NRW-Bilanz: Drei Jahre Sichtschutz gegen Gaffer

Neue Sichtschutzwände

NRW-Bilanz: Drei Jahre Sichtschutz gegen Gaffer

Von Katja Goebel

  • Mobile Stellwände gegen Unfall-Gaffer
  • Sichtschutz verändert Verhalten der Verkehrsteilnehmer
  • Feuerwehr: Schutzzäune treffen oft zu spät ein

Hier geht es zur Diskussion über Sichtschutz gegen Gaffer

Die Szenerie ist bekannt: Ein Unfall auf der Straße und schon fahren Autos nur noch im Schneckentempo. Schaulustige Fußgänger und Fahrer lassen sich reflexartig vom Geschehen ablenken.

Viele wollen zumindest einen Blick erhaschen, manche zücken sogar das Handy, um mitzufilmen. Es kommt zu Staus und schlimmstenfalls sogar zu Nachfolge-Unfällen oder Behinderung der Rettungsarbeiten. Erst im Januar 2018 hatten Gaffer bei einem Unfall auf der A40 bei Bochum für ein Verkehrschaos mit zwei Auffahrunfällen gesorgt.

Mobile Wände gegen Gaffer

Gut drei Jahre nach der Einführung von mobilen Sichtschutzwänden gegen Gaffer bei Autobahnunfällen zieht die Landes-Straßenbauverwaltung jetzt Bilanz. Seit Mai 2015 seien die grünen Wände auf den NRW-Autobahnen über 100 Mal eingesetzt worden. "Der Effekt ist positiv", erklärte eine Sprecherin von Straßen.NRW.

Unfallgefahr nimmt ab

Sobald die Sichtbarrieren am Unfallort stünden, normalisiere sich der Verkehrsfluss in kurzer Zeit, weil Gaffer nichts mehr zu gucken hätten. "Auffahr- und Stauende-Unfälle nehmen ab", so die Sprecherin.

Auch die Hilfskräfte am Einsatzort seien dankbar für die Abschirmung. Sie könnten so ohne Ablenkungen und Belästigungen ruhiger und zügiger arbeiten. Die 2,1 Meter hohen Wände werden an Autobahnmeistereien gelagert und können von Polizei und Feuerwehr an die Unfallstellen geordert werden.

Sichtschutz kommt für Retter oft zu spät

Ernüchternd fällt da die Bilanz der Retter vor Ort aus. Denn bis die angeforderten Sichtschutzzäume tatsächlich eine Unfallstelle erreichen und aufgebaut sind, sei die heiße Phase der Helfer meist vorbei, erklärt Christoph Schöneborn vom Verband der Feuerwehren in NRW.

Laut seiner Einsatzleiter hätten die Sichtschutzzäune in den drei Jahren höchstens in höchstens zehn bis 15 Fällen tatsächlich die Rettungseinsätze der Feuerwehr vor neugierigen Blicken geschützt. "Wir kommen mit Blaulicht und sind die ersten am Ort."

Bei längeren Einsätzen oder auch für anschließende Aufräumarbeiten machten die Zäune aber dennoch Sinn. Gaffer am Unfallort verletzten eben nicht nur Persönlichkeitsrechte der Opfer, sie gefährdeten auch häufig den fließenden Verkehr.

So werden Menschen zu Gaffern

WDR 5 Leonardo Top Themen 18.10.2017 06:23 Min. WDR 5

Download

"Wir brauchen Bewusstseinswandel"

Das hemmungslose Verhalten der Menschen nehme zu. Schnelle Lösungen gebe es da nicht, zumal Feuerwehr und Polizei oft gar nicht die Kapazitäten hätten, sich auch noch um Schaulustige zu kümmern. "Wir brauchen einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. Das ist auch eine Frage von Stil und Bildung."

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Stand: 23.07.2018, 09:47

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Rettungssanitäter 24.07.2018, 12:46 Uhr

    und wer vom RTW soll den mobilen Sichtschutz montieren ? Die Besatzungen haben am Einsatzort genug mit der med. Hilfeleistung zu tun; abgesehen vom mangelnden Platz für solches Systeme im Fahrzeug.

  • 1 Thomas Alva 24.07.2018, 11:31 Uhr

    Lässt sich evtl. ein Sichtschutz dauerhaft in die Fahrbahn einlassen, der auf Knopfdruck oder elektronisch hochgefahren werden kann oder lässt sich etwas nach Art einer Lasershow machen? Wäre vielleicht ein Thema für Jugend forscht.

    Antworten (1)
    • Thomas Alva 24.07.2018, 11:54 Uhr

      Kurze Ergänzung: Der Aufwand könnte geringer gehalten werden, wenn die Rettungswagen einen (noch zu entwickelnden) Sichtschutz an Bord hätten.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen