WDR-Umfrage: Mobile Luftreiniger in Schulen bleiben die Ausnahme

WDR-Umfrage: Mobile Luftreiniger in Schulen bleiben die Ausnahme

Von Raphael Markert und Martina Koch

Zum Schulstart am 22. Februar setzen Schulen in NRW auf Lüften. Mobile Luftreiniger schaffen allerdings die wenigsten an, wie eine Umfrage des WDR-Magazins Westpol ergab.

An der Grundschule Krähenbüschken in Mülheim an der Ruhr stapelt Schulleiterin Birte Kellermann gerade die neuen Fleecedecken. Die Kinder sollen nicht frieren, wenn es nächsten Montag wieder losgeht. Grundschüler müssen im Unterricht keine Maske tragen, aber Stoßlüften ist in der Pandemie nötig. Mobile Luftreiniger hat die Schule aber nicht. Die Stadt wollte die bisher nicht anschaffen. Und ist damit nicht allein.

Das WDR-Magazin Westpol hat bei allen 396 Kommunen nachgefragt. Gut zwei Drittel (271) haben geantwortet. Demnach haben nur 77 Kommunen pandemiebedingt Luftfilter in ihren Schulen installiert. Weitere zehn Gemeinden planen es.

Wirkung umstritten

Viele Kommunen zögern, weil die mobilen Luftreiniger ohnehin nur in Kombination mit Lüften wirken würden. Auch der neue Leitfaden aus dem Bundesbildungsministerium zum Unterricht unter Pandemiebedingungen spricht sich weder dafür noch dagegen aus.

Doch manche Städte investieren. Nachdem Neukirchen-Vluyn schon in den Herbstferien alle städtischen Schulen mit mobilen Luftreinigern ausgerüstet hat, macht es nun auch Düsseldorf. 87 städtische Grundschulen werden bis März mit 4.000 Deckenluftreinigungsgeräten ausgerüstet, teilt ein Stadtsprecher mit.

Landesgelder nur zögerlich abgerufen

Im November hat das Land ein Förderprogramm mit 50 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Allerdings seien bis Mitte Januar nur 12,5 Millionen Euro abgerufen worden, so das zuständige Bauministerium.

In Gütersloh zum Beispiel werden an vier Schulen mobile Luftreinigungsgeräte getestet. Über eine Anschaffung hat die Stadt noch nicht entschieden. Denn Fördergeld vom Land gibt’s nur für Räume und Turnhallen, die nicht belüftet werden können.

Aber in Gütersloh können in nahezu allen Schulräumen die Fenster geöffnet werden. Die Förderrichtlinien seien „extrem eng“ gefasst, kritisiert Henning Mathes,  Beigeordneter für Schule der Stadt Gütersloh. Andere Kommunen sehen es ähnlich. „Hier würde es helfen, wenn das Land eine Förderung zur Ergänzung der Fensterlüftung möglich machen würde.“

Eltern in Sorge

Vater Nils Levien aus Hagen wollte im Herbst eigenständig für die Schule seines Sohnes Luftfiltergeräte anschaffen. Doch die Schule lehnte ab, weil die Geräte bisher nicht zertifiziert seien. „Corona hat auch keine Zulassung für Klassenräume“, so Levien. Er versteht ich nicht, warum man solche Sache nicht flexibler handhaben könne. Während viele Eltern sich auf den Unterricht freuen, überwiegt bei ihm die Sorge.

Stand: 14.02.2021, 13:10

Aktuelle TV-Sendungen