Geld für Zeugnisnoten: Angemessene Belohnung?

Montage: Kind mit Zeugnis und Geldstücke

Geld für Zeugnisnoten: Angemessene Belohnung?

Von Andreas Sträter

  • Viele Schüler bekommen für gute Noten Geld
  • Warum ist das nicht unbedingt sinnvoll?
  • Auch eine Drei kann hart erarbeitet sein

Zur Diskussion über Geld als Belohnung für Zeugnisnoten

Für ein gutes Zeugnis bekommen viele Jugendliche nicht nur Lob und Anerkennung, sondern oft auch Geld – von ihren Eltern, aber auch von ihren Großeltern. Das hat eine nicht repräsentative WDR-Umfrage unter Eltern in Dortmund ergeben.

Doch ist das wirklich sinnvoll? "Wunschvorstellung der Psychologie ist es, dass Schüler aus eigener Motivation und aus Spaß an der Sache gute Leistungen erbringen", erläutert Alexandra Berglez, Schulpsychologin der Bezirksregierung Detmold.

Kleine Belohnungen zwischendurch

"Bei weniger motivierten Schüler ist Geld aber oft die einzige Chance, einen Anreiz zu schaffen", ergänzt sie. Somit könnten Belohnungen auch sinnvoll sein.

Vorteilhafter aber seien kleine Belohnungen zwischendurch – für erfolgreiche Zwischenschritte, so Bergelez. "Dabei geht es darum, den Lernprozess im Auge zu behalten und dann auch gegebenenfalls eine hart erarbeitete Drei zu würdigen."

Es geht nicht nur um materielle Anreize

Dass Schulnoten oft nicht nur von der Leistung, sondern auch von anderen Faktoren abhingen, merkt Cornelia Heinz, Schulpsychologin bei der Bezirksregierung Arnsberg, an.

Viel wichtiger sei daher eine Wertschätzung für gezeigte Anstrengungen, nicht nur für Noten: "Ein Lächeln, eine Umarmung oder ein authentisches 'Ich bin stolz auf Dich' wirkt in der Regel bei Kindern um ein Vielfaches mehr als jeder materielle Anreiz", ergänzt sie.

Anerkennung zum Schuljahresende

Zwei Hände halten einige Zeugnisse. Im Hintergrund ist ein nervös aussehender Junge im Klassenzimmer zu sehen.

Schwache Schüler sind nicht automatisch faul

Ähnlich sieht das Peter Silbernagel vom Philologenverband NRW. Er würde eine Belohnung nicht von einem bestimmten Notendurchschnitt abhängig machen, erläutert er. Trotzdem habe er "eine gewisse Sympathie dafür, dass man zum Ende des Schuljahres gemeinsam etwas unternimmt oder den Kindern etwas ermöglicht, auf das sie schon lange gespart haben."

Alternativen zum Geld für gute Noten seien etwa gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel ins Schwimmbad, in den Zoo oder in eine andere Stadt, sagt Schulpsychologin Bergelez.

Was tun bei schlechten Noten?

Doch es werden ja zum Schuljahresende nicht nur gute, sondern auch schlechte Noten verteilt. Wie sollten Eltern damit umgehen? "Bestrafungen sehe ich sehr kritisch", sagt Bergelez. "Bei schlechten Noten, die nicht aus Faulheit entstanden sind, braucht es Aufmunterung statt Strafe."

Hilfe finden Schüler aber auch anonym am Kinder- und Jugendtelefon der "Nummer gegen Kummer". Der Verein mit Sitz in Wuppertal bietet auch eine E-Mail-Beratung an.

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Stand: 13.07.2018, 06:00

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • gitta 13.07.2018, 10:49 Uhr

    Eine Gratifikation sozusagen für gute Noten finde ich angebracht. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft wo auch schon Kinder besonders in der Schule im harten Wettstreit um gute Noten stehen. Eine Belohnung mit Geld entspricht auch der gesellschaftlichen Realität, die die Kinder bei ihren Familien erleben. Diese erhalten für ihre Arbeit ja auch eine Geldleistung. Geld sollte aber keinesfalls die einzige Anerkennung der Anstrengungen sein und auch nicht im Vordergrund stehen. Die begleitende Aufmerksamkeit der Eltern während des gesamten Schuljahres mit aktiver Unterstützung und ehrlichem Lob sind für das Kind meines Erachtens viel wichtiger. Das Geld zum Zeugnis ist dann das Sahnehäubchen, welches natürlich gerne angenommen wird.

  • Höchstleister 13.07.2018, 10:17 Uhr

    Geld oder Belohnung gibt es für Leistung. Für eine hart erarbeitete 3 kann man sich nunmal nichts kaufen - so ist das!

  • Rheinländer 13.07.2018, 10:08 Uhr

    Warum kein Geld für gute Noten? Das ist eigentlich die perfekte Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Da gibt es auch nur Kohle für gute Leistung - außer man wird Politiker.

  • eine Interessierte 13.07.2018, 09:39 Uhr

    Mein Vater glaubte, er käme billig davon, weil er glaubte, meine Tochter habe die gleichen Schulnoten wie ich. Nun ist sie aber vielleicht schlauer, vielleicht hat sie mehr Glück mit den Lehrern, vielleicht ist die Schule eine bessere oder oder oder - jedenfalls muss der Opa ganz schön tief in die Tasche greifen. Klar gibt es 1000 Gründe Geld für die Zeugnisleistung zu geben und es gibt 1000 Gründe, die dagegen sprechen. Wichtig ist: Das Kind muss sich richtig gesehen fühlen.

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