Sankt Martin und seine junge Fangemeinde

Junge Frau mit Laterne

Sankt Martin und seine junge Fangemeinde

Von Susanne Schnabel

  • Karnevalsbeginn und Sankt Martin eng verbunden
  • Viele junge Menschen sind fasziniert vom Brauchtum
  • Laternen spiegeln den Zeitgeist wider
René H.R. Bongartz

René H.R. Bongartz

"Ich bin in unserem Martinsverein mit 50 Jahren das älteste Mitglied. Das Fest ist nach wie vor beliebt in allen Generationen, ich sehe keine Nachwuchsprobleme", sagt René H.R. Bongartz, Brauchtumsexperte aus Brüggen am Niederrhein und mitverantwortlich dafür, dass das Martinsfest 2018 als immaterielles Kulturerbe von Nordrhein-Westfalen anerkannt wurde. "Das rheinische Martinsfest am 11. November hat eine fest verankerte und lange Tradition im Rheinland", so Bongartz.

Dass auch viele junge Menschen sich für dieses Fest begeistern liege vermutlich auch daran, dass es ein sehr herzliches Fest ist, bei dem es um Solidarität geht und das die Menschen verbindet.

Seit rund 150 Jahren gibt es die Martinstraditionen

Archivbild: Sankt Martin auf seinem Pferd in Kempen

Der Star des Abends: Sankt Martin

"Die Rheinische Martins-Tradition hat 1867 mit dem Umzug in Viersen-Dülken begonnen. Je nach Ortschaft haben sich unterschiedliche Bräuche entwickelt", erklärt Bongartz.

Aber fünf Elemente spielen immer eine Rolle: die Mantelteilung, der reitende Martin, gefolgt von dem Fackel- oder Laternenzug und das große Feuer an dem die Mantelszene gespielt wird. Zur großen Freude der Kleinen gibt es eine Tüte mit Naschereien und Obst, oft auch mit einem Weckmann gefüllt.

Karneval und Sankt Martin gehören zusammen

"Dass der Karnevalsauftakt auf Sankt Martin fällt ist kein Zufall", sagt René H.R. Bongartz. "Der 11. November war der Tag vor dem Adventsfasten. Diese Tradition ist heute in Vergessenheit geraten", so Bongartz. Die Menschen waren großzügig, denn es mussten ohnehin die übrigen Lebensmittel aufgebraucht werden, die man während der Fastenzeit nicht mehr essen durfte. Diese wurden zum Beispiel in Form von süßem Gebäck aufgebacken.

Bongartz: "Das wurde dann an die Kinder und Jugendlichen verteilt, wenn sie an den Türen singen kamen. Diesen Brauch gibt es heute noch."

Fackeln 2019: lustig, politisch und traditionell

Impressionen von der Fackelausstellung in Kempen

In Kempen am Niederrhein ist Sankt Martin so wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Wochenlang bereiten die Kempener das Fest vor. Im Mittelpunkt stehen die Fackeln, die die Kinder und Jugendlichen in stundenlanger Kleinarbeit basteln.

In Kempen am Niederrhein ist Sankt Martin so wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Wochenlang bereiten die Kempener das Fest vor. Im Mittelpunkt stehen die Fackeln, die die Kinder und Jugendlichen in stundenlanger Kleinarbeit basteln.

Im Rathaus werden die Fackeln ausgestellt, damit jeder die Gelegenheit hat, sich die Kunstwerke aus der Nähe anzuschauen.

"Das ist jedes Jahr ein großes Vergnügen", sagt diese Dame.

Die schönsten Fackeln werden prämiert.

"Der sieht mir ein bisschen ähnlich, oder?" sagt Peter Royen und lacht. Er ist Mitglied im Kempener Sankt-Martins-Verein und Mitglieder der Fackel-Jury. Royen ist froh über die Unterstützung von engagierten Jugendlichen: "Es ist Wahnsinn, was sie leisten. Ohne deren Hilfe ginge es gar nicht."

Die Rede ist von Madeleine, Kimberly, Sarah, Nina, Amelie und Lena. Die jungen Frauen besuchen die neunte Klasse der Gesamtschule Kempen und helfen ehrenamtlich mit beim Junior-Martinsverein.

Sie füllen zum Beispiel 4.500 Tüten mit Süßigkeiten, Obst und Getränken und kümmern sich darum, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Fackeln nach dem Abbau der Ausstellung heil zurück bekommen.

Nichts kaputt gegangen. Das wäre ein Alptraum, denn in den Fackeln stecken unzählige Stunden Arbeit.

Viele Familien heben die Laternen auf und dekorieren damit Haus und Garten. Es wäre zu schade, die schönen Werke nach Sankt Martin einfach in den Müll zu werfen.

"In der Motivwahl gibt es keine Beschränkung", sagt Madeleine. "Die Kunstlehrer lassen uns wirklich alle Freiheiten. Wir setzen Themen um, die uns das Jahr über beschäftigen."

In der Gesamtschule von Amelie demonstrieren die Schüler mit bei Fridays for Future. "Das Thema greifen wir in den Fackeln auf", so die Schülerin. "Wir wollen auf das Problem von Plastikmüll im Meer aufmerksam machen und haben Fische gebastelt", erklärt sie.

Auf dem Schulhof haben die Schüler Müll gesammelt und dann in die Netze gesteckt.

Manche haben beleuchtete Fisch-Hüte gebastelt – aufwendig geschmückt mit hunderten Pailletten und Stoffpompons.

Tiere sind immer ein schönes Thema für Fackeln.

Aber auch kleine Monster sind in Kempen herzlich willkommen. "Wir haben vor etwa 20 Jahren entschieden, dass die Kinder - vor allem die Jugendlichen - sich ihre Motive selber aussuchen können. Das war eine gute Entscheidung, denn seitdem machen gerade die Älteren wieder gerne mit", sagt Peter Royen.

Nach wie vor gibt es aber auch Fackeln im klassischen Design.

Am Montag (11.11.2019), wenn der große Sankt-Martins-Zug durch die historische Altstadt zieht, haben übrigens alle Kinder schulfrei. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, denn Regen tut den Fackeln gar nicht gut.

Die Geschichte von St. Martin Die Sendung mit dem Elefanten 12.06.2019 03:54 Min. Verfügbar bis 12.06.2024 KiKa Von Heinz, Lorenz, Martis

Stand: 08.11.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Atze 08.11.2019, 14:11 Uhr

    Mögen die Menschen und besonders die Kinder, noch lange Zeit Freude am Brauchtum des St.Martin haben. Die Lichtermeere mit vielen Laternen, ein St.Martin hoch zu Ross, freudige Kindergesichter, Blasmusik mit sehr alten Liedern. Dann noch einen Glühwein ( alkoholfrei), ein kalter Abend. Nette Menschen treffen, romantische Gefühle und Eindrücke erfassen mich, im Kopf geht die Reise weit in die Kindheit zurück und ich fühle mich wohl dabei. Lasst St. Martin weiterhin St.Martin sein und wehrt euch gegen Bezeichnungen wie Lichterfest, Fackelumzug oder ähnlichen Quatsch. Ich esse gerne eine Martinsgans, aber Lichtergänse kommen in meinem Speiseplan nicht vor.

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