Bädersterben in NRW: Allianz fordert Hilfe vom Bund

Bädersterben in NRW: Allianz fordert Hilfe vom Bund

Von Jörn Kießler

  • Immer weniger Schwimmbäder in NRW
  • Betrieb zu teuer für Kommunen
  • Allianz fordert Geld von Bundespolitik
  • Sportausschuss tagt in Berlin

Für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist die Situation klar: Immer weniger Kinder in Deutschland können sicher schwimmen, weil es immer weniger Schwimmbäder gibt, in denen sie es lernen können. Diese Botschaft ist mittlerweile auch in der Politik angekommen.

Am Mittwoch (15.01.2020) trifft sich der Sportausschuss des Bundestages in Berlin um über die Infrastruktur der Schwimmbäder und ihre Ausstattung mit Fachkräften zu sprechen. Glaubt man der DLRG, liegt dort vieles im Argen. Nach den Berechnungen des Verbandes wurden zwischen den Jahren 2000 und 2017 jedes Jahr 80 Bäder in Deutschland geschlossen.

1.050 Schwimmbäder in NRW

In NRW sieht es nach Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) sogar noch schlimmer aus. Mehr als ein Viertel der 1.402 Frei-, Hallen- und Naturbäder, die es im Jahr 2000 noch gab, existieren demnach mittlerweile nicht mehr. Trotzdem sind es mit 1.050 Bädern immer noch mehr als in jedem anderen Bundesland.

"Man muss diese Zahlen aber mit Vorsicht betrachten", sagt DGfdB-Geschäftsführer Christian Ochsenbauer. Denn die Daten reichten nicht für eine belastbare Schlussfolgerung. Dennoch fordert auch sein Verband im Rahmen der Bäderallianz die Bundes- und Landespolitik auf, sicherzustellen, dass es ausreichend Bäder gibt.

"Schwimm-Möglichkeiten sind Verantwortung der Kommunen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 15.01.2020 05:59 Min. Verfügbar bis 14.01.2021 WDR 5

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Die DLRG, die auch der Allianz angehört, ging sogar einen Schritt weiter und reichte bereits eine Petition gegen das "Bädersterben" beim Bundestag ein. "Ich gehe mit einem positiven Gefühl in die Anhörung des Sportausschusses", sagt DLRG-Pressesprecher Achim Wiese. "In den Köpfen vieler Politiker hat sich in den vergangenen Jahren etwas bewegt."

Schwimmbäder – Luxus oder Gemeingut?

WDR 5 Tagesgespräch 10.12.2019 45:06 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 WDR 5

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4,5 Milliarden Euro Soforthilfe

Nun hofft er darauf, dass die Bundespolitik die Kommunen dabei unterstützt, die vorhandenen Bäder zu sanieren und neue zu bauen. "Eigentlich bräuchten wir 4,5 Milliarden Euro Soforthilfe und in den kommenden zehn Jahren weitere 14 bis 15 Milliarden Euro für den Erhalt", sagt Wiese.

Viele Kommunen in NRW könnten dieses Geld gut gebrauchen. "Schon die letzten Fördermittel aus dem Programm 'Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur' wurden sehr gut nachgefragt", bestätigt eine Sprecherin des Städtetags NRW.

Von den 60 Schwimmbädern in NRW, die einen Antrag auf Förderung aus dem 110 Millionen Euro-Topf des Bundes gestellt hatten, wurden jedoch nur zehn berücksichtigt.

Fachkräftemangel bremst Schwimmbadbau

Doch Geld allein ist laut Ochsenbauer nicht die Lösung des Problems. Denn immer wieder müssen Schwimmbäder ihr Öffnungszeiten anpassen, vorübergehend geschlossen werden oder können einige Bereiche nicht öffnen, weil die Schwimmmeister für den sicheren Betrieb fehlen. "Der Fachkräftemangel hat auch die Schwimmbäder erreicht", erklärt der DGfdB-Geschäftsführer.

Und nicht nur in diesem Zusammenhang. "Selbst wenn eine Kommune das Geld für eine Sanierung oder einen Neubau hat, muss sie auch noch die entsprechenden Handwerksbetriebe finden, die die Kapazitäten haben, die Arbeiten zu realisieren", sagt Ochsenbauer.

Stand: 15.01.2020, 16:57

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