Siebenschläfertag: Wie wird das Wetter in diesem Sommer?

Stand: 27.06.2022, 10:50 Uhr

Am Siebenschläfertag einmal kurz aus dem Fenster schauen - und schon wissen wir, wie das Wetter im Sommer wird. Diese Bauernregel kennen viele. Was ist dran an dieser Prognose?

Viele Wolken, wenig Sonne, einige Schauer und nur mäßig warm - das Wetter in NRW ist am ersten Schulferienmontag nicht berauschend. Und so soll Sommer werden?! Das behauptet zumindest eine bekannte Bauernregel: "Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag." Das wirft Fragen auf!

Woher hat der Siebenschläfertag seinen Namen?

Ein Siebenschläfer (Glis glis) hat Quartier in einem Vogelnistkasten genommen

Kein Zusammenhang zwischen Siebenschläfertag und Nagetier

Nicht vom gleichnamigen Nagetier, wie viele glauben! Der Name des Tages geht vielmehr auf eine alte Legende zurück. Sie besagt, dass sieben Brüder während der Christenverfolgung im Jahr 251 in eine Höhle bei Ephesus flohen. Dort wurden sie von ihren Verfolgern eingemauert und fielen in einen tiefen Schlaf.

Rund 200 Jahre später - im Jahr 446 - soll die Höhle entdeckt und die sieben Brüder aus ihrem Schlaf geweckt worden sein. Den sieben Schläfern wurde später der 27. Juni als Gedenktag im katholischen Heiligenkalender gewidmet.

Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Bauernregel?

Offiziell gilt zwar der 27. Juni als Siebenschläfertag. Doch das ist nicht ganz korrekt. Bis ins 16. Jahrhundert bezog sich der Siebenschläfertag auf die Wetterlage am Ende der ersten Juliwoche.

Grund ist die Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1582. Sie korrigierte eine Ungenauigkeit des zuvor gültigen Julianischen Kalenders und bewirkte eine Verschiebung um etwa elf Tage. Der ursprüngliche Siebenschläfertag ist somit der 7. Juli.

Was sagt die Meteorologie zum Siebenschläfertag?

Der Siebenschläfertag hat keinerlei Aussagekraft über das zukünftige Wetter, sagt der Meteorologe Jürgen Vogt vom WDR-Wetterstudio. Betrachtet man hingegen nicht nur diesen einzelnen Tag, sondern den gesamten Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli, sieht der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine gewisse Berechtigung der Siebenschläfer-Regel.

Ungefähr in diesem Zeitraum stabilisiere sich nämlich in den meisten Jahren die Wetterlage, die die Witterung der folgenden Wochen bestimme, so der DWD. Entscheidend sei der Verlauf des sogenannten Jetstreams, eines Starkwind-Bandes in der oberen Atmosphärenschicht. Verläuft er relativ weit südlich über dem Ostatlantik und Europa, führe dies zu einer andauernden Zufuhr feuchter und kühlerer Luft nach Mitteleuropa.

Verläuft der Jetstream dagegen relativ weit nördlich, breitet sich häufig ein Keil des Azorenhochs bis nach Mitteleuropa aus - mit typisch sonnigem und warmem Sommerwetter.

Wie hoch ist die Trefferquote?

Die Siebenschläferregel ist nicht wirklich zuverlässig: Die Trefferquote liegt laut Deutschem Wetterdienst im Binnenland nur bei etwa 55 bis 60 Prozent, im Alpenvorland bei etwa 70 Prozent - aber auch nur, wenn man die Regel nicht sonderlich eng auslegt.

Und nur unter der Voraussetzung, dass man die Regel nicht nur auf den Siebenschläfertag, sondern auf mehrere Tage bezieht - und auch nicht gleich sieben, sondern nur etwa die folgenden vier Wochen betrachtet. Eine statistische Verläßlichkeit gibt es also nicht.

Wie wird denn nun der Sommer?

Das Sommerhalbjahr auf der Nordhalbkugel wird insgesamt wieder wärmer sein als im langjährigen Mittel, sagt WDR-Meteorologe Vogt. Daraus lasse sich aber nicht ableiten, wie das Wetter im Sommer in Nordrhein-Westfalen werde.

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