Wie Salafisten ihre Kinder radikalisieren

Salafistenpuppen

Wie Salafisten ihre Kinder radikalisieren

Von Cosima Gill

  • Über Spielzeuge wird Kindern ein Weltbild vermittelt
  • Aktuell leben rund 3.000 Salafisten in NRW
  • Präventionsprojekt "Wegweiser" bietet Hilfe
  • "salafistische Puppen" werden in Köln vertrieben

Zur Diskussion über die Erziehung zum Salafisten

NRW-Verfassungsschutzchef Burkhard Freier spricht am 03.08.2015 auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf

Burkhard Freier, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes

"Der Salafismus wird gewaltbereiter und jünger", erklärt der Leiter des Verfassungsschutzes NRW, Burkhard Freier. Jünger, das bedeutet oft sogar eine gezielte Indoktrinierung im frühen Kindesalter. Laut Verfassungsschutz leben in NRW geschätzt 100 salafistische Familien, in denen Kinder bereits früh mit der Ideologie großgezogen werden.

"Salafistische Puppen" sind Teil eines Weltbildes

WDR 2 | 24.08.2018 | 03:44 Min.

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Spielerische Indoktrinierung

Salafistenpuppen

"Jundullah" heißt "Soldaten Gottes"

Als Nährboden für die salafistische Ideologie sieht der Verfassungsschutz auch Spielzeuge wie etwa Puppen, die Kämpfer darstellen. Die Figuren, die in Köln hergestellt werden und über Soziale Netzwerke verkauft werden, erinnern den Islamwissenschaftler Elhakam Sukhni, Dozent an der Uni Köln, an den "Islamischen Staat".

Salafistische Werte werden weitergegeben

Auffällig sei, dass einige Puppen mit dem Wort "Jundullah" beworben werden - übersetzt "Soldaten Gottes". Welche Werte die Herstellerin Kindern mit den Puppen vermitteln will, schrieb sie auf Facebook: "(...), dass unsere kleinen Löwen und Löwinnen bereits beim Spielen die natürliche Schamhaftigkeit kennenlernen." So soll vermutlich das konservative Frauenbild der Salafisten an Kinder weitergegeben werden.

Wir haben die Herstellerin um eine Stellungnahme gebeten, jedoch keine Antwort erhalten. 

Der Verfassungsschutz schaut im Netz genau hin

Salafistenpuppen

Verfassungsschutz beobachtet den Vertrieb solcher Puppen

Solche Produkte beobachtet der Verfassungsschutz im Netz und auch, wer sie produziert und wie der Vertriebsweg ist. Noch gefährlicher seien allerdings Geschichten für Kinder, so Freier, denn diese würden sich die Kinder noch länger merken: "In Geschichten wird zum Beispiel die Mehrehe propagiert oder es geht darum, dass Gefangene, die von der deutschen Justiz inhaftiert worden sind, zu Opfern und Märtyrern erklärt werden."

Ein eigenes Weltbild wird erschaffen

Elhakam Sukhni

Islamwissenschaftler Elhakam Sukhni

"Genau das ist das Hauptproblem", so Sukhni, "für die Kinder wird die Welt aufgeteilt in die, die auf dem richtigen Weg sind und alle anderen, die auf dem falschen Weg sind." So entstehe schon im Kindesalter eine komplette Abschottung.

Beratungsstellen in NRW

In NRW finden Betroffene Hilfe beim Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus "Wegweiser". "Rund 75 Prozent der Beratungen bei Wegweiser sind Minderjährige", so Freier. Er warnt davor, die Radikalisierung von Kindern nicht ernst zu nehmen, "denn so kann eine neue Generation an Salafisten entstehen, die ideologisch viel tiefer verwurzelt sind." Noch tiefer verwurzelt als die Generation ihrer Eltern.

Bundesweit bietet die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Unterstützung an. Angehörige oder Freunde, die vermuten, dass sich eine Person in ihrem Umfeld radikalisiert, können sich unter Telefon 0911/943 43 43 (montags bis freitags 9-15 Uhr) oder per E-Mail: beratung@bamf.bund.de melden.

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Stand: 23.08.2018, 06:00

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 6 Svetlana 23.08.2018, 16:45 Uhr

    Gut das Christen ihre Kinder nicht beeinflussen, so können diese zu frei denkenden Wesen heranwachsen. (Sarkasmus aus)

    Antworten (1)
    • Karla Anders 23.08.2018, 17:41 Uhr

      Ja, gerade in den deutschen Großstädten kann man sich vor den radikalisierten Christen kaum noch schützen.

  • 5 Stan und Ollie 23.08.2018, 16:12 Uhr

    Wer seine Kinder außerhalb der Normen unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung erzieht und ihnen Werte vermittelt, die rückwärts gewandt sind, dem sollten die Kinder durch den Staat entzogen werden. Und zwar für immer!

  • 4 Jeder hat das Recht zu denken und zu glauben was er / sie will. 23.08.2018, 14:13 Uhr

    Keiner hat das Recht andere zu diffamieren weil diese nicht, oder was anderes glauben / denken. Jeder der seinen Glauben über das hier geltende Recht stellt, hat hier nichts verloren. Egal welcher Nationalität die Person angehört.

  • 3 Klaus Keller 23.08.2018, 13:02 Uhr

    Wenn sich ein Teil der eigenen Bevölkerung gegen das eigene Volk richtet haben wir Pech gehabt. Da behaupte ich mal, eine Flucht in die Extremen der Religionen hätte es nicht so häufig gegeben, wenn wir noch eine Soziale Marktwirtschaft hätten. Bei Ausländern müssen wir das nicht akzeptieren, da kann man die Aufenthaltserlaubnis entziehen, auch wenn die Formulierung der Kriterien schwierig zu formulieren ist. Asylmissbrauch ist ein Thema für sich aber das Fass müssen wir nicht an jeder Stelle durchdiskutieren. Ich bin Ausländerfeindlich, wenn der Ausländer uns gegenüber feindlich gesinnt ist, dann schon in der zweiten Generation.

  • 2 Herbert 23.08.2018, 12:26 Uhr

    Warum sollte es bei Salafisten anders sein wie bei Zeugen Jehovas, Christen oder Juden(und was es sonst noch alles für Sekten gibt, die für geistige Unterwerfung eine Belohnung nach dem Tode versprechen). In entsprechend geprägten Haushalten werden die Kinder systematisch auf Kurs getrimmt, sodaß die freie Religionswahl mit 14 Jahren nur noch eine Formsache ist. Solange "Religionsfreiheit" höher bewertet wird wie andere Grundrechte(z.b. körperliche Unversehrtheit), wird sich daran auch nichts ändern.

    Antworten (1)
    • Klaus Keller 23.08.2018, 12:39 Uhr

      Ich würde schon nach Sekten und Religionen unterscheiden, auf wenn die Übergänge irgendwo fließend sind

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