Sanktionen gegen Russland: Was bringen sie?

Stand: 27.02.2022, 16:51 Uhr

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine verhängt der Westen Sanktionen gegen Russland. Welche sind das und was bringen sie?

Von Katja Goebel

Russlands Präsident Wladimir Putin führt Krieg in der Ukraine und stellt damit den Westen gegen sich. Die Antwort sind unterschiedliche Sanktionen gegen Russland. Dass sie in Moskau bereits Wirkung gezeigt haben, davon ist NDR-Sicherheitsexperte Andreas Flocken überzeugt: Offenbar realisiere man im Kreml erst jetzt die Entschlossenheit des Westens und auch, welchen ökonomischen Schaden die Sanktionen anrichten können.

Drei der Sanktionen gegen Russland erklären wir hier:

Sanktionen beim Zahlungssystem Swift

Demonstranten halten Schilder hoch

Demonstranten beim Protest gegen Russland

Bei den Sanktionen gegen den Finanzsektor geht es darum, Banken von den westlichen EU-Finanzmärkten abzuschneiden. Sie sollen sich in der EU künftig kein Geld mehr ausleihen können. Auch russische Staatsunternehmen sollen keine Kredite mehr von Banken in der EU bekommen. Ihre Aktien sollen nicht mehr in der EU gehandelt werden.

Die Bundesregierung, die EU-Kommission, die USA und andere Länder haben beschlossen, mehrere russische Banken vom internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen. Das betrifft nach Angaben der Bundesregierung zunächst die russischen Banken, die bereits jetzt mit internationalen Sanktionen belegt sind. Warum eigentlich nur ein paar Banken und warum tut denen das so weh?

Porträt von Ulrich Ueckerseifer

WDR-Wirtschaftsjournalist Ulrich Ueckerseifer

Es solle vor allem erst einmal die Banken treffen, die im Außenhandel und nicht nur in Russland unterwegs sind, erklärt WDR-Wirtschaftsjournalist Uli Ueckerseifer. Außerdem hätten auch der Kreml, das Militär und einflussreiche russische Oligarchen ihre eigene Bank. "Man nimmt also erstmal die, von denen man sicher ist, dass man die Richtigen trifft." Würden daraufhin Kontoinhaber zu anderen Banken wechseln, könne man das auch nachverfolgen - dank Swift, das nicht das eigentliche Zahlungssystem, sondern ein Kommunikationssystem sei. "Je mehr Banken von Swift-Sanktionen betroffen sind, umso stärker wird der Handel zwischen Russland und der westlichen Welt verhindert."

Warum hat Deutschland zunächst gezögert? "Aus Angst, dass Russland den Export stoppen und uns den Gas- und Ölhahn abdrehen würde", sagt Ueckerseifer. "Wenn die Russen kein Öl mehr exportieren, wird der Ölpreis drastisch steigen, und wir könnten dadurch einen weltweiten Wirtschaftseinbruch kriegen. Es ist also vielmehr die Angst vor einer Gegensanktion."

Unklar sei, welche Umgehungsmöglichkeit Putin für diese Sanktionen hat. Russland könnte teils seinen Außenhandel über China abwickeln.

Sanktionen gegen russische Zentralbank

Russische Zentralbank

Russische Zentralbank in Moskau

Zudem soll es zusätzliche Sanktionen gegen die russische Zentralbank geben. Ziel ist es laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Putin zu erschweren, seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Der russischen Zentralbank solle die Möglichkeit genommen werden, ihre Guthaben international einzusetzen. Warum würde dieser Schritt besonders weh tun?

"Russland verdient viel Geld mit Rohstoffen. Damit hat Putin eine Art riesiges Festgeldkonto bei der Zentralbank in Form von Devisenreserven angehäuft - nämlich im Wert von über 600 Milliarden US-Dollar. Putin könnte Deutschland also den Gashahn abdrehen und erst mal eine ganze Zeit von den Devisenreserven leben - aber nur, wenn sie davon auch einkaufen können", sagt Ueckerseifer. Genau das solle durch diese Sanktion erschwert oder sogar ganz verhindert werden. Die Folge dieser Sanktion sei vermutlich auch, dass der Rubel dramatisch an Wert verlieren werde. "Und weil ein weiterer Börsencrash droht, wird die russische Börse morgen vermutlich gar nicht öffnen."

Sanktionen gegen russische Oligarchen

Russische Rubel

Privatgelder einfrieren?

Immer wieder ist die Rede von Sanktionen gegen Privatpersonen - reiche russische Oligarchen zum Beispiel, die ihr Geld aber im Ausland liegen haben. Was bringt es, denen die Konten einzufrieren? Ein Problem dabei: Viele dieser Bankkunden hätten ihre Konten nicht unter ihrem Klarnamen angelegt. "Dann müsste man wohl auch einen Familienbann aussprechen oder Konten sämtlicher Strohmänner sperren", so Ueckerseifer. Wäre es nicht einfacher, sein Geld längst aus der westlichen Welt hinaus in anderen Ländern zu haben? "Ja, allerdings setzt auch der Oligarch auf Länder mit stabilem Justizsystem - denn da ist das Geld sicher."

Putin sei am Ende natürlich stärker als die Oligarchen, aber dennoch könnten sie großen Druck auf ihn ausüben.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen