Ermittlungen wegen sexualisierter Gewalt an Kindern

Lokalzeit Bergisches Land 26.01.2022 28:20 Min. Verfügbar bis 26.01.2023 WDR Von Wolfram Lumpe

Missbrauchskomplex: Ermittlungen gegen mehr als 100 Personen

Stand: 27.01.2022, 15:32 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat Anklage gegen zwei Männer aus NRW erhoben, die mehreren Kindern sexualisierte Gewalt angetan haben sollen.Das jüngste sei zur Tatzeit gerade mal fünf Monate alt gewesen. Bundesweit werde gegen 100 weitere Personen ermittelt.

Von Wolfram Lumpe

Den beiden Männern wird sexualisierte Gewalt und der Austausch von kinderpornografischem Material vorgeworfen. Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft 27 Anklagepunkte zusammengetragen.

Bei einem Beschuldigten handelt es sich um einen 22-jährigen Studenten aus Wuppertal. Seine Taten stehen im Zusammenhang mit vier Kindern im Alter von fünf Monaten bis zwölf Jahren, die er in Minden begangen haben soll. Dem zweiten Beschuldigten, einem 44-jährigen Mann aus Wetter, wird sexualisierte Gewalt an einem einjährigen Jungen vorgeworfen.

Ermittlungen gegen mehr als 100 weitere Personen

Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert im Interview

Der Wuppertaler Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert

Die beiden Beschuldigten sollen auch ihre Missbrauchstaten gefilmt, fotografiert und mit anderen ausgetauscht haben. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt in diesem Zusammenhang bundesweit gegen mehr als 100 weitere Personen. Die Ermittler konnten bei Durchsuchungen bei den beiden Männern eine große Menge Datenträger finden. Darunter Digitalkameras, Spielekonsolen, USB-Sticks und Chatverläufe, deren Auswertung immer noch läuft. Auch die betroffenen Kinder habe man darüber identifizieren können. Die gesicherten Aufnahmen führten offenbar zu einem bundesweiten Tauschring von Kinderpornografie-Sammlern.

Missbrauchsvorwürfe: Ermittlungen gegen über 100 Verdächtige

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.01.2022 03:20 Min. Verfügbar bis 27.01.2023 WDR 5


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Schuldunfähigkeit steht im Raum

Die beiden Männer haben sich über eine Dating-App kennengelernt, so die Ermittler. Der 22-jährige Wuppertaler ist laut Staatsanwaltschaft wegen einer psychischen Erkrankung wahrscheinlich nicht schuldfähig. Der 44-jährige Mann aus Wetter steht bei einer Verurteilung vor einer langen Haftstrafe. Er verweigert bisher die Aussage. Der Mitbeschuldigte soll sich ausführlich zu den Vorwürfen geäußert haben.

Die Jugendschutzkammer des Landgerichts prüft derzeit die umfangreiche Anklage und soll bald entscheiden, ob es zum Prozess kommt. Der könnte dann im Frühjahr beginnen. Die beiden Männer aus Wuppertal und Wetter sitzen wegen dieser Vorwürfe seit letztem Sommer in Untersuchungshaft.

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