Von Gripschen bis Stutenkerl - Martins-Bräuche in NRW

Sankt Martinszug

Von Gripschen bis Stutenkerl - Martins-Bräuche in NRW

  • Vielfältige Sankt-Martins-Bräuche in NRW
  • Wer war der Heilige Martin?
  • Die wichtigsten Fakten zum Brauchtum

Wer war Sankt Martin?

Martin von Tours ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Er lebte im vierten Jahrhundert. Als römischer Soldat traf er laut Legende auf einen frierenden Mann und teilte seinen Mantel mit ihm. Später wurde er Bischof. Der 11. November ist der Namenstag des Heiligen, rund um dieses Datum gibt es zahlreiche Bräuche. Der bekannteste sind die Martinszüge.

Seit wann gibt es Martinszüge im Rheinland?

Der früheste nachweisbare Umzug im Rheinland war 1867 in Dülken, heute ein Ortsteil von Viersen. Schnell breitete sich die Tradition aus, mit einem Martins-Darsteller hoch zu Ross rund um den 11. November durch die Straßen zu ziehen.

So bunt sind die Martins-Umzüge

Vielfältig sind die Bräuche rund um Sankt Martin. Was nicht fehlen darf, sind viele bunte Lichter.

Umzug zu St. Martin

Kinder und Erwachsene ziehen mit bunten Laternen durch die Straßen.

Kinder und Erwachsene ziehen mit bunten Laternen durch die Straßen.

Die Laternen sollen an die Lichterprozession erinnern, die die Beisetzung des Bischofs Martin von Tours begleitete. Auf seine Heiligenlegende geht die Martinstradition zurück.

Hoch zu Ross und in einem roten Mantel führen, wie hier in Köln, Martins-Darsteller die traditionellen Umzüge an.

Mit einem frierenden Bettler - so die Heiligenlegende - hat Martin seinen Mantel in christlicher Nächstenliebe geteilt.

An diese gute Tat erinnern die Martinsumzüge, deren Höhepunkt das Martinsfeuer ist.

Bereits seit vielen Jahrzehnten zieren die Laternen nicht nur christliche, sondern auch ganz weltliche Motive. Wie dieser bunte Regenschirm. Bei den Umzügen am Wochenende (10./11.11.2018) könnte es an vielen Orten in NRW nass werden. Dann sind echte Regenschirme gefragt.

Was bedeutet die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe?

Seit dem 25. Oktober 2018 ist die rheinische Martinstradition in die Liste des immateriellen NRW-Kulturerbes aufgenommen worden. Damit sind keine Fördergelder verbunden. Die Initiatoren hoffen jedoch, künftig mehr Unterstützung von Kommunen zu erhalten.

Warum sind die Umzüge heute oft kürzer?

Nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg (2010) und dem Terror-Anschlag in Berlin (2016) sind die Sicherheitsauflagen für die Umzüge gestiegen. Das führt unter anderem dazu, dass mehr Ehrenamtler den Zug absichern müssen. Teilweise werden deshalb die Zugwege verkürzt, umgeleitet oder abgesagt.

Welche kulinarischen Bräuche gibt es?

Das Essen einer Martinsgans ist ein Brauch, um den sich viele Legenden ranken. Mal wird erzählt, dass sich Martin in einem Gänsestall versteckt hatte. Der Grund: Er flüchtete vor dem Bischofsamt, weil er sich dessen unwürdig fühlte. Andere Quellen erzählen von schnatternden Gänsen, die in eine Kirche kamen und eine Predigt von Martin störten.

Beim Martinssingen ziehen Kinder mit ihren Laternen von Tür zu Tür und bitten um Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt im Rheinland Schnörzen, Gripschen oder Dotzen, im Bergischen Land Mätensingen.

Und es gibt Martinsfiguren in Form von süßem Hefegebäck. Weckmänner heißen sie im Rheinland, Stutenkerl in Westfalen.

Feiern auch Protestanten einen Martinstag?

Der Reformator Martin Luther hatte am 10. November Geburtstag. Darum ziehen fast zur gleichen Zeit in evangelischen Regionen ebenfalls Kinder mit Laternen singend von Tür zur Tür.

Warum heißen die Umzüge manchmal Laternenfest?

Das Argument einiger Schulen und Kindergärten: Man wolle die Tradition auch für Menschen anderen Glaubens und für Konfessionslose öffnen. Allerdings hat etwa der Zentralrat der Muslime betont, das Leben des Heiligen Martin sei auch für Muslime vorbildlich.

Stand: 10.11.2018, 17:12

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