Osterferien: Schulen gehen gegen Schwänzer vor

Osterferien: Schulen gehen gegen Schwänzer vor

Von Jörn Kießler

  • Zahl der Bußgelder für Ferienverlängerer gestiegen
  • Immer mehr Schulen melden Schulschwänzer
  • Bußgelder von bis zu 1.000 Euro möglich

Die Schulen in NRW haben den sogenannten Ferienverlängerern den Kampf angesagt. Immer häufiger melden sie den Bezirksregierungen, wenn Kinder vor und nach den Ferien die Schule schwänzen. Die Zahl der Bußgelder ist in den vergangenen drei Jahren um mehr als ein Drittel gestiegen.

Während 2016 noch 1.186 Bußgelder wegen Ferienverstößen verhängt wurden, waren es im vergangenen Jahr 1.646.

Bußgelder auch bei Fridays-for-Future-Demos?

Während die Schulen in NRW immer rigoroser gegen Ferienverlängerer vorgehen, müssen Schüler, die freitags auf den "Fridays-for-Future"-Demos für das Klima demonstrieren, bislang offenbar keine Konsequenzen fürchten. "Wir haben deswegen bisher keine Versäumnismeldungen bekommen und wir rechnen auch nicht damit", sagt eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf.

Auch in Münster, Detmold, und Arnsberg wurden bisher keine Bußgeldverfahren wegen der Klima-Demos eingeleitet. Bei der Bezirksregierung Köln kann man dazu keine Aussage treffen, da "keine themenbezogenen Statistiken" geführt werden, wie ein Sprecher erklärt.

Schule: "Die Wertschätzung hat zugenommen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.04.2019 05:41 Min. WDR 5

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Die Strafen waren durchaus spürbar: Bis zu 1.000 Euro mussten Familien zahlen, die ihre Kinder früher aus dem Unterricht genommen hatten. Damit dürfte sich der erhoffte Vorteil - billigere Flugtickets oder leere Autobahnen - ins Gegenteil verkehren.

Strengeres Vorgehen

Mit den Bußgeldern wollen die Behörden dem Trend des Ferienverlängerns entgegenwirken. "Die Schulen sind ausdrücklich angehalten, bei festgestellten unentschuldigten Fehlzeiten in den Ferienrandzeiten das Gespräch mit den Eltern zu suchen, Atteste einzufordern und falls diese nicht vorgelegt werden, konsequent Bußgeldverfahren einzuleiten", sagt Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung Arnsberg.

Dort stieg die Zahl der Verfahren von 406 im Jahr 2016 auf 678 im vergangenen Jahr. Und das, obwohl in Arnsberg ab dem ersten Fehltag 80 Euro pro Tag für jedes Kind und jedes Elternteil fällig sind. Einer Familie mit zwei Kindern kostet demnach jeder Fehltag 320 Euro.

Weniger Verfahren in Detmold

Ob die Kinder wirklich häufiger schwänzen oder die Schulen härter durchgreifen, lässt sich jedoch nicht sagen. Vermutlich ist eine restriktivere Praxis und verstärkte Aufmerksamkeit an den Schulen verantwortlich", sagt ein Sprecher der Bezirksregierung Detmold. Dort ist die Zahl der Bußgeldverfahren 2018 entgegen dem Trend wieder gesunken.

Höchstes Bußgeld in Münster

Die Bezirksregierung Köln erfasst die Ferienverstöße nicht gesondert. Die Zahl der Bußgeldverfahren gegen Schulschwänzer allgemein liegt seit ein paar Jahren konstant bei etwa 1.230. "Der Anteil der Ferienverlängerungen liegt geschätzt bei etwa 25 Prozent", sagt ein Sprecher. Für jeden Fehltag werden den Eltern 155 Euro pro Kind berechnet. Eine Familie mit zwei Kindern muss also 310 Euro pro Tag zahlen.

Am härtesten greift die Bezirksregierung Münster durch. Dort kostet jeder Fehltag 100 Euro pro Kind und Elternteil. Eine vierköpfige Familie muss so bereits nach drei Fehltagen den Höchstbetrag von 1.000 Euro bezahlen. "Mit dem hohen Bußgeld wollen wir den möglichen finanziellen Vorteil aufheben, den sich die Familien ausrechnen", erklärt ein Sprecher.

Trotzdem hat sich die Zahl der Verfahren von 42 im Jahr 2014 auf 149 im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht.

Stand: 12.04.2019, 06:30

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