So kommen die Spenden in den Hochwasser-Regionen an

Ein Bagger am Ufer bei Räumarbeiten

So kommen die Spenden in den Hochwasser-Regionen an

Von Sebastian Moritz

In Solingen ging es ganz schnell: Gut eine Woche, nachdem das schwere Hochwasser ganze Straßenzüge verwüstet hat, hatten die ersten Betroffenen eine Soforthilfe von 3.000 Euro auf dem Konto. Koordiniert hatte diese Hilfsaktion die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung. „Die Hilfe sollte zügig ankommen, also haben wir schnell ein Formular gebastelt und schnell entschieden“, sagt Evelyn Wurm aus der Solinger Stadtverwaltung. Insgesamt werden so Spenden in Höhe von rund einer Million Euro verteilt.

Eine ähnliche Aktion läuft im Kreis Heinsberg. Hier sind derzeit Mitarbeiter der Kommunalverwaltung in den betroffenen Gebieten unterwegs, dokumentieren Schäden und entscheiden dann, welche Haushalte wieviel Unterstützung aus der lokalen Spendenaktion „HS – ein Kreis hilft“ bekommen. Im Rhein-Sieg-Kreis beraten Kreisverwaltung und Politik derzeit, nach welchem Schlüssel die Spendengelder der örtlichen Aktion verteilt werden.

Doppelte Hilfe ist nicht ausgeschlossen

Dabei müssen die Verantwortlichen der Hilfsorganisationen einen Spagat stemmen: Einerseits soll ihre Hilfe schnell und unkompliziert sein, andererseits soll das Geld möglichst gleichmäßig verteilt werden.

Eine Abstimmung der zahlreichen Hilfsaktionen untereinander sei jedoch kaum möglich, sagt Dariush Ghobad vom Deutschen Caritasverband: „Das können wir nicht leisten, dafür müssten wir ein langwieriges Prüfverfahren einführen. Wir müssen abwägen zwischen Transparenz auf der einen Seite und unkomplizierter Hilfe auf der anderen Seite.“

Spenden zusätzlich zur staatlichen Hilfe

Betroffene, die gut vernetzt und informiert sind, können also unter Umständen mehr finanzielle Unterstützung bekommen als andere. Unabhängig von den zahlreichen Spendenaktionen ist die staatliche Soforthilfe von bis zu 3.500 Euro je Haushalt, hier werden die Spenden nicht angerechnet.

Neben der wichtiger werdenden finanziellen Hilfe, unterstützen die Hilfsorganisationen aber weiterhin auch in anderen Bereichen. „Wir verwenden Spenden zum Beispiel, um Nahrungsmittel, Hygienesets und Entkeimungstabletten für das Trinkwasser zu kaufen“, sagt Manuela Roßbach, Vorständin der Aktion Deutschland Hilft. Die Aktion ist ein Zusammenschluss verschiedener Hilfsorganisationen.

Aber auch Notstromaggregate, mobile Arztpraxen und Bautrockner seien in den Hochwassergebieten derzeit gefragt. Inzwischen laufen außerdem vielerorts Gespräche zwischen Hilfsorganisationen und den Kommunen, um zu klären, wie die Hilfe in den kommenden Monaten aussehen und an die Betroffenen verteilt werden kann. Die Caritas geht davon aus, dass der Hilfseinsatz in den Hochwasser-Gebieten noch etwa zwei Jahre dauern wird.

Stand: 27.07.2021, 06:00

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