Weihnachten ohne Geschenke?

Die Samstagskolumne: Elizabeth Shoo

KOLUMNE

Weihnachten ohne Geschenke?

Von Liz Shoo

Weihnachtsgeschenke kaufen kann stressig sein. Lieferengpässe machen die Sache sogar noch komplizierter. Eine Gelegenheit, einfach mal auf klassische Geschenke zu verzichten, findet Liz Shoo.

Ich halte mich für einen ziemlich belastbaren Menschen. Aber die Frage: "Was wünschst du dir zu Weihnachten?" setzt mich immer unter Stress. Da meine  Eltern in Tansania leben, habe ich in den letzten zehn Jahren Weihnachten fast immer hier in Deutschland bei meinen Schwiegereltern gefeiert. Jedes Jahr bedeutete das einen Geschenkeberg im Wert von mehreren hundert Euro.  

Bücher, Reisegutscheine, eine Uhr und ein neuer Wintermantel - über all das habe ich mich zwar sehr gefreut. Aber muss an Heiligabend der Konsum so stark im Vordergrund stehen?  

Geschenke unterm Weihnachtsbaum

Geschenkeberg unterm Weihnachtsbaum

Viel zu oft war ich mir schon beim Auspacken eines Geschenks sicher: Das wird umgetauscht, weiter verschenkt oder im Keller deponiert! Wozu also dieser ganze Überfluss?

Ausverkaufte Waren durch Lieferengpässe

Von Jahr zu Jahr investieren wir immer mehr in Weihnachtsgeschenke. Das zeigt auch der sogenannte "VerhaltensRadar" der Essener Hochschule für Ökonomie und Management (FOM). Dieser Studie zufolge hat jeder von uns im vergangenen Jahr im Schnitt rund 500 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben. Dieses Jahr sollen es sogar 522 Euro werden - weil wir es nach fast zwei Jahren der Corona-Einschränkungen endlich mal wieder richtig krachen lassen wollen.

Das könnte in diesem Jahr aber schwierig werden - wegen globaler Lieferengpässe im Online- und Einzelhandel. Die machen sich vor allem bei den Weihnachtsgeschenke-Klassikern bemerkbar: Spielzeuge, Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik oder auch Möbel, Fahrräder und Autos könnten knapp werden.

Grund für diese Knappheit ist - Sie ahnen es schon - das Corona-Virus. Während wir Verbraucher unseren Konsum nach den ersten großen Pandemie-Wellen zügig wieder hochgefahren haben, kam die Produktion nicht so schnell hinterher. Einige Fabriken in Ländern wie beispielsweise Vietnam stehen wegen Corona-Ausbrüchen nach wie vor noch still. Container-Häfen ebenfalls. Und in China, der Werkbank der Welt, lähmt jetzt auch noch der Strommangel die Herstellung bestimmter Exportgüter.

Ein sehr prominentes Beispiel für weltweite Lieferengpässe ist der bereits Monate andauernde Mangel an Microchips. Und der führt eben nicht nur zum Stocken der Autoproduktion, sondern auch zu einer reduzierten Menge der neusten iPhones oder Playstations auf dem Markt.

Wenig verwunderlich also, dass so mancher Händler bereits warnt: Wer ganz bestimmte Produkte verschenken möchte, der möge sie am besten schon JETZT kaufen.

"Dabei wären die Lieferengpässe doch eine tolle Gelegenheit, unser Konsumverhalten an Weihnachten mal zu überdenken, oder nicht?" Liz Shoo

Konsumschlacht am Black Friday

Ich jedenfalls tue das. Zugegebenermaßen brauche ich dafür einen eisernen Willen. Denn spätestens in der kommenden Woche werde ich auf eine harte Probe gestellt. Stichwort: Black Friday. Das amerikanische Hochfest des Konsums hat es längst zu uns nach Deutschland geschafft und ist einer der umsatzstärksten Tage für den Handel hierzulande. Doch mit dem Black Friday ist es nicht getan. Viele Geschäfte machen eine ganze Black Week daraus. Und auch dann ist noch nicht Schluss. Denn am Montag danach winken weitere Rabattaktionen - beim Cyber Monday, dem Deal-Tag für Elektronik.

Aber: Nicht mit mir! Ich werde diesmal all diesen Lockungen standhalten. Mein Appell geht sogar in die entgegengesetzte Richtung: Lassen Sie uns dieses Jahr weniger Geld ausgeben und dafür lieber mehr Zeit investieren in die Menschen, die wir gern' haben!

Es gibt genug Alternativen

Statt gestresst durch die übervollen Innenstädte zu laufen und dem erstbesten Lockangebot zu verfallen, könnten Sie auch einfach mal zu Hause kreativ sein: Basteln Sie für Oma und Opa einen Kalender mit Fotos der Enkelkinder. Ihr Partner freut sich vielleicht über selbstgemachte Pralinen, ihre Mädels über ein selbstgemischtes Body-Peeling. Was bestimmt auch gut ankommt: Ein handgeschriebener Brief, in dem sie dem Empfänger sagen, warum er eine ganz besondere Person in Ihrem Leben ist.

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Support your locals

Und wenn das alles nichts für Sie ist, dann gibt es immer noch nachhaltigere Geschenke, als die vom Online-Händler oder aus der Kaufhaus-Kette: Was halten Sie z.B. von Produkten aus Ihrer Region? Beim Imker um die Ecke kann man immer noch das leckerste Glas Honig kaufen. Oder Sie unterstützen den Gastwirt in ihrem Veedel, der durch Corona schwer gebeutelt ist. Er wird es Ihnen sicher danken, wenn Sie den Liebsten einen Gutschein für ein besonderes Abendessen dort schenken.

Zeit: Das kostbarste Geschenk

Aber ganz egal, ob und was wir schenken: Das Kostbarste ist und bleibt die Zeit, die wir miteinander verbringen. Deshalb sollten wir uns den Kopf auch weniger mit der Frage "Ja was wünsch ich mir denn?" zerbrechen und uns lieber gemütlich aufs Sofa setzen und darüber nachdenken, was wir schon alles haben. Wofür wir dankbar sind. Welche Wünsche wir für unsere Beziehungen haben. Und mit wem wir in Zukunft mehr Zeit verbringen wollen.

Und falls Sie sich fragen: Wie macht es denn Liz Shoo in diesem Jahr? Ich feiere Weihnachten bei meinen Eltern in Tansania - und wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns gegenseitig nichts schenken. Bis auf eine Sache: Ein gemeinsames Fotoshooting.

Wie machen Sie das mit den Weihnachtsgeschenken in diesem Jahr? Kaufen oder doch lieber selber basteln? Merken Sie beim Weihnachtsshopping schon was von den Lieferengpässen? Und sind Sie auch genervt von der Konsumschlacht vor Weihnachten? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare.

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Stand: 20.11.2021, 06:00

Kommentare zum Thema

18 Kommentare

  • 18 Mawi 21.11.2021, 10:33 Uhr

    Aus Liebe und Zuneigung kann man sich dann etwas schenken, wenn es einem danach ist, an jedem Tag des Jahres. Dazu braucht es keinen vorweihnachtlichen Konsumwahnsinn. Das gilt im Übrigen aber auch für andere konsumgetriggerte Anlässe wie zum Beispiel den Valentinstag. Jeder muss es letztlich mit sich selbst ausmachen. Schön wäre jedoch, wenn mehr Menschen so viel Rückgrat hätten, sich vom Mainstream abzuheben.

  • 17 Alina 21.11.2021, 06:24 Uhr

    Es wird Zeit auch Mal die andere Seite der Medaille zu betrachten: anderen etwas schenken zu können, ist ein Privileg. Wer sagt, das man Konzerttickets für 300€ schenken muss, um anderen zu zeigen: ich habe mir Gedanken gemacht, was dir Freude bereiten könnte Es ist doch die Geste, die zählt. Grade im heutigen schnellem alltag kommt das miteinander oft zu kurz, und richtig, Weihnachten soll eine Zeit der Besinnung sein: man besinnt sich auf seine Freunde und Familie, das was wichtig ist und ich dir meinen Teil drücke das gerne damit aus, das ich mir Gedanken mache. Ich lade alle zu mir ein, mache mir Gedanken was für Kuchen sie gerne essen und über welche Kleinigkeiten sie sich freuen würden oder was ihnen den Alltag erleichtert, sie zum Lachen bringt. Das alles kann sich nicht jeder leisten! Deswegen ist es ein Privileg, anderen Geschenke machen zu können, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wovon man die nächste Woche essen für seine Kinder kaufen soll

  • 16 Petra 20.11.2021, 23:07 Uhr

    Weihnachten ist jedes Jahr, dann lässt man es es dieses Jahr heit einfach mal ohne oder mit wennigeren Geschenken. Ich sehe das ganze Tiefen entspannt. Davon abgesehen, hey ich habe alles was ich zum Leben brauche, ein Pferd, eine yacht und ein schwarzgeldkonto auf den Bahamas. Der Rest ist reiner Luxus. (Scherz) ;0) Lasst euch nicht die gute Laune verderben und seit nett zueinander, das brauchen wir alle. Mit herzlichen Gruß Petra

    Antworten (1)
    • Maranatha 21.11.2021, 14:43 Uhr

      vllt. sollte jeder einmal über den wahren Sinn von Weihnachten und vor allem auch Ostern nachdenken...

  • 15 Thomas 20.11.2021, 19:44 Uhr

    Toller Beitrag! Mir ist seit vielen Jahren es schon zu wider, dass Weihnachten zum Konsumgeschäft wurde. Eigentlich ist Weihnachten ein Fest der Besinnung und nicht des Konsums. Wie Liz schon schreibt in vielen "nichtwestlichen" findet das Fest ganz anders statt. Nur hier wird vorgegaukelt, man müsse kaufen und schenken. Gerade jetzt, sollten wir uns zurück nehmen, zumal man an 364 anderen Tagen im Jahr ja auch was schenken kann...am besten mal ein Lächeln schenken, nach dem Motto weniger ist mehr. Wünsche allen eine entspannte, konsumfreie Advent- und Weihnachtszeit (lasst euch nicht verleiten, Leute)

  • 14 Thomas 20.11.2021, 19:39 Uhr

    Toller Beitrag! Mir ist seit vielen Jahren es schon zu wider, dass Weihnachten zum Konsumgeschäft wurde. Eigentlich ist Weihnachten ein Fest der Besinnung und des Konsums. Wie Liz Show schon schreibt in vielen "nichtwestlichen" findet das Fest ganz anders statt. Nur hier wird vorgegaukelt, man müsse kaufen und schenken. Gerade jetzt, sollten wir uns zurück nehmen, zumal man an 364 anderen Tagen im Jahr ja auch was schenken kann...am besten mal ein Lächeln schenken, nach dem Motto weniger ist mehr. Wünsche allen eine entspannte, konsumfreie Advent- und Weihnachtszeit (lasst euch nicht verleiten, Leute)

  • 13 Ulrich 20.11.2021, 19:23 Uhr

    Warum werden meine Kommentare nicht veröffentlicht?

  • 12 Ulrich 20.11.2021, 19:10 Uhr

    Hallo Alle, meine Frau und ich üben kein Konsumverzicht aus, aber wir uns auch dieses Jahr nichts. Wir schenken uns seit 20 Jahren nichts mehr. Ich weiss nicht genau wie ich es ausdrücken kann, ohne hier gleich angefeindet zu werden. Wir fühlen uns in der privilegierten Lage, uns jederzeit das kaufen zu können was jeder von gerne haben möchte. Wir geben viel Geld für gutes Essen aus. Wenn mein Parfüm im Sommer zur neige geht oder im Sommer erscheint Buch welches ich gerne lesen möchte. Warum soll ich bis Weihnachten warten. Viele Grüße Der Feldmarker

  • 11 Der Feldmarker 20.11.2021, 19:07 Uhr

    Hallo Alle, meine Frau und ich üben kein Konsumverzicht aus, aber wir uns auch dieses Jahr nichts. Wir schenken uns seit 20 Jahren nichts mehr. Ich weiss nicht genau wie ich es ausdrücken kann, ohne hier gleich angefeindet zu werden. Wir fühlen uns in der privilegierten Lage, uns jederzeit das kaufen zu können was jeder von gerne haben möchte. Wir geben viel Geld für gutes Essen aus. Wenn mein Parfüm im Sommer zur neige geht oder im Sommer erscheint Buch welches ich gerne lesen möchte. Warum soll ich bis Weihnachten warten. Viele Grüße Der Feldmarker

  • 10 Der Feldmarker 20.11.2021, 19:07 Uhr

    Hallo Alle, meine Frau und ich üben kein Konsumverzicht aus, aber wir uns auch dieses Jahr nichts. Wir schenken uns seit 20 Jahren nichts mehr. Ich weiss nicht genau wie ich es ausdrücken kann, ohne hier gleich angefeindet zu werden. Wir fühlen uns in der privilegierten Lage, uns jederzeit das kaufen zu können was jeder von gerne haben möchte. Wir geben viel Geld für gutes Essen aus. Wenn mein Parfüm im Sommer zur neige geht oder im Sommer erscheint Buch welches ich gerne lesen möchte. Warum soll ich bis Weihnachten warten. Viele Grüße Der Feldmarker

  • 9 Dana 20.11.2021, 18:53 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 8 Peter 20.11.2021, 16:23 Uhr

    Wieso Weihnachten ohne Geschenke? Ich empfinde es als ein Geschenk, Weihnachten mit mir lieben Menschen zu erleben - denn materielle Werte bleiben selten in der Erinnerung. Wo hingegen gemeinsam Erlebtes noch nach Jahrzehnten ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und wenn ich mir die aktuellen Zahlen der Corona - Infizierten anschaue, frage ich mich, wie Weihnachten in diesem Jahr sein kann/wird ? ? ?

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