Schulministerin Gebauer: Nach Sommerferien wieder Regelbetrieb

Schulministerin Gebauer: Nach Sommerferien wieder Regelbetrieb

  • NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer im WDR-Livestream
  • 75 Millionen Euro für Sommerferienprogramm angekündigt
  • Rückblick und Ausblick zu Schulen in der Corona-Krise
  • Themen u.a.: Homeschooling und verlorener Schulstoff

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will "so schnell wie möglich" zum Präsenzunterricht zurückkehren. "Nach den Sommerferien wollen wir mit einem normalen Regelbetrieb starten", sagte sie am Freitag (12.06.2020) im Youtube-Livestream des WDR.

"Ist mein erstes Mal", sagte Gebauer über das Format, in das auch Fragen der Youtube-Nutzer aus dem Livechat eingebunden wurden.

Novum: Sommerferienprogramm für NRW-Schüler

Größte Neuigkeit: Die Landesregierung wird laut Gebauer 75 Millionen Euro für ein Sommerferienprogramm bereitstellen. Dieses solle nicht nur dabei helfen, verpassten Stoff nachzuholen, sondern auch dafür sorgen, dass die Schüler wieder ausreichend soziale Kontakte hätten - und zwar nicht nur digital.

Das Angebot richtet sich speziell an Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und an Kinder und Jugendliche aus armen Familien. Kosten soll es nichts. "Das ist ein absolutes Novum, was die Landesregierung jetzt hier auflegt für die Sommerferien", erklärte die Ministerin.

Gebauer: Öffnung der Schulen war richtig

Die fehlenden realen, sozialen Kontakte seien auch einer der Gründe dafür gewesen, dass die Schulen wieder geöffnet wurden. Außerdem könnten Lehrer im Homeschooling vielen Schülern nicht die Strukturen geben, die sie zum Lernen und für ihre persönliche Entwicklung bräuchten, so die Ministerin.

Schülerin: "Es war natürlich ein bisschen holprig"

"Dieses Schuljahr war mit Abstand das komischste und besonderste Schuljahr, das ich in meinem Leben je hatte", sagte eine Schülerin, die vor dem Livestream auf der Straße befragt wurde. Eine andere kommentierte das Homeschooling: "Es funktioniert irgendwie, aber es war natürlich ein bisschen holprig."

Das konnte Gebauer gut nachvollziehen. Alle Schüler und Lehrer, die sie in den vergangenen Tagen getroffen habe, seien "froh" darüber, dass die Schulen wieder öffnen.

Kritik: Grundschüler seien wie Versuchskaninchen

Es gibt aber auch Kritik - vor allem daran, dass ab Montag (15.06.2020) alle Grundschulen wieder öffnen, ohne dass gewährleistet werden könne, dass die Kinder ausreichend Abstand zueinander halten. Der Vorwurf an Gebauer: Die Schüler seien wie Versuchskaninchen.

Das wies die Ministerin entschieden zurück: "Das ist mitnichten der Fall." Die Infektionszahlen entwickelten sich gut - daher sei die Öffnung der Schulen richtig.

Warum die Abi-Prüfungen trotz Bedenken stattfanden

Rückblickend sei es gut gewesen, dass die Abschlussprüfungen nicht ausgefallen seien, ist sie überzeugt. Ansonsten wären die NRW-Abschlüsse in anderen Bundesländern womöglich nicht immer als gleichwertig betrachtet worden.

Gebauer lobte alle Schüler, die trotz der widrigen Bedingungen ihre Abschlussprüfungen ablegten: "Sie dürfen auf das, was sie erzielt und erreicht haben, sehr, sehr stolz sein."

Wie es weitergeht: Vieles noch unklar

Werden Prüfungen verschoben? Soll wieder Samstagsunterricht stattfinden? Wie es nun weitergeht, sei in vielerlei Hinsicht noch zu klären, so die Ministerin.

Sophie Halley per Videotelefon

Landesschülervertreterin Sophie Halley

Sophie Halley vom Vorstand der Landesschüler*innenvertretung, die live zugeschaltet wurde, nannte als dringendstes Problem für die kommenden Monate: "Definitiv, wie der Stoff nachgeholt werden soll."

Zwar sagte Gebauer dazu, dass nicht alles nachgeholt werden müsse. Trotzdem gibt es für Halley noch viele offene Fragen. Ein Problem zum Beispiel, auf das sie hinwies: der Lehrermangel, den es auch schon vor der Corona-Krise gab.

Leistungsfähiger Internetanschluss bis 2022

Gerade auch nach den Erfahrungen mit der Corona-Krise will die Schulministerin die Digitalisierung vorantreiben. Bis Ende 2022 sollen alle Schulen in NRW über einen leistungsfähigen Internetanschluss verfügen, sagte sie im live im Stream. Bisher habe das nur etwa ein Drittel der Schulen im Land.

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Stand: 12.06.2020, 20:12

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