Sexueller Kindesmissbrauch: Ein wachsendes Problem?

Symbolbild Kindesmisshandlung: Ein Mädchen sitzt traurig in der Ecke; Rechte: pa/ dpa

Sexueller Kindesmissbrauch: Ein wachsendes Problem?

Von Nina Magoley

  • Zahl der registrierten Fälle von Kindesmissbrauch steigt zuletzt wieder
  • Dunkelfeld vermutlich noch viel größer
  • Was können Land und Kommunen dagegen tun?

14.410 - So viele Kinder, die sexuell missbraucht worden sein sollen, haben die Behörden in Deutschland im vergangenen Jahr registriert. In NRW stieg die Zahl laut Polizeilicher Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr um knapp 60 auf 2.862. Das sind allerdings nur die Zahlen aus dem sogenannten "Hellfeld".

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs geht davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Man müsse annehmen, dass "im Durchschnitt ein bis zwei Kinder einer Schulklasse von sexuellem Kindesmissbrauch betroffen sind", heißt es in einem Bericht der Kommission.

Die Zahlen sind erschreckend. Anfang der "Nuller-Jahre" aber bewegten sie sich noch auf wesentlich höherem Niveau: 2002 waren es fast 20.400 Fälle bundesweit. Auch in NRW ist die Zahl der registerierten betroffenen Kinder im Langzeitvergleich in den letzten zehn Jahren insgesamt eher zurückgegangen.

Das sei vor allem einer höheren Sensibilität zuzuschreiben, sagt die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbunds, Cordula Lasner-Tietze: Einerseits sei die "Zivilgesellschaft" deutlich aufmerksamer geworden, andererseits gäbe es mittlerweile auch bei der Polizei mehr Kompetenz, "zuzuhören, wenn Kinder erzählen".

Dennoch zeigten nicht zuletzt Missbrauchsfälle von so katastrophalem Ausmaß wie in Lügde, "dass es noch sehr viel Anstrengung braucht". Weil nach wie vor viele betroffene Kinder nicht wagten, sich jemandem anzuvertrauen oder weil einem breiten Umfeld offenbar immer noch über lange Zeit Hinweise auf Kindesmissbrauch entgingen.

Dringend benötigt, sagt die Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds, seien Anlaufstellen, die betroffene Kinder "ohne Kenntnis der Sorgeberechtigten" erreichen können. Lehrer und Kita-Personal müssten mehr und weiter geschult, Beratungsstellen gefördert werden "für Tanten, Großeltern", Menschen aus dem sozialen Unmfeld eines Kindes, die Verdacht schöpfen.

Konkret sind es meist die Kommunen, die solche Angebote fördern - oder eben nicht. "Sind in einer Kommune Personen in Führungspositionen, die diese Themen für unabdingbar halten, werden sie auch gefördert." Sei dem nicht so, hätten es die Beratungsstellen schwer.

Das NRW-Familienministerium erklärt auf Anfrage, dass man begonnen haben, zu "analysieren", ob im Bereich der Prävention von sexualisierter Gewalt "strukturelle, personelle oder fachliche Defizite" in den Jugendämtern in NRW vorliegen. 25 spezialisierte Beratungsstellen werden mit insgesamt 1.073.790 Euro pro Jahr gefördert.

Korrekturhinweis (17.04.2019, 17:08 Uhr): In der Polizeilicher Kriminalstatistik werden unterschiedliche Kategorien aufgeführt, um sexuellen Kindesmissbrauch darzustellen. Wir haben im Text die zugrundeliegende Kategorie vereinheitlicht und die Zahlen dementsprechend präzisiert.

Stand: 16.04.2019, 20:30

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