Viele Juden in NRW schon länger verunsichert

Polizei mit Bezeichnung ,,Tatortgruppe'' am Abend in Halle

Viele Juden in NRW schon länger verunsichert

  • Zwei Tote nach Schüssen in Halle an der Saale
  • Auch Synagoge war Ziel des Angriffs
  • Polizei in NRW hat Schutz von Synagogen verstärkt

Nach den tödlichen Schüssen in Halle an der Saale am Mittwoch (09.10.2019) hat die Polizei in NRW ihre Kräfte vor Synagogen verstärkt. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte dem WDR, sein Ministerium habe angeordnet, alle jüdischen, herausragenden Gebäude rund um die Uhr zu bewachen.

Verunsicherung bei Juden in NRW

Verstärkt wurden die Sicherheitsmaßnahmen unter anderem an den Synagogen in Bielefeld, Bochum, Bonn, Dortmund, Essen, Köln, Minden, Münster, Unna und Wuppertal. Das sagten die jeweiligen Polizeidienststellen dem WDR.

Nach Angaben des Innenministeriums NRW gibt es keine pauschale Regelung für den Schutz von jüdischen Einrichtungen. Die Gefahreneinschätzung erfolge vor Ort. Schutzmaßnahmen reichten dann von einer regelmäßigen Bestreifung bis zur dauerhaften Bewachung durch Polizisten vor Ort.

Besucher der Kölner Synagoge zeigten sich am Abend nach dem Angriff gegenüber dem WDR betroffen. Man sei besorgt um Deutschland, da sich eine solche Tat wieder ereigne.

Polizeiwagen steht vor Synagoge in Köln

Die Synagoge in Köln wird jetzt stärker bewacht als sonst.

Viele Juden in NRW fühlen sich schon länger verunsichert. Ilia Egorov ist jüdischen Glaubens und wohnt in Bielefeld. Dem WDR schilderte er sein alltägliches Leben: "Zuerst sollte man keine Kippa in der Öffentlichkeit tragen, dann sollte man den Davidstern unter der Jacke verstecken. Wie weit das noch geht, weiß man nicht so richtig, man hat immer ein mulmiges Gefühl."

Solidaritätsbekundungen in vielen Städten

Protestierende mit einem Banner gegen Antisemitismus in der Hand

Demonstration gegen Antisemitismus in Dortmund

Um ihre Solidarität zu zeigen, gingen in Dortmund am Mittwochabend mehr als 100 Menschen auf die Straße. Sie zogen durch die Innenstadt zum Platz der Alten Synagoge. Auch in Wuppertal bekundeten etwa 70 Teilnehmer eines Gedenkmarsches ihre Anteilnahme. Sie legten Blumen vor der Alten Synagoge nieder.

In Köln hat das "Rheinländische antifaschistische Bündnis gegen Antisemitismus" für Donnerstagabend (10.10.2019) zu einer Kundgebung am Hauptbahnhof aufgerufen.

Auch die Landesregierung zeigt sich betroffen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und einige der Landesvorsitzenden der anderen Parteien haben sich am Donnerstagmorgen vor der Düsseldorfer Synagoge versammelt, um ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde auszudrücken.

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Gedenkminute beim Länderspiel in Dortmund

Schweigeminute beim Länderspiel in Dortmund

Beim Freundschaftsspiel Deutschland-Argentinien am Donnerstag (09.10.2019) in Dortmund wurde ebenfalls der Opfer in Halle an der Saale gedacht. Es gab eine Schweigeminute.

Was in Halle an der Saale geschah

  • In Halle an der Saale wurden am Mittwoch (02.10.2019) in der Mittagszeit zwei Menschen erschossen. Einen Toten gab es auf einer Straße in der Nähe der Synagoge, den anderen in einem Döner-Imbiss.
  • Außerdem wurden ein Mann und eine Frau durch Schüsse verletzt.
  • Bei dem Angriff legte der Täter auch Sprengsätze vor der Synagoge ab.
  • Nach Angaben der jüdischen Gemeinde zu Halle wollte der Täter die Türen zur Synagoge aufschießen. Wegen des höchsten jüdischen Feiertags, Jom Kippur, war sie mit 70 bis 80 Menschen gut besucht.
  • Auch in Landsberg nördlich von Halle wurden Schüsse abgegen.
  • Die Polizei meldete am Mittwochnachmittag eine Festnahme. Aus Sicherheitskreisen heißt es, der Festgenommene sei ein 27-jähriger deutscher Einzeltäter. Er heiße Stephan B. und stamme aus Sachsen-Anhalt.
  • Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Sie sieht die Tat rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert.
  • Der mutmaßliche Täter filmte seine Tat. Er übertrug den Anschlag auf der Plattform Twitch. Das Video wurde mittlerweile gesperrt.
  • Wie Fotos vom Tatort zeigen, hat das Tatfahrzeug ein Euskirchener Kennzeichen. Vermutlich ist es ein Mietwagen.

Auch Zentralrat der Muslime bekundet Mitleid

Schockiert zeigt sich auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit Sitz in Köln. "Meine Gedanken und Gebete sind bei euch, liebe Jüdinnen und Juden", schrieb der Vorsitzende Aiman Mazyek auf Twitter.

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96 antisemitische Straftaten in NRW

In NRW wurden nach Angaben der Landesregierung in der ersten Hälfte des laufenden Jahres 96 antisemitische Straftaten registriert. Bei 86 geht die Polizei von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Stand: 10.10.2019, 14:51

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