Die Samstagskolumne: Vassili Golod

KOLUMNE

Warum wir uns von Corona-Regeln nicht unterkriegen lassen sollten

Stand: 08.01.2022, 06:00 Uhr

Maskenpflicht, Quarantäne, 2G-plus - gute Laune kommt bei diesen Begriffen und ständig wechselnden Vorschriften nicht auf. Unser Kolumnist Vassili Golod hat sich Gedanken gemacht, wie wir trotzdem unaufgeregt durchs dritte Corona-Jahr kommen.

Von Vassili Golod

Mein 2022 startet in der Silvesternacht mit meinem Nachbarn, der auf seinem Balkon gefühlvoll Trompete spielt. Und mit dem persönlichen Vorsatz wieder mehr Sport zu machen. 

Doch als größte Herausforderung des neuen Jahres stellte sich nicht mein Sportkurs heraus, sondern die ewige Warteschlange vor dem Corona-Testzentrum. Denn der Test muss trotz vollständigem Impfschutz sein, um überhaupt teilnehmen zu dürfen - oder mit anderen Worten: 2G-plus.

Optimismus trotz Einschränkungen?

"Haben Sie denn wirklich alle einen Termin?!" Wahlweise staunend, schockiert oder schimpfend reihten sich immer neue Menschen hinter mir ein. Andere kapitulierten. Während ich also darauf warte ein Stäbchen in die Nase geschoben zu bekommen, fasse ich einen neuen Vorsatz: In diesem Jahr lasse ich mich von den Corona-Regeln nicht unterkriegen.

Optimistisch bleiben - trotz Virus-Varianten, Bund-Länder-Beschlüssen und immer neuen Einschränkungen im Alltag. Das schreibt sich so leicht, denken Sie jetzt vielleicht.

Was ist mit Eltern, die wegen positiver Kita-Pooltests immer wieder zeitgleich Homeoffice und Erziehung stemmen müssen? Was ist mit medizinischem Fachpersonal, das seit fast zwei Jahren am Limit arbeitet? Mit Pädagoginnen? Und was ist damit, dass diese Pandemie die Psyche vieler Menschen überlastet, Existenzen bedroht?

Comeback der Empathie

Was diese Menschen eint, ist ihr berechtigter Wunsch nach Anerkennung. Sie wollen, dass ihre enormen Anstrengungen wahrgenommen werden. Der von der Bundesregierung versprochene "Corona-Bonus" ist da ein wichtiger Schritt. Aber nur ein kurzfristiger. Regierung und Opposition müssen zusätzlich lernen, wirklich konstruktive und wirksame Lösungen für die immer neuen pandemischen Herausforderungen zu finden - und die richtigen Worte.

Als Gesellschaft müssen wir lernen, uns gegenseitig wieder mehr wahrzunehmen und zu sehen. Mehr Wertschätzung, mehr Geduld, mehr Empathie miteinander.

Wir alle leiden persönlich unter den Auswirkungen dieser Pandemie und wir leiden als Gemeinschaft. Den Umgang miteinander können wir beeinflussen.

"Wir sollten 2022 der Empathie zum Comeback verhelfen." Vassili Golod

Kritik ja, Daueraufregung nein

Kritisch sollten wir aber bleiben, unbedingt. Und es ist auch völlig okay zwischendurch frustriert zu sein. Was uns hingegen nicht weiterbringt, ist die konstante Daueraufregung. Deshalb auch mein Neujahrsvorsatz: Ich lasse mich von den neuen Beschlüssen nicht entmutigen. 

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Als ich negativ getestet auf den letzten Drücker an der Sporthalle ankam, gab mir eine andere Teilnehmerin den Tipp, mich am Abend vorher testen zu lassen. Auch hier zeigt sich: Gemeinsam lassen sich Lösungen immer noch am besten finden.

Wenn es aus Zeitgründen mal nicht klappt, werde ich einfach joggen gehen. So wird es auch was mit dem ursprünglichen Neujahrsvorsatz. Und mit ein bisschen Glück muss mein Nachbar in einem Jahr nicht mehr alleine auf seinem Balkon Trompete spielen.

Wie bewältigen Sie den Alltag mit Corona-Regeln? Welche Strategien haben Sie entwickelt, damit Sie sich den Spaß in der Freizeit nicht verderben lassen und der Alltag so "normal" wie möglich ist? Und finden Sie auch, dass man sich von den Maßnahmen nicht unterkriegen lassen und optimistisch bleiben sollte? Lassen Sie uns gerne darüber diskutieren - hier in den Kommentaren oder auf Social Media.

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Kommentare zum Thema

31 Kommentare

  • 31 Roger 11.01.2022, 07:57 Uhr

    Seit einem Jahr kann sich jeder gegen Corona impfen lassen, machen aber nicht alle. Seit Jahrzehnten gibt es jährliche Grippeschutzimpfungen, machten aber auch nicht alle. Woher kommt der neue Fürsorgeanspruch der Politik bei Corona? Bisher hatte sich über Grippe auch niemand beschwert, wenn jährlich 20 Tsd. Senioren an Grippe gestorben sind. Schlimmer noch, dass heute junge Menschen in ihren Freiheiten beschnitten, weil sich ältere nicht impfen lassen wollen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Politiker wollen mit Zwang etwas regulieren, was nicht reguliert werden will.

  • 30 Roger 10.01.2022, 09:43 Uhr

    Wenn etwas unter Zwang geschieht, ist das Problem nicht gelöst. Die Politik glaubt, wenn alle Bürger geimpft sind, ist Corona besiegt. Das ist nicht der Fall. Durch Mutation verändert sich der Virus und Geimpfte erkranken trotzdem. Viel schlimmer wirkt die Impfung unter "Zwang" auf Impfgegner, also durch Androhung von Bußgeld, Job-Verlust und sozialer Ausgrenzung. Impfgegner ändern trotz verabreichter Impfung nicht automatisch ihre Meinung. Als gedemütigte Besiegte verlieren sie ihre Würde und grämen sich. So entsteht eine ganz andere Krankheit, ein neuer Virus, der unsere Demokratie zerfrisst.

  • 29 Roger 09.01.2022, 12:21 Uhr

    Ich habe nach zwei Jahren Experten-TV-Shows gelernt: AHA-Regeln schützen vor Corona-Infektion (und Grippe), Impfen schützt vor schweren Krankheitsverläufen. Als Ersatz fürs Impfen gibt es ein Medikament, dass bei Covid-19 eingenommen wird. Ich glaube, jeder mündige Bürger soll die Freiheit haben selbst zu entscheiden, ob er ohne Infektion leben möchte, also AHA-Regel einhalten (Abstand-Händewaschen-Alltagsmaske bzw. Mund- und Nasenschutz). Oder an den Impfschutz glaubt, hier bei einer Infektion nicht schwer zu erkranken. Die Politik sollte sich nicht als Oberlehrer aufspielen und mündige Bürger nicht ständig maßregeln. Verwerflich ist es, wenn Politiker sich Hypothesen ausdenken, um Rechte der Bürger zu beschneiden.

  • 28 Anonym 09.01.2022, 10:39 Uhr

    "Keine Geselligkeit mehr" - richtig, Ballermann ist Geschichte und der enge Freundeskreis die neue Geselligkeit. Wer keine Freunde hat, ist momentan deutlich am Ar...

  • 27 Lauftrainer 09.01.2022, 09:41 Uhr

    Regeln sind nicht das Schlimmste—das Schlimmste sind Verbote und die Willkür der Entscheidungen ! Ohne klares Ziel oder Ende…Während der Lebensmittelhandel 20% mehr Umsatz feiert und jetzt wieder weit , weit mehr als das Lebensnotwendige verkauft …also auch Spielwaren etc.an Ungeimpfte ohne Test…. Und schlimm ist wenn man glaubt Omikron aufhalten zu müssen und zu können mit weiteren Einschränkungen (bei sinkenden Belegungszahlen in den Intensivstationen.)2 G hätte seit Herbst laufen müssen und der Boosterstart im Sommer! Wer jetzt nicht ins Restaurant darf geht mit lockerer OP Maske in den Supermarkt lädt dann ein paar Querdenker zum Essen ein…. Schlimm ist auch die Rhetorik —wenn jetzt die Hälfte der Gäste nicht kommen darf bzw.keinen Test macht muss man der Bevölkerung auch mitteilen: „geht bitte doppelt so oft essen damit nicht alle Restaurants bald wieder pleite sind…. 7 Millionen leben in überbelegten Wohnungen, Omikron freut sich schon auf die Aufzüge in den Hochhäusern …

  • 26 Erika Münch 09.01.2022, 08:39 Uhr

    Es ist super, dass wir zum Sport können. Da stört mich auch der Test nicht. HabeTermine für die nächsten Tage gemacht und es gibt keine Warteschlangen. Gut organisiert. Wenn kein Hallensport mehr möglich ist, draußen laufen. Einkaufen alle zwei bis drei Wochen, vorkochen und abends planen was man am nächsten Tag essen möchte. Ich glaube die größte Gefahr sich anzustecken ist im Supermarkt. Also entspannt bleiben. LG Erika

  • 25 Lukas Hauke Oliver 09.01.2022, 07:56 Uhr

    Klar: Nicht unterkriegen lassen, sondern deutlich machen gegen die oft übertriebenen, unverhältnismässigen Corona-Zwangsmassnahmen! Besonders unverhältnismässig und menschenfeindlich: die Maskenpflicht. Dass wir uns in Bahn, Bus und Geschäften nur wegen einer meist harmlosen grippalen Erkrankung überhaupt nicht mehr von Mensch zu Mensch sehen können, ist eine extreme Zumutung und ohne Verhältnismässigkeit! Und in Ländern wie Schweden usw., wo keine Maskenpflicht ist, sind die Inzidenzen oft ähnlich wie hier oder sogar niedriger!! Die Maskenpflicht bringt nichts gegen Corona und verletzt jeden Tag unsere elementare persönliche Handlungsfreiheit! Und: Ich bin nicht "rechts"! Die plumpe, pauschale Diffamierung von Corona-Kritikern als "rechts" ist selber Rechts! Wer andere als "rechts" beleidigt, ist selber Rechts! Ich bin schwul, und ich bin sehr stolz darauf! Ich bin seit jeher absolut gegen rechts! Ich habe früher grün gewählt, seit Corona wähle ich FDP. Ich bin für die Freiheit!

  • 24 Thomas 09.01.2022, 04:06 Uhr

    Empathie ist sehr wichtig. Zwischenmenschlich, aber auch seitens der Institutionen. Gut anderthalb Jahre regierte diesbezüglich nur ein Wettbewerb der Machtverliebten, die sich mit immer neuen, möglichst „knallharten“ Maßnahmen gegenseitig zu übertreffen und zu profilieren suchten. Ich registriere mit Freude und Hoffnung, dass dies nun vorbei zu sein scheint und Lebensbedingungen und Existenzen der Menschen bei den Mächtigen wieder eine Rolle zu spielen scheinen, -auch, wenn natürlich weiterhin Maßnahmen notwendig sind. Nehmen wir uns daran an Beispiel und schauen bei unseren Mitmenschen aufmerksamer hin, bevor wir urteilen und entscheiden, was wir tun. Nur dann wird die Pandemie wirklich einmal enden.

  • 23 Rentner Rolf 08.01.2022, 17:15 Uhr

    Dem Plädoyer für Duldsamkeit kann ich als Rentner mit genug Rente folgen. Müsste ich mit Laden oder Kneipe Geld verdienen wäre ich auch zickig und würde auf die Straße gehen. Auch habe ich genug erlebt im Leben und als Rentner habe ich jeden Tag Urlaub. Wäre ich jung und hätte das Leben noch vor mir würde das mit der Gelassenheit anders sehen. Die kommenden Rentenkürzungen kann ich eine Weile verkraften; vielleicht gibt es mehr Geld aber bei höherer Inflation kann ich weniger dafür kaufen was einer Rentenkürzung gleich kommt. Es geht hier um Maßnahmen gegen Viren, nicht um Viren und ob das alles wirklich sein muss oder nicht schlucke ich mal runter. „Daueraufregung“ bringt nichts, Aufregung in sich hineinfressen macht aber krank. Was hilft gegen überzogenen Maßnahmen sind Wahlen und so weit ich das überblicke wird man nur mit rechten Parteien die Einschränkungen wieder los. Da kann ich Wüst und Kutschaty nicht verstehen, dass sich beide vor der Wahl im Mai für Impfpflicht aussprechen.

    Antworten (2)
    • Edda 11.01.2022, 06:15 Uhr

      Vielleicht braucht man als Rentner nicht langfristig denken, frage ich mich?? Wähle ich rechts, hole ich mir noch die Pest ins Haus! Diese Erkrankung der Gesellschaft wird man nicht mehr so schnell wieder loswerden. Also bitte langfristig planen, wem man seine Stimme geben sollte!

    • Rentner Rolf 14.01.2022, 13:57 Uhr

      @Edda, man kann sich auch mit links „die Pest ins Haus holen“; Stalin war ja auch nicht unbedingt der ungetrübte Sonnenschein für sein Land. Gleiches gilt für religiös orientierte Politik. Das ist weniger eine Frage an welche Ideologie man glaubt, mehr eine Frage wie radikal und rücksichtslos die Ideologie vertreten wird und zur Zeit haben die Ideologie Corona-Panik. Es ist egal ob Wüst über das Ziel hinaus schießt weil er überfordert ist oder ob er aus wahltaktischen Kalkül sich Vorteile verspricht; er ist so oder so für das Amt ungeeignet. Im WDR5-Morgenecho gab es ein gutes Interview mit dem Virologen Klaus Stöhr: "Unsinnige Maßnahmen zurücknehmen" (Audio ist online verfügbar); dieser Denkrichtung kann mich mich anschließen. Mein Kommentar ist kein Plädoyer für rechte Parteien. Es geht mir um Inhalte und Übertreibungen oder blanken Unsinn findet man bei rechten Parteien zum Thema Corona eben nicht. Gäbe es da mehr Schadensbegrenzung auch mit anderen Parteien hätte man mehr Auswahl.

  • 22 Jupp 08.01.2022, 17:13 Uhr

    Die Corona Regeln machen mir gar nichts aus, davon lasse ich mich überhaupt nicht unterkriegen. Wir sollten aber mittlerweile alle gegen die Querdenker und ihre von rechtsradikalen unterwanderte Bewegung aufstehen. Hier sollten wir uns Gedanken machen! Denn durch diese Leute ist unsere Demokratie in Gefahr genauso wie vor einem Jahr in den USA. Es sind im Grunde dieselben Leute wie in Amerika, gelenkt von einigen Nazigrößen: hier sind es Höcke&co. -in den USA sind es vor allem Bannon und diese Nazi-Republikanerin, die alles leugnet...

  • 21 Johann Moritz 08.01.2022, 16:26 Uhr

    Ich hatte 2020 eine Bypass-OP. Hab mich danach aufgeräppelt, war optimistisch. Dann, ein halbes Jahr später, hat mein Immunsystem als Folgeerscheinung zugeschlagen und mir noch weitere 3 Wochen Krankenhausaufenthalt beschert, und dazu ein Impfverbot für den Rest des Jahres 2021. Ich sitze seit 2 Jahren im HO, habe weder Kollegen noch Freunde treffen können seit 2 Jahren, 40 jähriges Klassentreffen, Chorproben, alles nicht möglich. Manchmal frage ich mich, ob ich die Bypass nicht hätte sein lassen sollen, man darf ja ohnehin nichts. Empathie für aus medizinischen Gründen Ungeimpfte? Verständnis für Menschen, die Angst vor Nebenwirkungen haben, weil sie Probleme mit ihrem Immunsystem haben? Davon ist nirgends etwas zu merken. Ausgestoßen fühlt man sich, wie ein Leprakranker im Mittelalter.

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