Separatorenfleisch - eklig oder nachhaltig?

Stand: 23.06.2022, 16:57 Uhr

Separatorenfleisch wird aus Tierkörpern oder Knochen mit Fleischresten gepresst. Es muss gekennzeichnet werden - doch das scheint nicht immer der Fall zu sein. Ist das schädlich?

Recherchen des NDR und des Spiegels haben ergeben: In vielen Wurstprodukten könnte sogenanntes Separatorenfleisch enthalten sein. Also Fleisch, das maschinell aus den Resten gewonnen wird, die zum Beispiel an Knochen hängen bleiben und nicht so leicht abzubekommen sind.

Verboten ist das nicht, es muss jedoch speziell gekennzeichnet werden. Und das machen viele Hersteller offenbar nicht. Klingt eklig - doch ist es das überhaupt? Und macht es - mit Blick auf die Nachhaltigkeit - nicht auch Sinn, das ganze Tier zu verarbeiten?

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Wie und wie viel Separatorenfleisch wird gemacht?

Separatorenfleisch wird erzeugt, indem Maschinen Tierkörper oder grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben hindurchpressen. Knochensplitter und Knorpelteile bleiben hängen, alle weichen Teile wie etwa Muskulatur, Fett und Bindegewebe oder auch Knochenmark werden abgepresst. Dabei entsteht eine breiartige Masse.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ist Separatorenfleisch gesundheitlich nicht bedenklich. Bislang ist die Studienlage zu dem hochverarbeiteten Lebensmittel aber nicht sonderlich breit.

Laut Zahlen der EU produziert Deutschland jedes Jahr rund 130.000 Tonnen Separatorenfleisch. Davon werden knapp 60.000 Tonnen exportiert. Das heißt ca. 70.000 Tonnen bleiben in der Bundesrepublik.

Ist Separatorenfleisch nachhaltiger?

In Deutschland müssten wohl deutlich mehr Hühner und Schweine gehalten werden, um die Fleisch-Nachfrage zu decken, wenn Separatorenfleisch nicht genutzt würde. "Der Blick auf die Nachhaltigkeit und auch auf die ethische Komponente, dass wir sonst noch mehr Schweine und Hühner schlachten müssten, spricht für die Nutzung von Separatorenfleisch", sagt Lukas Kohlenbach aus der WDR-Wissenschaftsredaktion.

Das hätte möglicherweise nicht nur Auswirkungen auf das Tierwohl und den Landverbrauch, sondern auch auf das Klima. Ein Team um den Forscher Marco Springmann von der Oxford-University hat sich 2018 dem Thema gewidmet. Die Forschenden gehen davon aus, dass die ernährungsbedingten Treibhausemissionen um drei Viertel zurückgehen würden, wenn unsere Ernährung vollständig aus Pflanzen bestehen würde. Viele der klimaschädlichen Emissionen stammen aus der Landwirtschaft. Vor allem durch die Tierhaltung entstehen viele Treibhausgase. 

Die Haltung von Nutztieren wie Rindern, Schweinen, Schafen oder Geflügel ist etwa für die Hälfte der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft verantwortlich. Hinzu kommen Tiermist und Gülle, die Landwirte auf ihren Böden verteilen. Die Düngemittel setzen Lachgas und Methan frei. Besonders problematisch sind Rinder: Sie gelten als die größten Klimasünder - ein Großteil der Lachgas- und Methanemissionen geht auf ihr Konto.

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