verbessern. In den Niederlanden sei ein solches System, das Notrufe auf Dringlichkeit gewichtet und Patienten dementsprechend verteilt, seit Jahren erfolgreich im Einsatz. In Zukunft könnte sogar eine künstliche Intelligenz bei der Patientenverteilung mithelfen, indem sie zum Beispiel die Stimme des Anrufers nach Stressfaktoren untersucht.

Übrigens: Spahns Pläne finden Unterstützung in NRW. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nannte die Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern bei der Notfallversorgung am Montag (22.07.2019) im WDR "einfach" und "wichtig".

Stand: 22.07.2019, 19:11

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