Bei Stau einfach in die Luft gehen

Mausgondel vor Dom

Bei Stau einfach in die Luft gehen

Von Karin Bensch

  • Verkehrsforscher sehen Seilbahn als Auto-Alternative
  • Problem: Trassenführung über Privatgelände
  • Wuppertal plant Bürgerbefragung wegen Seilbahnbetrieb

Zuviel Verkehr. Zuviel Zeitverlust. Zu viele Abgase. In Köln wird derzeit über den Bau einer neuen Seilbahn diskutiert. Die 33 Kilometer lange Seilbahn soll im Zick-Zack-Kurs über den Rhein fahren und pro Stunde rund 7.000 Fahrgäste transportieren.

Rudolf Juchelka, Verkehrsforscher an der Universität Duisburg-Essen, findet die Idee interessant. Die Kölner Rheinbrücken seien "am Ende ihrer Infrastrukturkapazität angekommen", sagte er am Donnerstag (28.03.2019) dem WDR.

Gondeln: Staufrei durch die Stadt?

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 29.03.2019 03:34 Min. Verfügbar bis 28.03.2020 WDR 5 Von Karin Bensch

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Seiner Ansicht nach bieten Seilbahnen viele Vorteile: Sie können schneller gebaut werden und sind deutlich kostengünstiger als zum Beispiel S- und vor allem U-Bahnen. Hinzu kommt, dass Seilbahnen elektrisch betrieben werden, es gebe damit zwar einen recht hohen Stromverbrauch, aber keine schädlichen Motorenabgase in der Innenstadt.

Verschandeln Seilbahnen das Stadtbild?

 Die Hohenzollernbrücke, der Kölner Dom und der Musical Dome spiegeln sich bei blauer Stunde in Regenwasser auf einer Mauer.

Sichtachse auf den Dom bedroht

Der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung Niklas Kienitz (CDU) sieht das Projekt eher kritisch. Er hat Sorge um das Stadtbild mit dem Dom als UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Problem könnten zudem die Flächen werden, über die die Seilbahn fahren soll. "Viele Leute wollen nicht, dass Gondeln direkt über ihren Garten schweben", meint der Stadtentwickler. In Köln soll nun geprüft werden, wie viele Fahrgäste eine solche Seilbahn nutzen würden.

Trassenführung über Privatgelände oft unerwünscht

In Bonn liegt bereits seit 2017 eine Machbarkeitsstudie vor. Danach ist eine städtische Seilbahn technisch möglich und würde den Autoverkehr auf dem Venusberg entlasten. Doch die Seilbahn vom Universitätsklinikum zum UN-Campus ist umstritten, weil die Trasse über Wohngebiete führen würde.

Wuppertal befragt Bürger zu Seilbahn-Plänen

In der Schwebebahn-Stadt Wuppertal hat der Stadtrat bereits vor Jahren entschieden, dass eine Seilbahn gebaut werden soll. Sie soll vom Hauptbahnhof über die Universität auf die Wuppertaler Südhöhen führen und so den Busverkehr entlasten.

Doch Befürworter und Gegner liefern sich heftige Diskussionen, weil die Trasse auch hier über dichtbebautes Gebiet führen würde. Weil der Bau der Wuppertaler Seilbahn so umstritten ist, soll es von Anfang Mai 2019 an eine Bürgerbefragung geben.

Seilbahn: Was passiert nach Ratsentscheid? 03:16 Min. Verfügbar bis 27.02.2020

Verkehrsforscher: Köln und Wuppertal als Vorreiter

Vor allem in Städten im Rheinland und im Bergischen Land, wo Höhenunterschiede überwunden und Flüsse überquert werden sollen, bietet sich der Bau von Seilbahnen an. Verkehrsforscher Juchelka geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren in Köln und Wuppertal Seilbahnprojekte realisiert werden könnten. Er traut den beiden Städten eine Vorreiterfunktion zu.

Stand: 29.03.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

9 Kommentare

  • 9 Casinator 29.03.2019, 22:27 Uhr

    Bisher habe ich noch kein Projekt in Deutschland gesehen, was Ergebnisoffen geprüft hat. Grundsätzlich werden Nutzergruppen angegeben, die in der Realität nicht an dem Ort existieren. Da werden Studenten, Patienten oder Mitarbeiter eines anderen Standorts einfach dazu addiert und wir reden da schnell von 20% zu hoch. Auch sind die Mitarbeiter und Studenten nie Krank oder haben Urlaub oder Semesterferien. In so einer Pseudowelt funktionieren Seilbahnen evtl. Auch wird nie ein korrektes Tageslastdiagramm gezeigt. Auch der Mit- und der Ohne-Fall zeigt gerne unterschiedliche Datengrundlagen und wenn man vor der Berechnung im Modell schon mal Buslinien ausdünnt, dann "zwingt" man die digitalen Einwohner auf die Seilbahn, wobei die Berechnungsmodelle keine Seilbahnen abbilden können, da man dazu zb. Höhenangst als Faktor einbauen müsste. Übrigens wieder 20% Abweichung im Modell. So kommen große Nutzerzahlen zusammen, die aber nicht Real sind. Umgekehrt werden Kosten klein gerechnet.

  • 8 Gemeinnutz 29.03.2019, 16:32 Uhr

    @Frank Ja E-Busse sind toll. Haben gegenüber Seilbahnen ein paar Nachteile: * Sie teilen sich den Stau und die Ampeln mit dem normalen Verkehr * Die Verbindung am Hang ist wegen der Serpentinen sehr viel länger * Wasser oder Täler können ohne neue/vorhandene Einrichtungen nicht überquert werden. *Energetisch teurer *Derzeit noch höher Personalaufwand (Ein Fahrer pro Bus: Sehr teuer, gegenüber einer Person pro Schicht in einer Seilbahn) *Höheres Unfallrisiko *Ein EBus ist um einiges teurer als eine Gondel, Gondeln können flexibel zusätzlich ein/ausgesetzt werden um effizienter als Massentransportmittel eingesetzt zu werden. Bei Bussen aus Kostengründen nicht möglich *Erhöhtes Unfallrisiko, erhöhtes Unfallrisiko durch Oberleitung bei EBus *usw. Straßenbahnen wären in manchen Situation energetisch besser als E-Busse. Ein dichtes Netz ist wichtig. Kann man z. B. mit Rufbussen, oder automatischen langsamen Rundbussen an den Haltepunkten der Stationen realisieren.

    Antworten (1)
    • Casinator 29.03.2019, 22:11 Uhr

      In einigen Punkten täuschen Sie sich. Seilbahnen sind deutlich schlechter in der Energiebilanz als Busse. Das liegt an den Lastverteilungen über Tag. Busse lässt man dann seltener fahren, aber bei Seilbahnen lohnt sich das Gondelaushängen nicht. Asynchrone Anordnungen der Gondeln führt zu hohen Energieverlusten. Seilbahnen brauchen mehr Personal als Busse, da hier jede Station mit mehreren Personen besetzt werden muss. Wuppertal muss mehrere Buslinien um 50% reduzieren um das aufzufangen. Bonn dachte auch schon über 1,5 Linien nach. Und Busreduktion heißt immer mehr Autos, zumal da ja auch noch Touristen kommen könnten. Busse sind flexibler und die Route lässt sich leicht verändern. Bei einer Seilbahn geht das nicht. Die Zukunft liegt in der Flexibilität.

  • 7 Frank 29.03.2019, 14:55 Uhr

    Starre Verkehrssysteme wie Seilbahnen gehen völlig an zukünftigen Verkehrskonzepten vorbei. Wir brauchen flexible Lösungen. Die Stadtwerke Solingen gehen hier mit gutem Beispiel voran mit ihren E-Bussen, die über Oberleitungen geladen werden und dann längere Strecken mit Batterie fahren können. Starre Systeme sorgen nur dafür, dass die Menschen häufiger umsteigen müssen und dann doch lieber das Auto nehmen. Die geplante Seilbahn in Wuppertal ist hier ein gutes Negativ-Beispiel. Es wird 3 Haltepunkte geben, dafür werden mehrere Buslinien wegfallen bzw. ausgedünnt. Wer nicht direkt an den Haltepunkten der Seilbahn wohnt, wird dann häufiger umsteigen, weiter laufen und länger warten müssen, letztlich also vermutlich lieber dad Auto nutzen.

  • 6 Fred 29.03.2019, 13:19 Uhr

    Eine nette Ergänzung, aber für den massenweisen Einsatz im Berufsverkehr absolut ungeeignet: Einfach mal an Sturm, Eisregen etc. denken

  • 5 Sonny 29.03.2019, 13:16 Uhr

    Komisch in koblenz, köln klaptt es doch auch Warum nicht auch in w-tal Naja w-tal ist schon ein komisches Volk erst ja dann da gegen sein ohne worte Ok es gibt ja die schwebebahn (Wenn die mal fährt,schwebebahn) :-) ist es doch einfacher und besser Wenn die Seilbahn kommen würde :-) :-) :-) Lg sonny

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    • Casinator 29.03.2019, 21:45 Uhr

      Koblenz und Köln sind reiner Tourismus. Die gehen nur über den Rhein. Im übrigen sind die weder ganzjährig im Betrieb noch fahren die Früh Morgens oder Nachts. Ihr Vergleich hinkt also.

  • 4 Gemeinnutz 29.03.2019, 12:16 Uhr

    @dobby.s Gegen Blicke durchs Fenster gibt es halbdurchlässige Vorhänge, die die meißten Leute schon gegen die neugierigen Nachbarn haben, praktisches Bespiel Vowinkel und unzählige Hochbahnenbeispiele. Wer bezahlt den Wertverlust für eine Individualstrasse vor unserer Haustür? Wir alle, die Umwelt unsere Gesundheit.

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    • Casinator 29.03.2019, 21:58 Uhr

      Und in Gärten? Bei einer Höhe von 30 bis 70 Meter können Sie jeden Sichtschutz vergessen. Und zu Werteverlust: Wertverlust bei einer Immobilie setzt voraus, dass man die Immobilie verkaufen möchte. Wenn man das nicht in betracht zieht, dann ist das Argument wertlos. Gleichwohl sieht man hier einen Wertverlust, in Form von Respektlosigkeit gegenüber dem, was unser Grundgesetz schützt, nämlich das Recht auf freie Entwicklung und ein freies Leben. Sie mögen das anders Bewerten, aber sprechen Sie das Recht niemanden ab.

  • 3 Gemeinnutz 29.03.2019, 12:04 Uhr

    ALLE Städte in NRW brauchen billige, ausgereifte und efektive MASSENverkersmittel. Seilbahnen sind welche. Baut endlich, was ihr schon vor 40 Jahren bauen solltet. Jetzt ist es allgemein akzeptiert. Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Die Auswahl der betroffen Steakholder für die Wuppertaler Umfrage ist einfach nur peinlich.

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    • Karl Napp 29.03.2019, 14:00 Uhr

      > Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Das war glaube ich anders: §14 (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Also wo wohnen Sie? Vielleicht möchten Ihre Nachbarn ihre Fahrräder bei Ihnen abstellen. :-)

    • Casinator 29.03.2019, 21:41 Uhr

      Ich muss Sie enttäuschen. Seilbahnen sind kein Massentransportmittel, sondern Stetigförderer und diese haben insbesondere mit der Rushhour ein Problem. Massentransportmittel sind zb. Züge und die kommen mit Lastschwankungen klar. Stetigförderer und Massentransportmittel funktionieren auch nur in einer Richtung: Vom Stetigförderer zum Massentransportmittel. Umgekehrt nicht. Können Sie ganz leicht testen. Nehmen Sie einen Trichter und lassen Sie stetig Wasser durch laufen. Das geht. Nehmen Sie aber eine Tasse Wasser, dann schwabt es über.

  • 2 Stan-und-Ollie 29.03.2019, 10:14 Uhr

    Wenn es solche Alternativen zu unseren vom Stau und den Abgasen geplagten Innenstädten gibt, dann fangt an zu bauen. Meiner Ansicht nach sind die Ängste der Bewohner von Wohnsiedungen und der Grundstückseigentümer nicht zu berücksichtigen. Der Luftraum über den Grundstücken gehört nicht ihnen, sondern der Allgemeinheit. Grundstückseigentüner werden auch nicht vorher befragt, ob sie etwas gegen den Überflug von Verkehrsflugzeugen oder Hubschraubern haben.

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    • dobby.s 29.03.2019, 11:23 Uhr

      Hubschrauber und Flugzeuge überfliegen die Grundstücke aber in größerer Höhe und - zumindest Hubschrauber - nur selten. Grundstücke in Einflugschneisen von Flughäfen haben erheblichen Wertverlust zu befürchten, weshalb den Eigentümern an solchen Korridoren natürlich ein Einspruchsrecht zustehet. Und eine Seilbahn würde in relativ geringer Höhe alle paar Minuten über den Garten oder vielleicht sogar am Fenster vorbeiziehen. Würden Sie das bei sich gern haben wolllen?

    • Karl Napp 29.03.2019, 13:54 Uhr

      Auch der Luftraum über einem Grundstück gehört dem Eigentümer. Soweit er diesen nutzen kann. Vielleicht gibt es noch ein paar Fesselballons aus dem 2 Weltkrieg.

    • Casinator 29.03.2019, 21:32 Uhr

      Der Luftraum ist Eigentum des Grundbesitzes. Wenn man da drüber möchte, muss man die Menschen enteignen. Dafür braucht man ein Gerichtsbeschluss und den bekommt man nicht so einfach. Bisher wurde das noch nicht versucht und die Stadt, die es zuerst wagt, muss trifftige Gründe vorlegen. Bislang gibt es aber nur gemogelte Zahlen und falsche Versprechen. Das wird nicht ausreichen und das wissen die Stadtplaner auch.

  • 1 Michael Guilleaume 29.03.2019, 10:05 Uhr

    In der Tat wäre eine Seilbahn für Wuppertal sehr sehr gut!

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    • Karl Napp 29.03.2019, 13:51 Uhr

      Gut schon. Aber nicht so, wie geplant. Busse dafür streichen, die in der Fläche die Fahrgäste verteilen? Wenn ich wandern will gehe ich in die Berge. Aus Bus, 20m fürs Umsteigen, Bus, ankommen wird Bus 150m, Treppe in den 3 Stock, Seilbahn, Treppe aus dem 3 Stock, 150m zum Bus, ankommen. Das ist mal Fortschritt für Leute mit Knie. Klar wird es Aufzüge geben, davor kann man dann warten, statt im Bus schon auf dem Weg zu sein. Wenn Seilbahn dann ordentlich, weiter bis Cronenberg, Solingen, Mungsten, Remscheid, Ronsdorf, Oberbarmen, Dönberg, Neviges, Katernberg.

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