Rassismus in Deutschland: "Sprecht mit uns, nicht über uns"

Rassismus in Deutschland: "Sprecht mit uns, nicht über uns"

  • Rassismus ist auch in Deutschland allgegenwärtig
  • Forderung nach mehr Selbstkritik in der Gesellschaft
  • Projekt soll Zahlen zu strukturellem Rassismus sammeln

Am Samstag (06.06.2020) wollen Menschen in mehreren NRW-Städten gegen Rassismus auf die Straße gehen - unter anderem in Dortmund und in Köln. Es geht um Solidarität mit dem in den USA getöteten Afroamerikaner George Floyd - aber auch darum, auf Rassismus in Deutschland aufmerksam zu machen. Wie erleben Betroffene hierzulande die Geschehnisse in den USA, Alltagsrassismus in Deutschland und was wünschen sie sich von der Gesellschaft?

Zack Steffen, US-Nationaltorhüter und Keeper beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf

Düsseldorfs Torhüter Zack Steffen

Düsseldorfs Torhüter Zack Steffen

"Es geht nicht um politische Angelegenheiten, sondern um Menschenrechte. Es ist wirklich hart, tausende von Meilen entfernt von meinen Lieben zu sein. Ich wäre gerne bei ihnen, um sie und meine Schwarze Community zu unterstützen und rauszugehen und zu protestieren. Ich habe mit Kollegen und Freunden eine Plattform namens 'Voycenow' gegründet, auf der wir verschiedene Ethnien zusammenbringen, ganz egal, ob sie weiß oder Schwarz sind, Amerikaner oder international. Zusammen können wir diese Plattform nutzen, um den systematischen Rassismus in Amerika zu bekämpfen. Es tut mir weh zu sehen, wie Deutsche und Europäer jetzt Amerika betrachten. Ein Land, das eigentlich auf der Basis von Freiheit und gleichen Rechten für alle gegründet wurde."

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Josef Kolisang, E-Sports-Trainer, Mit-Organisator der #blacklivesmatter-Demo am Samstag in Köln

Josef Kolisang.

"Das Schlimmste für mich persönlich ist racial profiling, dass ich also nur wegen meines Aussehens häufig kontrolliert werde. Die meisten weißen Menschen wissen zu wenig über Rassismus. Sie glauben: Das gibt es nur bei Nazis. Dabei begegnet mir im Alltag ständig Rassismus, auch wenn das den Leuten oft gar nicht bewusst ist. Wenn ich das anspreche, wünsche ich mir, dass weiße Menschen nicht sofort verletzt reagieren, sondern zuhören, auch mal meine Perspektive einnehmen und vor allem nicht runterspielen, was ich ihnen über meine Erfahrungen mit Rassismus erzähle. Deswegen: Sucht das Gespräch mit People of Colour, berücksichtigt unsere Lebensrealität in der Politik und sprecht in den Medien nicht nur über uns, sondern mit uns!"

So erlebt ein Kölner Alltagsrassismus in Deutschland

WDR 2 03.06.2020 06:33 Min. Verfügbar bis 03.06.2021 WDR Online

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Farah Schäfer, Journalistin bei @maedelsabende

Farah Schäfer.

"Rassismus hat so viele Formen – mir begegnet am häufigsten sexualisierter Rassismus. Viele Leute denken, es sei ein Kompliment, Schwarze Frauen als exotisch zu bezeichnen oder Schwarze Männer zu fetischisieren. Aber auch das ist rassistisch. Es ist erstmal egal, ob Vorurteile positiv oder negativ sind. Sie tragen dazu bei, dass wir Menschen aufgrund ihres Äußeren in Schubladen stecken – und Kategorisierungen führen zum Beispiel zu Dingen wie racial profiling oder im Extremfall zu Polizeigewalt gegen Schwarze. Es ist einfach die Aufgabe jedes Menschen, sich mit den eigenen Vorurteilen selbstkritisch auseinanderzusetzen."

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Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland Bund e.V.

Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland Bund e.V.

"Auch in Deutschland ist das Verhältnis zwischen der Schwarzen Community und der Polizei belastet. So sind zum Beispiel willkürliche Kontrollen in Zügen, an Flughäfen und im öffentlichen Raum für Schwarze Menschen  an der Tagesordnung. Das ist ein Hinweis darauf, dass auch in Deutschland Polizei, Justiz und Behörden ein systemisches Problem mit Rassismus haben. Es werden allerdings keinerlei Zahlen dazu erhoben, was für Erfahrungen Schwarze Menschen hier machen - obwohl die EU Deutschland schon mehrfach dazu aufgefordert hat. Deswegen ist der Afrozensus, der gerade startet, so wichtig. Denn nur, wenn wir strukturelle Probleme sichtbar machen können, können wir sie auch angehen."

Stand: 03.06.2020, 19:46

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