Sexueller Kindesmissbrauch: Zwei Opfer in jeder Schulklasse

Sexueller Kindesmissbrauch: Zwei Opfer in jeder Schulklasse

Von Birgit Grigo

  • Sexueller Kindesmissbrauch kommt überall vor
  • Ein bis zwei Opfer in jeder Schulklasse
  • Krefelder Gesamtschule hat Schutzkonzept

Die Atmosphäre an der Bischöflichen Gesamtschule in Krefeld mit fast 1.000 Schülern ist friedlich und freundlich. Aber "eine Schule, die sagt, sexuellen Missbrauch gibt es hier nicht, hat das größte Problem", sagt der stellvertretende Schulleiter Ulrich Reismann. "Sexuelle Gewalt kommt überall vor."

Drei Personen führen ein Gespräch in einem Klassenraum

Der stellvertretende Schulleiter Ulrich Reismann (li.) im Gespräch mit Janina Mellen und Jochen Deußen.

An seiner Schule gibt es zwei Sozialpädagogen, die Ansprechpartner für alle Anliegen der Schüler sind. Zum Thema Missbrauch sind Janina Mellen und ihre Kollege Jochen Deußen aber besonders geschult.

Plötzliche Verhaltensänderungen

Dass das mittlerweile nötig ist, belegen Zahlen des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung. Demnach sitzen in jeder Klasse ein bis zwei betroffene Kinder.

"Es ist unvorstellbar. Aber es wird so sein", sagt die Pädagogin Mellen. Doch sexuellen Missbrauch zu erkennen, ist oft nicht leicht.

Erst beim achten Anlauf glaubt ein Erwachsener

Anzeichen seien vor allem Verhaltensveränderungen, erklärt Mellen im WDR am Samstag (18.01.2020). Ein lebendiges Kind werde still, ein ruhiges Kind vielleicht aggressiv. Oder sie malten dunkle Gestalten, die sich kleinen Wesen nähern.

Bis zu acht Mal muss sich ein Kind äußern, bis ein Erwachsener ihm glaubt, sagt Innocence in Danger, ein Verein zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch.

Kinder müssen lernen, "Nein" zu sagen

Sofort hinhören, sich Zeit und das Kind ernst nehmen, sei daher die oberste Regel. "Und unbedingt ruhig bleiben", sagt Mellen. Starke Emotionen könnten das Kind zusätzlich verschrecken.

Damit die Kinder nicht den Eindruck bekommen, wieder machtlos Entscheidungen von Erwachsenen ausgesetzt zu sein, beziehen die Pädagogen sie ein, wenn sie zum Beispiel Jugendamt oder Polizei einschalten. Präventiv sei es wichtig, die Kinder darin zu stärken "Nein" zu sagen, erklären sie.

Nicht in allen Einrichtungen gibt es solche Schutzkonzepte, bedauert Dietmar Siegert, Leiter des Krefelder Kinderschutzbundes. Auch in der Ausbildung - zum Beispiel für Erzieher oder Lehrer - müsse das Thema mehr Gewicht erhalten.

Aber jeder, der ein "komisches Bauchgefühl" habe, solle sich an eine Beratungsstelle wenden, das ist auch anonym möglich. "Lieber einmal mehr kommen als zu wenig.

Neue Möglichkeiten für Ermittler

Zumindest bekommen Ermittler im Kampf gegen Kindesmissbrauch neue Möglichkeiten. Wie der Bundestag am Freitag (17.01.2010) beschloss, dürfen sie sich künftig mit künstlich am Computer erzeugten Missbrauchsvideos in Internetforen einschleichen.

Stand: 19.01.2020, 09:33

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