Krankenhäuser in roten Zahlen - Was sich ändern muss

Krankenhäuser in roten Zahlen - Was sich ändern muss

Auf den ersten Blick überrascht es: Ausgerechnet in diesen Pandemiezeiten geht es den Krankenhäusern wirtschaftlich schlecht. Auf den zweiten Blick wird klar, woran es liegt. In der Tat an Corona. Wie die finanzielle Lage der Kliniken verbessert werden könnte.

Den Krankenhäusern in Deutschland geht es wirtschaftlich so schlecht wie seit über 20 Jahren nicht - und das trotz der staatlichen Corona-Hilfen. Das jedenfalls zeigt das am Montag veröffentlichte Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI).

Demnach rechnen für dieses Jahr 60 Prozent der Krankenhäuser mit roten Zahlen – doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Hauptgrund ist offenbar die Corona-Pandemie. Viele planbare Operationen wurden abgesagt, um Betten für Covid-Patienten freizuhalten. Und: Viele Patientinnen und Patienten sind aus Angst vor einer Ansteckung nicht zum Arzt gegangen. Auch deswegen fehlten in der Folge Einnahmen in den Krankenhäuser

Kombination aus Grundfinanzierung und leistungsbezogene Finanzierung

Doch wie raus aus der finanziellen Misere? Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Boris Augurzky sagte dem WDR: "Krankenhäuser brauchen eine Grundfinanzierung und darüber hinaus dann eine leistungsbezogene Finanzierung."

So sieht es auch Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Der Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens sprach sich im WDR ebenfalls dafür aus, die Krankenhausfinanzierung auf den Kopf zu stellen und grundlegend zu reformieren.

Auch Strukturveränderungen in der Klinik-Landschaft nötig

Die Krankenhausfinanzierung sei in Deutschland ziemlich einzigartig, erklärte Gaß gegenüber dem WDR. Sie hänge zu 100 Prozent an jeder Patientenbehandlung. Und durch die Pandemie gebe es jetzt außergewöhnliche Situationen: Auf der einen Seite weniger Patienten, die stationär behandelt würden, auf der anderen Seite eine ganze Reihe Schwerkranker, die in den Kliniken einen hohen Aufwand verursachten.

Nötig sei eine Reform der Krankenhausfinanzierung, die "nicht nur die einzelne Leistung bewertet, sondern auch die Vorhaltung, die ein Krankenhaus leistet", so Gaß. Zugleich plädierte er für Strukturveränderungen in Deutschlands Klinik-Landschaft. Dazu gehörten etwa mehr ambulante Leistungen in den Krankenhäusern. Aber auch Fusionen benachbarter Kliniken könnten eine Lösung sein.

Länder müssen ihren Investitionsverpflichtungen nachkommen

In einem ersten Schritt müssten sich Bund und Länder auf ein gemeinsames Zielbild in den Krankenhaus-Strukturen verständigen, forderte Gaß. Er verwies darauf, dass die wirtschaftliche Lage in den Kliniken auch deshalb so "bedrohlich" sei, weil die Länder seit über zehn Jahren ihren Investitionsverpflichtungen nicht nachkämen. Dazu seien die Länder aber per Gesetz verpflichtet. Fakt sei, dass die Länder nur 50 Prozent der erforderlichen Mittel zahlten. "Auch das sorgt dafür, dass die Krankenhäuser immer mehr in dei Bredouille kommen", so Gaß.

Krankenhäuser: "Aktuelle Finanzierung funktioniert nicht"

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.12.2021 07:04 Min. Verfügbar bis 27.12.2022 WDR 5


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Stand: 27.12.2021, 19:43

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