Vereine in Not: Sonderprogramm für Karnevalisten und Schützen

Schützen auf einem Schützenfest in Schützenbekleidung.

Vereine in Not: Sonderprogramm für Karnevalisten und Schützen

Von Claudia Wiggenbröker

  • Schützen-, Karnevals-, und Traditionsvereine in Not
  • Sonderprogramm startet am Mittwoch
  • Bis zu 15.000 Euro pro Verein

Andreas Schreiber ist in einer schwierigen Situation. Der Vorsitzende der Werdohler Schützen fragt sich, wann er sich für oder gegen ein Schützenfest 2021 entscheiden muss. "Ich bin im Hoffnungsmodus", sagt er. "Aber ein Verein in unserer Nachbarstadt Altena hat seine Feier schon abgesagt."

Das hat den Schützen ins Grübeln gebracht. Er ist sich der Verantwortung bewusst. "Das Virus ist ja noch da, auch wenn die Infektionszahlen geringer geworden sind."

Auf der anderen Seite würde eine Absage bedeuten, wieder auf Einnahmen zu verzichten. "Wir hatten schon keine Frühjahrskirmes, kein Osterfeuer und keinen Königsball." Und natürlich ist das Schützenfest 2020 auch ausgefallen.

Geld kommt derzeit also nicht in die Kasse - die Kosten bleiben allerdings. "Wir zahlen weiter Miete für unsere Schießstände", erklärt Schreiber. Deshalb hat sich der Vorsitzende schon mit dem "Sonderprogramm Heimat" beschäftigt.

Bis zu 15.000 Euro für Vereine

Ab Mittwoch (15.07.2020) können Traditionsvereine darüber einen Zuschuss von bis zu 15.000 Euro erhalten. Anträge müssen sie bei den Bezirksregierungen einreichen. Insgesamt stellt die Landesregierung 50 Millionen Euro für Schützen, Karnevalisten und andere Brauchtumsbegeisterte zur Verfügung. So sollen Liquiditätsengpässe abgefedert werden.

Denn die Corona-Krise bringt so manchen NRW-Verein in finanzielle Schwierigkeiten. Laut den Schutzenverbänden im Rheinland und in Westfalen haben einige Gemeinschaften schon Insolvenz angemeldet - oder stehen davor. Diese Befürchtung geht auch bei Karnevalsvereinen um. Einige Kommunen wie das rheinische Elsdorf haben daher eine Art Rettungsschirm aufgespannt.

Nicht immer helfen frühe Absagen

Die Werdohler Schützen befinden sich noch nicht in Existenznot, sagt Andreas Schreiber. Das liegt vor allem daran, dass sie ihr Schützenfest 2020 frühzeitig abgesagt haben. "Wir haben schon im März die Entscheidung getroffen." So sei man zügig mit Dienstleistern ins Gespräch gekommen - und fast kostenfrei aus Verträgen heraus.

So sieht das allerdings nicht bei allen Vereinen aus. Teilweise werden Verträge mit Musikern oder Schaustellern schon für mehrere Jahre im Voraus abgeschlossen, so der Rheinische und der Westfälische Schützenbund. Bei Absagen könnten Stornierungs- und Schadenersatz-Kosten entstehen. Um das zu verhindern, seien behördlich angeordnete Veranstaltungsverbote sehr wichtig.

Digitale Events als Ersatz

Das Schützenfest in Werdohl hätte eigentlich am vergangenen Wochenende stattgefunden. Statt das Highlight der Saison zu feiern, musste man sich nun mit digitalen Ersatz-Events begnügen. "Schützenfest ist, wenn man trotzdem dran denkt", meint Andreas Schreiber. Und hofft darauf, dass es im nächsten Jahr wieder anders laufen kann.

Stand: 12.07.2020, 12:19

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