Missbrauch in der Familie - ein schwieriges Thema

Behördenversagen bei Ermittlungen zu Kindesmissbrauch in Bergisch-Gladbach Aktuelle Stunde 08.11.2019 UT Verfügbar bis 15.11.2019 WDR Von Jochen Hilgers

Missbrauch in der Familie - ein schwieriges Thema

  • Bergisch Gladbach: Verdacht auf familiären Kindesmissbrauch
  • Was erleiden Opfer, wie kann man Kinder schützen?
  • WDR-Interview mit einer Kinderschutzexpertin

Im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach soll sich ein Vater an seiner Tochter vergangen haben, ein Onkel an seiner Nichte. Was durchleben die Kinder und wie können Außenstehende helfen? Diese und andere Fragen beantwortet Dr. Sibylle Banaschak im WDR-Interview.

Sie ist Leiterin des "Kompetenzzentrums Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW" in Köln. Es berät Ärzte, wenn diese einen Verdacht auf Kindesmisshandlung äußern.

WDR: Gibt es typische Verhaltensweisen, anhand derer Außenstehende Kindesmissbrauch - auch in der Familie - erkennen können?

Dr. Sibylle Banaschak

Dr. Sibylle Banaschak

Dr. Sibylle Banaschak: Nein. Man muss in jedem Einzelfall gucken, was hinter Verhaltens-Auffälligkeiten steckt. Außerdem wollen die Kinder ja nicht darüber reden. Im aktuellen Fall Bergisch Gladbach kommt hinzu, dass Kinder betroffen sind, die noch nicht einmal sprechen können. Und wenn ein Kind doch redet, weiß man aus Studien: Es muss im Schnitt sieben Mal etwas gesagt haben, bevor ihm geholfen wird.

WDR: Kann es helfen, Berufsgruppen wie Lehrer, die viel mit Kindern zu tun haben, stärker für das Thema zu sensibilisieren?

Banaschak: Natürlich gibt es Fortbildung und ähnliches. Der Kernpunkt ist aber, dass Sie ein Vertrauensverhältnis zu dem Kind haben müssen. Wenn die Kinder merken, die Erwachsenen reagieren komisch, dann reden sie nicht mehr. Was hilft: Leute, die etwas mitkriegen, müssen das ernst nehmen und dann handeln. Was schwer genug ist.

Missbrauch: Täter sollen Kinder untereinander getauscht haben

WDR Studios NRW 07.11.2019 01:00 Min. Verfügbar bis 14.11.2019 WDR Online

WDR: Schwer genug in welcher Hinsicht?

Banaschak: Den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einmal eröffnet zu haben, ist natürlich ein Wort. Damit stigmatisieren Sie auch eine Familie. Wie soll ein Mann beweisen, dass er etwas nicht gemacht hat? Da bewegt man sich in einem ziemlichen Spannungsfeld.

WDR: Wie können Eltern ihre Kinder vor sexuellem Missbrauch, auch durch andere Familienmitglieder, am besten schützen?

Banaschak: Sie müssen ihre Kinder so stark machen, dass diese auch dann etwas sagen, selbst wenn sie wissen, dass die Eltern den Betreffenden mögen. Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass sie unliebsames Anfassen nicht tolerieren müssen. Ein Kind muss das Recht haben, nein zu sagen.

WDR: Das zu vermitteln ist doch unmöglich, wenn zum Beispiel ein Vater sein Kind missbraucht.

Banaschak: Ja. Dann wird vermittelt, dass Erwachsene einen berechtigten Zugriff haben, auch wenn es den Kindern wehtut. Dann heißt es, das machen alle Papas mit ihren Töchtern oder Söhnen so, das ist ganz normal, du stellst dich nur an.

Das Interview führte Frank Menke.

Stand: 08.11.2019, 18:20

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