Corona-Kurve steil, Lern-Kurve flach

Die Samstagskolumne: Carolyn Wißing

KOLUMNE

Corona-Kurve steil, Lern-Kurve flach

Von Caro Wißing

Die Bund-Länder-Beschlüsse kommen zu spät und zeugen nicht von Weitsicht, sagt Caro Wißing. In der vierten Welle werden immer noch die gleichen Fehler gemacht.

Für einen kurzen Moment durchzuckt es mich. Das Gefühl, diese Situation schon einmal genau so erlebt zu haben, in einer Zeitschleife festzuhängen - ein Déjà-vu. Meist ist das nur ein Hirngespinst. Eine falsche Erinnerung. Aber ist es das gerade? Ich lese die Schlagzeile: "Appell von Spahn und Wieler: 'Lage so ernst wie nie'". Würfelt mein Gehirn da willkürlich Namen, Begriffe und Erfahrungen aus fast zwei Jahren Pandemie zusammen? Kurzer Check: Nein! Wortgleich ein Jahr zuvor.

Screenshot von 2 Tagesschau Meldungen

Nicht das einzige Beispiel. Mit jeder Corona-Welle wiederholen sich die Warnungen, Appelle und die immer gleichen Fragen: Was nun? Wie lässt sich die Welle brechen? Lassen Sie uns doch ein Ratespiel draus machen. Ich zeige Ihnen Schlagzeilen und sie erraten, um welche Corona-Welle es geht. Wie zum Beispiel:

Schlagzeile 1: "Diskussion um Corona-Maßnahmen: Leopoldina fordert deutliche Verschärfung"

"Die Inzidenzen schießen immer erst durch die Decke, die Intensivstationen laufen voll, es ist erst fünf vor Zwölf, fünf nach Zwölf und dann erst entschließen sich Bund und Länder zu neuen oder schärferen Maßnahmen." Caro Wißing

Jetzt machen Clubs und Bars zu, es gibt flächendeckend 2G, ein Feuerwerksverbot und Auflagen für Großveranstaltungen - ist ja nicht so, dass sich die Politik das jetzt erst ausdenken musste. Das lag alles schon im viel beschriebenen Instrumentenkasten, wurde aber nicht rausgeholt.

"Wir müssen vor der Lage bleiben", betont NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gern. Das passiert nur nie. Bereits im Juni hat der NRW-Expertenrat Corona - ein Gremium aus hochrangingen Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Medizin, Ethik, Recht, Psychologie usw. - der Landesregierung empfohlen, sich auf eine neue starke Welle im Herbst/Winter gezielt vorzubereiten. Im Expertenrat sitzt auch Virologe Hendrik Streeck. "Wir haben davor gewarnt, dass auch bestimmte Vorkehrungen getroffen werden müssen. Das ist leider nicht befolgt worden", sagt er.

Auch die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, die die Politik berät, hat schon vor Wochen mal wieder schärfere Maßnahmen gefordert. Natürlich ist es schwer, in Zeiten noch niedriger Fallzahlen harte Eingriffe zu rechtfertigen. Aber es gilt nun mal: "Je schneller und je zügiger man diese Infektionsketten entschieden stoppt, desto schneller kann man dann auch wieder aufmachen", erklärt Physikerin Viola Priesemann die einfache Logik dahinter.

Schlagzeile 2: "Ansturm auf Hausarztpraxen: Gibt es genug Impfstoff?"

Die Pandemie-Kommunikation war bisher von Versprechungen und "Ausschließeritis" geprägt. Lockdowns werde es nicht mehr geben, eine Impfpflicht sowieso niemals. Und was haben wir jetzt? Einen Lockdown für Ungeimpfte und bald im Bundestag eine Abstimmung über die Impfpflicht. Zusagen wie Merkels "Wir können bis Ende des Sommers jedem ein Impfangebot machen" sind gewagt und können nicht immer eingehalten werden.

Nach aktuellem Bund-Länder-Beschluss sollen bis Weihnachten 30 Millionen Impfungen ermöglicht werden (gerechnet ab 18.11.). Das sind noch rund eine Million Impfungen am Tag. Ein Hausarzt, mit dem ich diese Tage gesprochen habe, fragt: "Wie soll das gehen?" Impfstoff sei gerade nicht in den Mengen lieferbar, wie er nachgefragt ist. Außerdem fehle es teilweise an Personal und Kapazitäten.

Reumütig muss dann immer wieder zurückgerudert werden. Es wird sich entschuldigt. Man habe die aktuelle Lage ja nicht vorausahnen können. Aber dann sollten die Politikerinnen und Politiker auch nicht so tun, als wäre das anders, als hätten ihre Aussagen ewige Gültigkeit. Kleine Einschränkungen wie "zurzeit" oder "nach jetzigem Stand" würden helfen. Sonst bleibt bald nicht mehr viel übrig von der Glaubwürdigkeit.

Schlagzeile 3: "Vorerst wohl letztes Spiel in vollem Stadion"

Ja, als in der ersten Welle die Fußball-Bundesligaspiele erstmals vor leeren Rängen stattfinden mussten, gab es noch keine Impfungen, kein 2G-Konzept. Und ja, in den Stadien ist es zugig. Aerosole halten sich dort weniger lange als in stickigen Konzertsälen. Aber warum werden auf der einen Seite Weihnachtsmärkte teilweise abgesagt, freiwillige Kontaktbeschränkungen gefordert, während es immer noch ok ist, dass am Wochenende tausende Fans quer durch die Republik fahren, um sich im Stadion Anfeuerungsrufe entgegenzubrüllen?

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Nur wenige Wochen nachdem das ganze Land mit fragendem Blick auf das Karneval feiernde Rheinland geschaut hat, lässt die Stadt Köln das Derby Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln im randvollen Stadion zu. Und stellt danach fest: War keine so gute Idee. Jetzt hat die Ministerpräsidentenkonferenz eine Grenze von maximal 50 Prozent Stadionauslastung festgelegt. In Ländern mit einem hohen Infektionsgeschehen müssen Sportveranstaltungen "nach Möglichkeit" ohne Publikum stattfinden. Sachsen macht schon Geisterspiele. In NRW - wo ein Drittel der Erstligaclubs sitzt - dürfen die Stadien nur bis 30 Prozent gefüllt sein. Trotzdem werden weiter tausende Fans erst in Bussen und Bahnen anreisen und dann auf den Tribünen sitzen.

Schlagzeile 4: "Kindermediziner gegen neue Schulschließungen"

Machen wir uns nichts vor. Es werden auch noch Welle fünf und sechs kommen. Die Politik muss endlich aus den vergangenen Monaten lernen und anfangen zu agieren, statt immer nur zu reagieren. Es braucht einen Plan mit Weitsicht, feste Wenn-Dann-Regelungen und eine klare Kommunikation darüber.

Eines aber scheint die Politik verstanden zu haben: Bestimmte gesellschaftliche Gruppen müssen geschützt, aber dürfen nicht mehr isoliert werden. Das Wort "Schulschließungen" haben Wüst, Merkel und Co. nicht einmal in den Mund genommen bei ihrer Pressekonferenz zu den Bund-Länder-Beratungen. In Alten- und Pflegeheimen genauso wie in Krankenhäusern bleibt Besuch - unter Auflagen - weiter erlaubt. Daran wird nicht gerüttelt. Zumindest vorerst.

Haben Sie auch ein Pandemie-Déjà-vu? Erzählen Sie mir davon! Oder sind Sie der Meinung, dass die Politik angesichts der dynamischen Lage nur auf Sicht fahren kann? Lassen Sie uns gern diskutieren hier in den Kommentaren oder auf Social Media.

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Stand: 04.12.2021, 06:00

Kommentare zum Thema

23 Kommentare

  • 23 Michael 04.12.2021, 20:45 Uhr

    Als Ergänzung wie sich so ein Virus weiter verbreitet schlage ich diese Doku vor: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/spanische-grippe-das-geheimnis-des-killer-virus-102.html

    Antworten (2)
    • Stephan R. 05.12.2021, 10:47 Uhr

      Kenne diese Doku - habe sie bereits vor Corona gesehen. Erschreckend, wie alle Virologen o.ä. im Beitrag erklären (wohlgemerkt VOR Corona), dass die nächste Pandemie kommen wird - und das die Welt NICHT vorbereitet ist. Wie dumm sind wir eigentlich - zuhören ? lieber nicht ...

    • Michael 05.12.2021, 20:41 Uhr

      @Stephan R. Ich hab die vor ein paar Tagen gesehen aber am Ende der Blick in die Zukunft und das Erscheinungsdatum nur ein paar Monate vor Corona passt perfekt. Lehren daraus ziehen? Nee, bloß alles klein reden, "es gibt keine 2te Welle" damit die Bürger und die Wirtschaft nicht in Panik geraten. Hinterher wird man zwar zum Lügner, aber das ist wohl so "normal" wie Missbrauchsfälle in der hauptsächlich katholischen Kirche. Nur kann man leider nicht als Bürger austreten, außer man verlässt das Land

  • 22 Michael 04.12.2021, 16:44 Uhr

    Wenn wir so weiter machen haben wir auch noch in 20 Jahren Corona. Und die Impfungen trügen. Sie mildern zwar, schützen aber nicht vorm bekommen und weitergeben des Virus. Und auch die Kosten für alle 6 Monate impfen. Dagegen helfen nur Kontaktbeschränkungen. 2 Wochen Lockdown (Hausarrest) für nahezu alle. Nur Strom-, Wasserversorgung u. ä. dürfen noch soweit arbeiten um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Mit 2 Wochen Vorlaufzeit machen auch Lebensmittel Läden zu. Wer zu wenig gebunkert hat, kriegt Nahrung kostenpflichtig von einem Notdienst in den Hausflur gestellt um nicht zu verhungern wie jetzt die Ungeimpften vom Dorf wo es keine Teststation gibt um mit dem Bus fahren zu dürfen. Kinder bleiben samt Eltern zu Hause und werden von denen betreut. Wenn alle mitmachen stirbt der Virus aus, denn er kann sich nicht mehr ausbreiten. Aber so lange es zu viel Party Leute gibt die noch nicht im Krankenhaus oder Sarg liegen werden wir Corona nie los. Auch mit Impfung kann man sterben.

    Antworten (2)
    • Ylander 04.12.2021, 19:45 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

    • State Trooper 10.12.2021, 10:15 Uhr

      Der Virus stirbt aus, wenn man so eine Art von Lockdown verordnet? Aha. Funktioniert das auch bei der Influenza und generell allen Viruserkrankungen? Dann hätten wir ja mal ein echtes Wundermittel zur Verfügung.

  • 21 Micha 04.12.2021, 16:39 Uhr

    "In der vierten Welle werden immer noch die gleichen Fehler gemacht." Das halte ich für eine Äpfel-mit-Birnen-vergleichen-Aussage. Es ist die 4. Welle, aber die 1. - bis jetzt - "reine Delta-Welle". Seit der 1. "Wildtyp-Welle" im Frühjahr 2020 ist viel passiert, wir wissen mehr über das Virus, wie wir uns davor schützen können. Dass wir uns davor schützen müssen, weil unser Immunsystem sonst ohne die nötigen Abwehrkräfte von Sars-CoV-2 erwischt wird. --- Weder diese Entwicklung des Virus noch die lange Forschung an mRNA-Impfstoffen, die es nun gibt, noch die Wirkung dieser Impfstoffe werden zufriedenstellend für die breite Bevölkerung dargestellt. Keine Erklär-Spots oder Videos, die von "der Politik" veranlasst würden. Stattdessen die Ärmel-hoch-Kampagne "gegen Corona", zu der etliche Bürger Fragen haben. Sie bleiben meist unbeantwortet. --- Eine flache Lernkurve wäre den Nicht-Mediziner-Politikern vllt zu verzeihen, eine den Bürgern gegenüber anhaltend ignorante Lernkurve nicht.

  • 20 Herbert Sommer 04.12.2021, 15:27 Uhr

    Sehr schön von vielen Seiten beleuchtete Beschreibung der Situation, auch wenn ich mit dem Intro auf FB "Es wäre gut, wenn die Politik endlich aus Fehlern lernt..." so pauschal nicht einverstanden bin (Begründung siehe FB-Kommentare).

  • 19 Anonym 04.12.2021, 15:22 Uhr

    Hm, "Expertenrat NRW"? Ich meine, der wurde im Zuge der (sehr bald) für alle verfügbaren Impfmöglichkeit und unter der vollkommen irren Einschätzung, dass die Pandemie in Deutschland so gut wie im Griff sei, nach seiner Sitzung Ende Juni aufgelöst. www.land.nrw/pressemitteilung/expertenrat-corona-der-landesregierung-nordrhein-westfalen-legt-6-stellungnahme-vor Mit warmen und nichtsahnenden Dankesworten unseres MPs.

    Antworten (1)
    • Stephan R. 05.12.2021, 10:40 Uhr

      sehr gut !!!!!!

  • 18 Manfred Blings 04.12.2021, 15:20 Uhr

    Wer zieht eigentlich die Politiker für ihre verantwortungslosen Versäumnisse zur Rechenschaft? Und für die Toten?

  • 17 Stefan 04.12.2021, 12:46 Uhr

    Caro, du hast absolut recht, aber ziehst meiner Meinung den falschen Schluss. Denn eines steht doch fest. Die vielen Expertenmeinungen und das RKI sprechen doch klare Warnungen und Ratschläge aus, das kann man nicht übersehen, oder falsch machen. Aus meiner Sicht will es die Politik einfach nicht richtig machen. Als Beispiel möchte ich das Verhalten von Armin Laschet heranziehen der es im Wahlkampf einfach allen recht machen wollte und deshalb das richtige nicht getan hat. Hier geht es nicht um "lernen", sondern um Politikversagen auf höchster Ebene. Gruß, Stefan

  • 16 Rolf Bender 04.12.2021, 12:42 Uhr

    In Schweden ist die Corona-Kurve flach trotz gleicher Impfquote und ohne drastische Maßnahmen, aber die Lern-Kurve der Bürger ist hoch durch Eigenverantwortung. Ich glaube nicht, dass man Wissenschaftlern mit Sendungsbewusstsein in sehr speziellen Gemeinschaften wie den Leopoldinern so blind hinterherlaufen sollte. In der freien Wissenschaft wird kontroverser diskutiert und ohne übersteigertes Sendungsbewusstsein. Daher verlasse ich mich lieber auf Aussagen zum Beispiel von Hendrik Streek oder Alexander Kekule aber innerhalb einer Blase setzt man bei denen die nicht im Mainstream kritiklos mitschwimmen auf „Cancel Culture“. Auch ich sehe uns und auch die Österreicher erfolglos in einer „Zeitschleife“, setzte aber mehr auf den Ausbruch durch Eigenverantwortung wie man erfolgreich in Skandinavien macht. Der Kurswechsel ist nur extrem schwer wenn die Leute jetzt glauben alles was nicht ausdrücklich verboten ist wäre ungefährlich und mit 100% Impfquote gäbe es keinen Probleme mehr.

    Antworten (1)
    • Stephan R. 05.12.2021, 11:24 Uhr

      Im Prinzip eine stimmige Aussage. Aber: Eigenverantwortung ???? War am Freitag auf unserem Weihnachtsmarkt (bin 2G+) - was ich da gesehen habe ..... Laufe mit Maske über den Markt, ALLE die mir entgegen kommen, tragen keine ..., ich höre VIELFACH "dat is echt leuk" [das ist niederländisch - die haben gerade Inzidenzen über 1000] - trotzdem latschen die ohne Maske durch meine Stadt. Glühweinstand: eine Schlange ohne Ende, KEIN Abstand, nur 2 von 10 tragen eine Maske - das Personal hinter der Theke sowieso nicht. Wo soll hier Eigenverantwortung erkennbar/verlangt/vorausgesetzt werden ????? Es gibt keine "Eigenverantwortung" - wir alle brauchen "Druck und EPA" von oben - aber dafür sind unsere Politiker zu feige ....

  • 15 Stephan R. 04.12.2021, 12:26 Uhr

    [1000 Zeichen aren't enough] Liebe Frau Wißing, setzen Sie sich einmal auf die Couch (sie haben bis zur nächsten Kolumne 7 Tage Zeit) und denken Sie einmal darüber nach, wer den BioNTech-Mythos in der Öffentlichkeit über Monate gestreut hat. Das waren SIE (Sie und ihre Berufs-Kollegen) - ich betreue aktuell die Reservierungen für ein Impfzentrum - dank Jens Spahn wenig BioNTech, viel Moderna. Die Reaktion der Impfwilligen ? "Moderna ? Nee, ich will BioNTech, dann komme ich nicht!" HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !!! Das haben auch Sie (mit Sie meine ich immer Sie und Ihre Berufskollegen) zu verantworten. Aktuelle Studien zeigen, dass Moderna in der Altersgruppe 30+ der nachhaltigste Impfstoff ist - wird von der deutschen Bevölkerung aber abgelehnt - woher kommt das ??? Vielleicht sollten Sie das mal zum Thema Ihrer Kolumne machen - Schaden kann es definitiv nicht !

    Antworten (1)
    • Michael 04.12.2021, 20:54 Uhr

      Ich hab das Moderna doppelt auf eigenen Wunsch bekommen weil es darüber wenig bis keine negativen Berichte gab. Biontech war nicht ganz so "weiß". Hatte beide male 1 Tag krank als Nachwirkung aber seitdem alles in Ordnung. Trotz Arbeit im Büro und mim Bus zur Arbeit und zurück kein Corona. Und von der Firma gibts Tests 2x die Woche. Immer nur 1 Strich bei der Kontrollstelle.

  • 14 Dr. Andreas Gittinger 04.12.2021, 12:11 Uhr

    Frau Wißing beschreibt und bewertet die Situation völlig korrekt. Nur, wenn wir uns fragen, ob es auch besser hätte gemacht werden können, müssen wird uns auch fragen, wie wir als Politiker in verantwortlicher Position gehandelt hätten. Hätten wir im Sommer und frühen Herbst, als bei niedrigen Inzidenzen über einen "Freedom Day" diskutiert wurde, Einschränkungen verordnet um eine noch nicht sichtbare vierte Welle möglicherweise zu brechen, sicher aber als Buhmann zu gelten und Wahlen zu verlieren? Die Politik agiert nicht im Vakuum, sie muss auf die Stimmung in der Bevölkerung achten und tut das. Die alte Wahrheit, dass wir die Politiker haben, die wir verdienen, gilt nach wie vor. Das gehört zur Demokratie. Im Übrigen stellt sich auch die Frage, wie "frühes Wellenbrechen" auf Dauer funktionieren kann. Präventive Einschränkungen müssen von begrenzter Dauer sein, danach können die Inzidenzen wieder wachsen, dann kommt die nächste Prävention ...

    Antworten (2)
    • Micha 05.12.2021, 17:41 Uhr

      Teil 1: Die Freedom-Day-Diskussion bei uns war fast fatal. Israel ist uns zeitl. voraus u. auffrischimpfte seit dem 30.07.. Am 02.08. beschloss die Gesundheitsministerkonferenz Auffrischimpfungen f. bes. gefährdete Menschen ab September. --- "Die Politik [...] muss auf die Stimmung in der Bevölkerung achten u. tut das." Jein. Gerade WEIL im Sommer Delta quasi tot war - wegen der "guten" Inzidenzen u. Unwillkommen-Sein im Wahlkampf - hätte "die Politik" auf allen Kanälen (auch fremdsprachigen) über die Entwicklung des Virus (Wildtyp, Alpha, Delta), die dadurch entstandene geschmälerte Impfwirkung u. die Entwicklung u. Wirkung der Impfungen allgemeinverständlich aufklären sollen. --- Bes. die mRNA-Impfstoffe wurden als "Wunder" od. Neuheit verkauft. Bürger sind bei Wundermitteln skeptisch. An der mRNA-Impfstoff-Technologie wurde seit 1990 (!) geforscht. Die verimpften, im Labor entschärften mRNA-Schnipsel werden sehr schnell im menschlichen Körper abgebaut. - So etwas muss gesagt werden.

    • Micha 05.12.2021, 17:41 Uhr

      Teil 2: Einige Umsetzungs-Beispiele fand ich auf Twitter: www.twitter.com/DrEricDing/status/1459284608122564610 (Engl.), darunter auf Deutsch: www.youtube.com/watch?v=GBq_l2llyzo&t=4s --- Diese Infos müssen in den Köpfen aller Bürger ankommen können, bevor von "Impfpflicht" geredet wird! Es muss jede/r begreifen, dass Impfungen ein sicherer Weg aus der Pandemie sind. Und wenn sie jährlich wiederholt werden müssen...ist das besser als sich in Bauchlage auf einer Intensivstation od. gar unter der Erde wiederzufinden, nachdem man selbst erst noch mehrere andere angesteckt hat. --- Wenn das gänzlich bei den Bürgern ankommen sollte, wären für die nächste Welle 2022 evtl. Mund-Nasen-Schutze u. regelmäßiges, gründliches Händewaschen ausreichend. --- Wozu JETZT eine Impfpflicht, da so bald die Zulassg des "Totimpfstoffs" v. Novavax erwartet wird? Bürger haben die Chance verdient, sich FREIWILLIG mit ihm impfen zu lassen. MMn beißt sich "die Politik" da durch Umfrage-Ergebnisse in den A****.

  • 13 Frank 04.12.2021, 11:54 Uhr

    Jeder weiß, dass politische Entscheidungen nur selten etwas mit der aktuellen Realität zu tun haben. Informationen sammeln - aufbereiten - diskutieren - erneut abwägen usw. . Unter Umständen sinnvoll, aber durch die Erfahrung der deutschen Bürokratie und der vermeintlichen Gründlichkeit stehen sich politische Entscheidungen und schnell notwendige Maßnahmen, gepaart mit einer egozentrisch ausgelegten Persönlichkeit selbst im Wege. Wie kann man von der seit Jahrzehnten geprägten Stumpfsinnigkeit der Behörden und Politik erwarten, dass plötzlich Flexibilität, Mut zur Entscheidung und Geradlienigkeit umgesetzt wird. Die Pandemie, zeigt wie sehr man sich durch die vorgenannte Prägung selbst im Weg steht und warum z.B. keiner der Politiker den A... in der Hose hatte, um den "Kölner Irrsinn" im Vorfeld zu verhindern (Angst vor Stake- und Shareholdern der persönlichen Laufbahn). Deutsche Bürokratie (Politik) und globale Realität sind verschiedene Welten.

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