Attacke gegen Synagoge: "Anschlag auf Demokratie"

Polizisten in einem Polizeifahrzeug stehen vor der Synagoge in Halle

Attacke gegen Synagoge: "Anschlag auf Demokratie"

  • Keine Polizei an Synagoge in Halle
  • Nur Glück verhinderte offenbar Massaker
  • Polizei steht nach Anschlag in der Kritik

Nach dem Anschlag eines schwer bewaffneten Mannes auf eine Synagoge in Halle (Saale) am Mittwochmittag (09.10.2019), gibt es Kritik an der fehlenden Polizeipräsenz. Obwohl an diesem Tag der Jom Kippur - also der höchste jüdische Feiertag - in der Synagoge begangen wurde, waren keine Beamten vor dem Gebäude. Bei der Attacke waren zwei Menschen getötet worden.

Reaktionen nach dem Anschlag von Halle

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 10.10.2019 03:47 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 WDR 5

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Lindholz: Polizei muss analysieren

"Auf jeden Fall muss die Polizei vor Ort eine Analyse machen, warum die Synagoge gestern nicht geschützt worden ist und ob ihre Lageeinschätzung richtig war", sagte Andrea Lindholz (CSU), Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, am Donnerstag (10.10.2019) im ZDF-Morgenmagazin.

Herrmann: "Höcke ist Brandstifter"

"Das eine sind diese schrecklichen Gewalttäter, vor denen wir uns schützen müssen - das andere sind auch die geistigen Brandstifter", sagte Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister, am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. "Da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen."

Namentlich nannte er den Thüringer AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke. "Höcke ist einer der geistigen Brandstifter, wenn es darum geht wieder mehr Antisemitismus in unserem Land zu verbreiten."

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Friedman: "Nicht zum Alltag zurückkehren"

"Wir müssen uns darüber bewusst werden, dass der Anschlag auf eine Synagoge ein Anschlag auf diese Demokratie ist", sagte Michael Friedman, Publizist und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.

Seine Analyse: "Wir müssen in den letzen Jahren ganz deutlich feststellen, dass die Spirale der Gewalt sich deutlich entwickelt hat und Judenhass und Menschenhass - und das ist eine neue Qualität - auch eine politische Heimat in der größten Oppositionspartei des Bundestages und in allen Landtagen hat." Diese Veränderung habe zu einer Enthemmung "mitten in der Gesellschaft" geführt.

"Zum Alltag können wir heute nicht mehr zurückkehren. Tun wir das, wird sich die Gewaltspirale ganz von alleine weiterentwickeln", so Friedman. Die AfD sei eine demokratiefeindliche "Partei der geistigen Brandstiftung".

Stand: 10.10.2019, 09:38

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