Güterlok, Regionalzug und Hochgeschwindigkeitszug

Milliarden-Auftrag für Siemens: Züge aus Krefeld sollen in Ägypten fahren

Stand: 29.05.2022, 16:00 Uhr

Der Industriekonzern Siemens spricht vom größten Auftrag der Firmengeschichte: Er soll in Ägypten dabei helfen, ein modernes Bahnnetz aufzubauen. Die Züge dafür kommen aus einem Werk in Krefeld.

2.000 Kilometer lang soll das neue Bahnnetz sein, das in Ägypten zukünftig die Menschen verbindet. Der Präsident des Landes Al-Sisi spricht von einer "neuen Ära" für das Eisenbahnsystem in Afrika und dem Nahen Osten - und erschien daher gleich selbst zur Vertragsunterzeichnung mit Siemens.

Das nordafrikanische Land will besonders seine wichtigen Hafenstädte miteinander verbinden, aber auch die Hauptstadt Kairo und kleinere Zentren im Landesinnern: 60 Städte sollen in Ägypten zukünftig an das neue Bahnnetz angeschlossen sein - alles durch Züge, Loks, Schienen, Signale und Bahnhöfe aus deutscher Fertigung.

Züge kommen aus Krefeld

Auch NRW hat daran einen großen Anteil: Die Siemens-Tochter "Siemens Mobility" betreibt ein Werk in Krefeld. Hier werden die Züge gefertigt - für Ägypten sind 135 Stück bestellt, davon 41 Hochgeschwindigkeitszüge.

"Die Auftragslage am Standort Krefeld ist damit auf Jahre gesichert", sagte ein Siemens-Sprecher dem WDR. Allerdings würden durch den Auftrag keine neuen Stellen in NRW geschaffen, die Züge würden von den vorhandenen Beschäftigten gebaut.

Von marode zu hochmodern?

Weitere Komponenten kommen aus anderen Werken in Deutschland, die Güterlokomotiven etwa sollen aus München kommen. Der Siemens-Vorstand kündigt an, Ägypten bekomme damit das "sechstgrößte und modernste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz der Welt".

Das bisherige Bahnnetz in Ägypten gilt allerdings als marode, immer wieder kommt es zu schweren Unfällen. Laut Medienberichten sind in den vergangenen zehn Jahren bei Zugunglücken dort mehr als 6.000 Menschen gestorben.

Finanzierung unklar

Bis das neue Bahnnetz in Ägypten aufgebaut ist, wird es allerdings noch Jahre dauern. Fraglich ist auch, woher das Geld für das Projekt kommt - der Siemens-Auftrag umfasst gut acht Milliarden Euro. Die ägyptische Wirtschaft gilt momentan als geschwächt, mehr als 30 Millionen Menschen im Land leben unterhalb der Armutsgrenze.

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